Wirtschaft | Karriere
22.07.2017

Karl Stoss über die Zeit nach den Casinos

Karl Stoss über sein Leben danach: der Vorstandsjob bei den Casinos war einmal, er will keine operative Tätigkeit mehr. Das Gipfelgespräch mit dem Bergfex fand in 2500 Meter Höhe statt. Traditionell sagt man hier "du" zueinander.

Wer Karl Stoss kennt, weiß: Seine Welt sind die Berge. Den Ex-Casinos-Vorstand verbindet eine tiefe Freundschaft mit Bergsteiger Peter Habeler, gemeinsam haben sie schon viele Gipfel erklommen. Sein Weg bei den Casinos Austria als Vorstand endete mit Juni. Wie geht’s weiter?

KURIER: Karl, wie lange brauchst du beim Wandern, bis dein Kopf frei wird – von allem?

Karl Stoss: Na ja von allem – das ist natürlich eine hehre Herausforderung. Ich brauche in der Regel einen halben Tag, um richtig frei zu werden. Es beginnt aber mit den Losgehen: da legt man mit jedem Schritt irgendetwas ab.

Du warst gestern am Schwarzenstein auf 3369 Meter, eine lange Tour, viel monotones Gehen über den Gletscher. Schlechtwetter war auch angesagt. Warum hast du die Tour durchgezogen?

Ich liebe das meditative, langsame Gehen. Schritt für Schritt. Da kann man gut reflektieren. Für mich ist Berggehen in erster Linie eine Kopfsache. Weil ich auch nie etwas trainiere.

Keine Vorbereitung?

Nein. Nichts. Ich gehe nicht einmal laufen.

Du sagst, am Berg legt man Dinge ab. Und bringt damit Ordnung in Geschehnisse?

Das ist richtig. Mit dem Ablegen wird Platz frei für Neues. Ich möchte ja auch nicht stehenbleiben. Mache mir Gedanken: was war gut, was war schlecht, was möchte ich anders machen? Das ist für mich das Erholsamste überhaupt.

Gab es eine Erkenntnis auf diesem Berg?

Ja, dass das, was ich gemacht habe in den vergangenen Monaten, die richtige Entscheidung war. Ich bin damit sehr zufrieden.

Die Entscheidung, die Casinos zu verlassen, hast du wenig kommentiert, lediglich mit dem Satz: "man soll gehen, wenn’s am Schönsten ist". Warum?

Weil man dann stolz und zufrieden zurückblicken kann auf das, war man erreicht hat. Das war der Grund für mich zu sagen: ich möchte nicht mehr verlängert werden. Dann kommt das Lebensalter dazu. Wenn man über 60 ist, werden neben einem Freunde krank oder sterben. Man fragt sich: Worauf soll ich warten?

Über zehn Jahre Casinos: Wie sehr wächst man in eine Firma hinein, oder ist es nur ein Job?

Es ist schon viel mehr. Die Casinos sind kein Produktionsunternehmen, sondern eines, das mit Menschen und für Menschen arbeitet. Deshalb kommen einem diese Menschen auch sehr nahe.

Wenn man beschließt, man hört mit so einem großen Job auf, was überlegt man sich für danach?

Ich habe das lange vorbereitet. Schon im Sommer 2015 habe ich reflektiert. Bei uns werden Vorstandsverträge ja ein Jahr vor Ablauf verlängert – oder eben nicht. Im Dezember habe ich den Entschluss gefasst: Nein, ich will das jetzt hinter mir lassen. Jetzt kommt eine neue und andere Phase, die in erster Linie heißt: Raus aus dem Hamsterrad der Fremdbestimmung. Ich werde keine operative Tätigkeit mehr annehmen. Ich habe so viele ehrenamtliche Funktionen, einige Aufsichtsratsfunktionen. Mir wird sicherlich nicht langweilig.

Du hast die Ruhe zu sagen: es reicht jetzt.

Ja. Weil ich dieses Streben nach mehr nicht habe. Ich habe genug, meine drei Kinder sind versorgt. Es ist irrsinnig schön, wenn man loslassen kann. Ich habe eine große Freude damit.

Du hast auch noch einen Beratervertrag bei den Casinos Austria.

Ich wurde gebeten, in den Aufsichtsräten der Casinos in der Schweiz, in Dänemark und Australien zu bleiben. Und ich stehe für den Vorstand beratend zur Verfügung, wenn ich gefragt werde. Diese Funktion habe ich bis Ende 2019. Aber ich mische mich nicht ein und gehe auch nur ab und zu ins Büro. Im Juli war ich in Summe zwei Stunden dort. Dann räume ich auf. Jetzt ist wegwerfen angesagt.

Ein langsamer Ausstieg also.

Ein schöner Übergang. Ich habe keine operative Verantwortung, bin aber noch verbunden. Mein Terminkalender ist jetzt angenehm voll.