Kaiserschmarrn an der Elite-Uni Stanford

Im universitären Olymp schafften sich Österreicher ein Stück Heimat

Eine Visite samt Gastvortrag an der Elite-Uni gehörte Ende Jänner auch zum Kalifornien-Programm von Wirtschaftskammerchef Christoph Leitl Christoph Leitl mit Mitgliedern des "Stanford Austria Club" und dessen Sprecher Martin Kotynek (dritter von re.)

Am Nationalrats-Wahlsonntag saß ein Dutzend Österreicher bereits um sieben Uhr früh gemeinsam vor dem Bildschirm, um auf die ersten Hochrechnungen des Ergebnisses zu warten. Zur Stärkung von Leib und Seele gab es trotz der frühen Morgenstunde dampfenden Kaiserschmarrn bis zum Abwinken. Das gemeinsame Faymann & Spindi-Watchen via ORF-Livestream am Computer war die Geburtsstunde des "Stanford Austria Club": Die neun Stunden Zeitunterschied zwischen Kalifornien und Österreich erzwangen zwar frühes Aufstehen, um am 29. September 2013 beim Wahlabend in Wien via Internet live mitfiebern zu können; sie machten aber Lust auf mehr.

25 Österreicher studieren und forschen derzeit an der legendären Elite-Uni in der Nähe von San Francisco. Für heimische Studenten, die sich an den Massenunis um freie Plätze und die Aufmerksamkeit von Professoren raufen müssen, ist es das akademische Paradies: Auf knapp 16.000 Studierende kommen etwa 2000 Fakultätsmitglieder (22 von ihnen sind derzeit zudem Nobelpreisträger). Das ergibt einen luxuriöses Betreuungsverhältnis. Stanford ist sechs Mal kleiner als die größte heimische Universität Wien, in einem Punkt aber unschlagbar großzügig: Auf einen akademischen Lehrer entfallen handverlesene acht Studierende. Die 7-Sterne-Uni hat freilich auch ihren Preis: Für Studiengebühren und Wohnen am Campus muss ein Bachelor-Student pro Jahr mit Kosten von 58.000 Dollar rechnen. Wer den Sprung hierher schafft, soll aber am Geld nicht scheitern. Es gibt umfangreiche Stipendienprogramme und finanzielle Unterstützung durch die Uni (www.stanford.edu/dept/finaid).

Stanford gilt nach wie vor weltweit als der universitäre Olymp. Nur sechs Prozent aller Bewerber nehmen die strengen Zulassungshürden.

Das Gros der Undergraduates sind US-Amerikaner; nur sieben Prozent kommen aus dem Ausland, vorwiegend aus Asien; gezählte 77 Studenten kamen 2012 aus Europa. Bei den Graduates (also Studenten, die ihren Master oder Doktor machen) stellen Nicht-Amerikaner ein Drittel. Das Gros kommt mit 1724 Studierenden auch hier aus Asien; 511 Graduates waren zuletzt Europäer.

Jede der rund 60 hier auf Zeit ansässigen Nationen schafft sich mit einem eigenen Studentenclub ein Stück Heimat – von der eingesessenen "Carribean Students Association" bis zum noch blutjungen "Stanford Austria Club".

"Wir sind hier 15 Flugstunden von der Heimat entfernt. Es tut gut, ab und zu gemeinsam österreichisch zu reden, zu kochen, etwas zu unternehmen", sagt Martin Kotynek, Sprecher des Österreicher-Clubs. Der Perchtoldsdorfer ist ein Glückskind. Der junge Journalist hat sich erfolgreich für das "KnightJournalismus Fellowship" qualifiziert und kann als Vollstipendiat in einem Forschungsjahr sein Wissen in digitalen Medienstrategien vertiefen. Der 30-Jährige kann bereits auf eine eindrucksvolle Karriere zurückblicken. Bei der Süddeutschen Zeitung zeichnete er für das "Thema des Tages" verantwortlich. Für Zeit online erfand er den "Faktomat", der vor der jüngsten deutschen Wahl Wahlkampf-Slogans auf ihren Wahrheitsgehalt abtestete. Nach seinem Forschungsjahr in Stanford kehrt Martin Kotynek in seinen aktuellen Job als Reporter im Investigativ-Team der deutschen Wochenzeitung Die Zeit zurück.

Tour de force

Bei aller Internationalität freuen sich er und seine neuen Freunde aus Österreich über Besuch aus der Heimat. Vor drei Wochen fanden sich alle bei einem Gastvortrag von Christoph Leitl ein. Der Wirtschaftskammerchef machte im Rahmen einer "Tour de force" durch Mexiko und Kalifornien für einen halben Tag auch in Stanford Station. Im Auditorium fanden sich auch ein paar Dutzend Professoren und Studenten mit amerikanischen Wurzeln.

Was verbindet die akademische Elite eigentlich mit Österreich? "Amerikaner kennen zum Beispiel Red Bull, aber sind sehr überrascht, dass das Produkt aus Österreich kommt. Ein erfolgreiches Unternehmen mit einem jungen Auftreten passt nicht in das verklärte Image von Mozart & Co", resümiert Reinhard Ekl, Präsident des "Stanford Austria Club: "Wir wollen daher hier in Stanford nicht nur die Österreicher miteinander vernetzen, sondern auch unsere Studien- und Forschungskollegen mehr für Österreich begeistern."

(kurier) Erstellt am
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