Wirtschaft | Karriere
11.12.2011

Jobzufriedenheit: Brennen statt ausbrennen

Unzufrieden im Job und damit, was Sie im Leben bisher erreicht haben? Der beste Zeitpunkt, das zu ändern ist: Jetzt.

Der Herr Kollege ging schon allen mächtig auf den Nerv. Jammern beim Liftfahren, jammern am Kantinentisch, jammern, sobald die Chefin außer Hörweite war. Was los war? Der Herr Kollege war unzufrieden mit seiner Position, mit dem Unternehmen, mit sich selbst. Was von außen logisch schien, kostete ihn Jahre: Der Entschluss zum Jobwechsel und Neustart.

Erfolgreich und zufrieden im Job – wollen wir das nicht alle? Darum hat Elfriede Gerdenits, jahrelang erfahren als Jobcoach, den Satz auch auf die Titelseite ihres neuen Buches „Der Z-Faktor“ geschrieben. Thema: Die individuelle Berufszufriedenheit. Gerdenits: „Diese hat viel mit den eigenen Einstellungen und Erwartungen zu tun. Wie sonst könnte es sein, dass ich einen trotz Eiseskälte glücklich vor sich hin pfeifenden Straßenkehrer kenne und eine achtzig Stunden arbeitende Notfallmedizinerin, die ihren Job grenzenlos liebt?“ Leider ist berufliche Unzufriedenheit aber weiter verbreitet und fester verwurzelt, als man denkt. Und nicht immer hilft ein Jobwechsel. Gerdenits: „Viele schleppen ihre Unzufriedenheit von einem zum anderen Unternehmen mit und – was besonders schlimm ist – stecken auf dieser Tournee noch viele andere an.“

Im Leiden glücklich?

Statt Symptome zu behandeln sollte man daher die Wurzeln des Problems behandeln. Das gelingt am besten mit einer ehrlichen „Unzufriedenheits-Analyse.“ Die darin auftauchenden Fragen sind nicht immer einfach zu beantworten. Sie lauten etwa: Weshalb arbeite ich eigentlich? Woher kommt die Unzufriedenheit? Bin ich im Leiden glücklich? Was müsste ich tun, um die Situation zu verändern? Was passiert, wenn nichts passiert?

Ab dem 35. Lebensjahr beginnen die meisten Menschen, nach Sinn zu suchen. Sie hinterfragen ihr Lebens- und Karriere-Modell. Die tatsächliche Veränderungsbereitschaft ist zwischen dem 43. und dem 50. Lebensjahr besonders hoch. Das heißt: Die Ausrede „Ich bin zu alt“, gilt nicht.
Doch was bedeutet nun Zufriedenheit? Den Trugschluss: „Erfolgreich = Zufrieden“ will Gerdenits nicht stehen lassen. Denn manchmal, so der Jobcoach, passiert genau das Gegenteil. Sie nennt Beispiele: Auch wenn man den Rockstar um seinen Ruhm und den Top-Manager um seine Millionen-Gage beneidet – wer vor jedem Konzert eine Nase Koks braucht und vor jeder Vorstandssitzung einen doppelten Wodka, ist sicher nicht glücklich.

Gerdenits Formel lautet daher: „Zufriedenheit ist die Summe von sozialer und wirtschaftlicher Geborgenheit, sinnstiftender Tätigkeit und körperlichem Wohlbefinden.“ Sozialen Halt können der Partner, Freunde oder Familie geben. Wirtschaftliche Geborgenheit bedeutet, dass man sich das, was man sich leistet, auch leisten kann. Sinnstiftend ist eine Tätigkeit dann, wenn man dafür brennt, ohne auszubrennen – wo sich der Kreis zum körperlichen Wohlbefinden schließt.

Steigern kann man seinen Z-Faktor übrigens sofort und ganz einfach: Indem man aufhört, sich ständig mit anderen zu vergleichen.

Karrieremythen: Lieber selbst denken

Falsche Glaubenssätze Tief in uns verankerte Glaubenssätze haben sehr viel Einfluss darauf, wie zufrieden wir uns im Beruf fühlen. Sie zu hinterfragen, ist ein wichtiger Punkt der Unzufriedenheitsanalyse. Dabei gilt: Karrieremythen nicht hinnehmen, sondern sich selbstkritisch damit auseinandersetzen.
Etwa mit folgenden Sätzen:


– Erfolgreich ist, wer ständig auf der Karriereleiter nach oben klettert. Stimmt nicht. Es gibt ein Limit. Zu viele machen den letzten Schritt der Leiter auf der Herzambulanz.

– Nur die Harten kommen weiter. Ja! Aber wohin?
Und zu welchem Preis?

– Status hat, wer Geld verdient. Wirklich? Was fehlt im Leben, dass materielle Dinge so wichtig werden?

– Nur Macht macht glücklich. Fragen Sie die Superbosse: Macht macht auch einsam.

– Ein Burn-out beweist Einsatz. Ja: Aber die meisten Chefs beschäftigen lieber Gesunde.