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Wirtschaft Karriere
03/13/2019

Jobinterview: Auf diese Fragen müssen Sie nicht antworten

Wollen Sie ein Baby? Sind Sie krank? Manche Fragen sind bei einem Vorstellungsgespräch unzulässig. So können Sie reagieren.

„Sind Sie schwanger oder steht Kinderkriegen demnächst auf ihrem Lebensplan?“ Anna Maria Leitner hat mit dieser Frage beim Bewerbungsgespräch nicht gerechnet. Tatsächlich ist sie  auch unzulässig. „Streng juristisch ist zwar keine Frage verboten, aber es gibt Fragen, die sind schlicht zu privat und könnten das Gleichbehandlungsgesetz verletzen,“ sagt Irene Holzbauer, Arbeitsrechtsexpertin bei der Arbeiterkammer Wien. Welche Fragen grenzwertig und wie Sie darauf regagieren können.

  • Wollen Sie Kinder? Wie teilen Sie und Ihr Partner sich die Kinderbetreuung auf? Diese Fragen sind unzulässig. Eine Bewerberin darf rechtlich gesehen sogar ihre Schwangerschaft verschweigen, ohne dass Sanktionen drohen. Und Fragen nach der Betreuung der Kinder sind unzulässig, weil es zu einer Diskriminierung kommen kann, wenn dem Arbeitgeber die Antworten nicht gefallen.
  • Sind Sie vorbestraft? Auch das ist eine unzulässige Frage. Jemand mit Vorstrafen würde sonst wohl nie einen Job bekommen. Allerdings muss man Auskunft geben, wenn es einen Zusammenhang zwischen dem Job und dem begangenen Delikt geben könnte. Ein typisches Beispiel: Jemand, der wegen Diebstahl oder Untreue verurteilt ist und als Bankangestellter arbeiten möchte.
  • Bevorzugen Sie Männer oder Frauen? Fragen zur sexuellen Neigung sind tabu. Genauso wie Fragen zum Religionsbekenntnis, zur Weltanschauung, nach Gewerkschafts-, Partei- oder einer Vereinszugehörigkeit.
  • Leiden Sie unter einer Krankheit? Grundsätzlich sind auch diese Fragen unzulässig, außer der Gesundheitszustand ist relevant für die Ausübung des Jobs. Es gibt auch keinerlei Grund, im Laufe des Bewerbungsprozess Blut- oder Urinproben abzugeben.
  • Haben Sie Schulden? Vermögensverhältnisse sind auf jeden Fall Privatsache. Auf Fragen bezüglich persönlicher Schulden muss man daher nicht antworten. Eine Ausnahme besteht lediglich im Falle der Besetzung einer Vertrauensposition im Finanzbereich.

„Nicht jede Frage ist für sich genommen schon diskriminierend. In manchen Fällen ist die Frage durchaus auch berechtigt“, so Holzbauer. Bewirbt man sich beispielsweise für einen Posten im Sicherheitsdienst, hat der Arbeitgeber das Recht, nach einem polizeilichen Führungszeugnis zu fragen. Ist man am zukünftigen Arbeitsplatz als medizinische Assistentin ständig Röntgenstrahlen ausgesetzt, darf eine Schwangerschaft abgefragt werden. „Ist es für den Job unbedingte Voraussetzung, darf der Arbeitgeber die sonst unzulässigen Fragen schon stellen“, so Holzbauer.

Manches lässt man sich gefallen

Die Art, wie man auf eine unzulässige Frage reagiert, hängt aber nicht nur vom Charakter ab, sondern wohl auch, in welcher finanziellen Situation man sich befindet. „Braucht man den Job unbedingt, wird man sich die eine oder andere Frage wohl eher gefallen lassen“, so der Coach und Trainer Thorsten Kondla. Letztlich muss jeder selbst entscheiden, wie er mit unzulässigen Fragen umgeht. Man kann es direkt ansprechen: „Tut mir leid, aber wissen Sie, dass diese Frage unzulässig ist?“ Oder man stellt sich naiv: „Mir war nicht bekannt, dass das für den Job relevant ist.“ Man kann es aber auch mit Humor nehmen: „Ich wusste gar nicht, dass Schwangersein zur Jobanforderung gehört. Wenn ja, werde ich heute noch daran arbeiten.“ Ob man den Job dann allerdings bekommt, ist wiederum eine Frage des Gegenübers.

-Claudia Weber