Tabak-Managerin: "Vertrieb über Trafiken ist der Kern des Monopols"
KURIER: Tabakprodukte sind heute nicht mehr nur Zigaretten, das sind auch Pouches oder E-Zigaretten. Hier ändert sich mit 1. April auch wieder etwas, was genau?
Silvia Polan: Ab 1. April sind die Nikotinbeutel, die Pouches, ein Monopolprodukt. Darüber hinaus werden die E-Zigaretten in ein Lizenzsystem überführt, das auch über die Monopolverwaltung verwaltet werden soll. Das soll zum einen den Trafikantinnen und Trafikanten mehr an Umsatzmarge und Gewinn geben und das Monopol nachhaltig absichern. Zum anderen geht es auf jeden Fall auch um den Jugendschutz. Diese Produkte sind alle ausschließlich für Erwachsene gedacht und sollen auch nur dort über den sicheren Verkaufskanal erhältlich sein.
Zur größeren Erklärung: Die neuen Produkte waren bisher quasi im freien Verkauf.
Genau. Diese Produkte sind erst seit sieben, acht Jahren in Österreich erhältlich und waren bisher frei am Markt - und die werden jetzt eben ausschließlich über die Trafiken verkauft, analog zu den Zigaretten.
Freut es einen Tabakkonzern, wenn das ins Monopol rutscht?
Also zum einen muss man sich ganz generell fragen, ob man ein Monopol gut findet. Man hat sich Österreich nun mal dazu entschieden, auch aus einem sozialpolitischen Aspekt heraus. Die Trafiken werden ja betrieben von einem sehr großen Teil von Vorzugsberechtigten. Das sind Menschen mit einem gewissen Behinderungsgrad. Das hat einen Inklusionsgedanken und dazu stehen wir auch als Hersteller.
Es wird aber auch ab 1. April eine neue Steuer geben, eine Tabaksteuer auch auf diese Nikotinprodukte, also auf E-Zigaretten und auf Nikotinbeutel geben.
Generell freut einen eine neue Steuer nicht. Aber auch hier: Es ist ein sensibles Genussmittel und sensible Genussmittel mit einer Verbrauchsteuer zu unterlegen, hat einen gewissen Sinn. Das wird also von uns mitgetragen.
Das heißt, die Produkte werden teurer.
Wie sich die Preise entwickeln, werden wir jetzt sehen. Das entscheiden dann natürlich die Hersteller.
Aber Sie sind ja der Hersteller.
Das ist ganz richtig, aber aus wettbewerbsrechtlichen Gründen kann ich jetzt natürlich nichts über die Preispolitik sagen.
Business Gespräch mit Silvia Polan
Jetzt gibt es all diese neuen Produkte auf dem Markt. Wie verändert sich dadurch das Rauchverhalten der Menschen?
Das Konsumentenverhalten verändert sich und damit einhergehend reagieren natürlich auch die Hersteller darauf. Ich vergleiche es gerne mit Getränken einer sensiblen Genussware. Viele Konsumenten verwenden unterschiedliche Produkte je nach Gelegenheit. Rauchverbote im öffentlichen Raum kennen wir schon lange. Dementsprechend sind zum Beispiel diese Nikotinbeutel sehr diskret, die verwenden manche etwa bei der Zugfahrt. Und andere, wenn sie am Abend mit Freunden zusammensitzen, greifen vielleicht dann trotzdem auch immer noch das eine oder andere Mal zur Zigarette.
Wie sehr hat sich das Rauchen reduziert und sind die neuen Produkte im Verbrauch gestiegen?
Das ist von Land zu Land unterschiedlich. Tatsächlich gibt es viele Länder, in denen sehr viel gevaped wird. Dann gibt es Länder, die traditionelle nordischen Länder, zum Beispiel in denen der Genuss von diesem Nikotinbeutel oder in Schweden erlaubt, im Rest der EU nicht auch die Tabakbeutel, die dort traditionell einfach auch ein Kulturgut sind. In Österreich haben sich sehr stark die Nikotinbeutel verbreitet. Aus dem Grund ist es auch jetzt an der Zeit, diese kanalisiert über die Trafiken zu vertreiben.
Weil das ins Monopol rutscht, wird anderen Händlern ein Produkt quasi weggenommen. Zum Beispiel auch 24-Stunden-Automaten.
Natürlich gab es hier Diskussionen auch unter den Wirtschaftstreibenden. Es ist aber im Regierungsprogramm festgehalten worden, dass das passieren soll. Es gibt auch in den entsprechenden Gesetzesnovellen, dem Tabaksteuer- und dem Tabakmonopolgesetz, entsprechende Übergangsfristen. Die Trafikantinnen und die Trafikanten sind spezialisiert darauf, diese sensiblen Genusswaren zu vertreiben und eben auch den Jugendschutz sicherzustellen. Es ist der Kern des Monopols, dass die Trafiken der Vertriebskanal für Tabakprodukte sind.
Trotzdem gehen die Trafiken in Österreich zurück. Die Anzahl hat sich reduziert, von 4.500 auf 4.300. Warum werden die Trafiken weniger?
Ja, es gibt hier einen Trend, das ist ganz richtig. Wir unterscheiden auch zwischen den traditionellen Trafiken und den Shops, die auch darüber hinaus Tabakerzeugnisse verkaufen. Und hier hat auch die Monopolverwaltung oder das Monopol selber das Ziel, dass die traditionellen Trafiken wieder an Bedeutung gewinnen.
Kommen wir noch stärker zu Ihrem Geschäft. Die Tabakkonzerne richten sich für die Zukunft unterschiedlich aus. Manche gehen weg von der Zigarette und wollen rauchfrei werden. Andere sehen das nicht ganz so klar, wie ist ihre Strategie für die Zukunft?
Als JTI stehen wir auf jeden Fall für die Wahl der Konsumenten. Die Konsumentinnen und Konsumenten sollen selber entscheiden, was sie konsumieren möchten, wann sie es konsumieren möchten. Wir stehen hier für einen Multi-Category-Approach, möchten also alles anbieten. Wir sind aber auch der Meinung, dass in Österreich die Zigarette noch sehr lange das vorherrschende Produkt sein wird. Der Großteil der Umsätze und Margen wird immer noch damit gemacht. Und da gilt es, eine Balance zu halten.
Was bedeuten die Veränderungen für Ihren Umsatz und für Ihren Geschäftserfolg?
Wir sind es gewohnt, in einem sehr stark regulierten Umfeld zu arbeiten. Mit einer höchst besteuerten Produktkategorie mit 76 Prozent. Der Staat hat vergangenes Jahr rund 2,2 Milliarden Euro an Tabaksteuer eingenommen.
Mehr als im Jahr davor.
Ungefähr 50 Millionen Euro mehr. In diesem Jahr, jetzt auch mit der neuen Verbrauchsteuer, auf die Tabakerzeugnisse, auf die Nikotinerzeugnisse, sollen nochmal 100 Millionen Euro mehr eingenommen werden. Also wir tragen hier auch zur Budget-Sanierung mit bei. Darüber hinaus müssen wir auch noch sehr viele andere Gebühren zahlen. Wir zahlen die sogenannten AGES-Gebühren für die Marktüberwachung. Es gibt die Einweg-Kunststoffrichtlinie aus der EU. Da haben sich die Gebühren auch verfünffacht. Also es ist tatsächlich ein sehr großer Druck da. Das stimmt. Gleichzeitig sind wir stark durch Monopole reguliert, sodass die Trafikanten von einer gesetzlich fixierten Handelsspanne profitieren.
Mehr Produkte im Monopol heißt: mehr Umsatz und das mit entsprechenden fixierten Spannen.
Die Marge ist einzigartig hoch im Vergleich zu anderen Ländern.
Zusammengefasst heißt das: Es gibt einen rückläufigen Zigarettenkonsum, es gibt neue Produkte, es gibt höhere Einnahmen für den Staat, weil durch die Steuererhöhungen und durch die Monopolmechanismen es sich der Staat auch holt. Sprich, alles gut auf dem Tabaksektor, oder?
Es ist ein durchaus stabiler Markt in Österreich. Wobei die Profitabilität in anderen Ländern viel höher ist. Aber wir möchten uns nicht beklagen.
Jetzt haben wir schon so viel über das Monopol gesprochen. Das geht zurück auf 1784 auf Kaiser Josef II., der gesagt hat, wir machen das jetzt so in Österreich. Ist das aus Ihrer Sicht zeitgemäß? Und gibt es bei Tabakprodukten generell zu viel Bevormundung aus Ihrer Sicht?
Die Idee damals, 1784 des Kaisers, war damals schon disruptiv, kann man sagen. Monopole gab es schon, ich glaube, in fast allen Ländern bis zu einer gewissen Zeit. Er hatte damals das Ziel, die Witwen und auch Kriegsversehrten als Vorzugsberechtigte zum Zug kommen zu lassen. Und zur Bevormundung: Diese Produkte sind sensibel und sollen ausschließlich von Erwachsenen konsumiert werden, da sind sich alle einig. Die Regulierung ist insoweit in Ordnung.
Sie vertreiben ein Produkt, Sie produzieren und vertreiben ein Produkt, über das Sie eigentlich nicht sprechen dürfen, das Sie schon gar nicht bewerben dürfen. Wie ist es als Managerin für ein so ein verstecktes Produkt zu arbeiten?
Extrem herausfordernd und das macht es aber auch spannend. Mein Chef sagt immer, wir sind Mikrochirurgen. Wir bewegen uns in einem sehr engen, sehr eingeschränkten Umfeld und gleichzeitig entwickeln wir auch immer wieder neue Produkte. Wir investieren in Innovationen, in Forschung und Entwicklung.
Frau Polan, wir danken für das Gespräch.
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