Jede Woche ein anderer Job

Jan Lackner
Foto: KURIER/Deutsch Jobhopper: Wer will, kann jeden Job machen, sagt Jan Lachner.

Fischer, Bäcker, Alp­hornbauer: 33 Jobs in 33 Ländern sind das Ziel von Jan Lachner. Derzeit macht er in Österreich Station.

Flexibel und mobil zu sein, ist im Job oft von Vorteil. Eine Voraussetzung, die Jan Lachner vollkommen erfüllt. Der 24-jährige deutsch-französische Luft- und Raumfahrttechniker, der sich selbst vor allem als Europäer sieht, ist für 33 Wochen in 33 europäischen Ländern als Jobhopper unterwegs. Diese Woche legte er einen Zwischenstopp in Österreich ein.

KURIER: Was ist die Idee hinter diesem Projekt?
Jan Lachner:
Ich will einerseits herausfinden, wie ich mit neuen Herausforderungen umgehen kann und ob ich den Ansprüchen ganz verschiedener Jobs gewachsen bin. Die Aufgabenstellung lautet ja, einen Job für jeweils eine Woche zu finden, der sich von den anderen unterscheidet und der außerdem auch irgendwie typisch für das Land ist.

Wie stellen Sie das an?
Vor allem durch Recherchen im Internet. Und dann versuche ich natürlich, Kontakt mit passenden Firmen aufzunehmen und sie für mein Projekt zu begeistern, um für sie zu arbeiten.

Privat Foto: Privat Lachner: „Will herausfinden, wie ich mit Herausforderungen umgehe“

Haben Sie alles bereits durchgeplant, also alle Jobs schon in der Tasche?
Leider nein, ich wollte auch offen für Dinge sein, die sich durch die Reise ergeben. Doch es ist schwieriger, als ich angenommen hatte. Allein schon dadurch, dass ja kein Job dem anderen gleichen soll. Kellnern könnte man natürlich überall.

Warum sind es genau diese 33 Länder, die Sie gewählt haben?
Die Zahl ergab sich ganz einfach dadurch, weil in diesen Ländern keine Arbeitserlaubnis notwendig ist. Mir war auch wichtig, dass alle 27 EU-Länder dabei sind. Zusätzlich entschied ich mich für die Schweiz, Liechtenstein, Monaco, San Marino, Island und Norwegen, eventuell auch Kroatien.

Wie schaut es mit sprachlichen Hürden aus?
Die gibt es eigentlich nicht. Ich bin ja zweisprachig aufgewachsen und spreche mit Deutsch, Französisch und Englisch drei Sprachen fließend.

Sie haben bereits ein Drittel Ihrer Reise hinter sich. Was ist das erste Resümee, was Ihre Jobs betrifft?
Ich habe extrem viel gelernt und bin überrascht, wie leicht man eine neue Herausforderung bewältigen kann. Man ist viel flexibler und adaptionsfähiger, als man denkt. Man muss es nur wollen. Ich habe gut gearbeitet – egal, ob als Fischer, Alp­hornbauer, Bäcker, Barkeeper, jetzt in Österreich als Marketing-Mitarbeiter oder etwa als Immobilienmakler. Bei letzterem Job in Liechtenstein waren meine Arbeitgeber sogar so zufrieden, dass sie mir einen Job angeboten haben. Das ist eine tolle Bestätigung.

Privat Foto: Privat Er schlüpft für sein Europa-Projekt je eine Woche lang in 33 ganz verschiedene Berufe – als Alp­hornbauer oder Bäcker.

Arbeiten Sie da völlig umsonst oder bekommen Sie etwas für Ihre Leistung?
Das ist sehr unterschiedlich, teilweise werde ich schon bezahlt. Aber ich überlasse das jedem Betrieb selbst. Es steht jedem frei, mich nach individuellem Gutdünken zu bezahlen, je nachdem, ob man mit meiner Leistung zufrieden war.

Wie schaut es sonst finanziell aus: Welche Kosten haben Sie für das Projekt veranschlagt? Wie halten Sie sich über Wasser?
Ich habe etwas mehr als ein Drittel der Gesamtfinanzierung (Anm.: ca. 22.000 €) zusammen, erwarte aber noch Finanzspritzen aus Frankreich. Trenkwalder ist ein wichtiger Sponsor, ebenso wie Clichy, eine kleine angrenzende Vorstadt von Paris. Ich reise sehr preiswert, in elf Wochen habe ich nur zwei Mal für je 20 Euro in einem Hotel übernachtet, ansonsten organisiere ich das Ganze über Couch-Surfing.

Was ist das?
Bei Couch-Surfing handelt es sich um ein weltweites Netzwerk mit Mitgliedern, die eine kostenlose Unterbringung für die Nacht anbieten. Die Bandbreite reicht hier vom Platz am Fußboden bis zum Luxuszimmer mit Jacuzzi. Quasi Gastfreundschaft wie anno dazumal. Man reist unverfälscht, ist am Puls und mit Leuten vor Ort zusammen.

Können Sie sonst Hilfe gebrauchen?
Unterstützung ist natürlich immer willkommen, ob finanziell oder durch Jobs in weiteren Ländern. Ich bin für Tipps und Ideen offen.

Nehmen Sie durch das Projekt etwas fürs Leben mit ?
Ja, ein Job muss zu den eigenen Stärken passen. Und man muss sich nicht nur auf eine Karriere beschränken. Man hat die Chance für mehrere Berufsleben in einem Leben.

Person & Projekt: Hintergrundinfos

Privat Foto: Privat

Abenteurer Jan Lachner, in Paris geboren, verbrachte die ersten 12 Jahre in Deutschland, bevor er mit seiner Familie nach Frankreich zurückkehrte. Der 24-Jährige ist studierter Diplomingenieur der Luft- und Raumfahrttechnik, auch seine Eltern stammen aus dieser Branche. Weltoffen war er schon immer, so führte ihn ein Praktikum während seiner Ausbildung für zwei Monate nach Singapur. Der begeisterte Privatpilot sagt, er kann besser fliegen als Auto fahren.

Allrounder Als überzeugter Europäer will Jan Lachner herausfinden, welche Unterschiede oder Gemeinsamkeiten es in der Arbeitsweise gibt. Sein Ziel: Für jeweils eine Woche in 33 Ländern Europas in ganz verschiedenen Berufen zu arbeiten, um mehr über andere Kulturen und über sich selbst zu lernen. Über seine Erfahrungen führt er ein Online-Tagebuch und überlegt, auch ein Buch zu veröffentlichen. Mehr Infos zu Jobs und Stationen: www.eurojobsproject.com

(kurier / Katrin Rupp) Erstellt am
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