MedAT: „Je mehr Antritte, desto kleiner die Chance“
Anita Rieder, Vizerektorin der MedUni Wien für Lehre, im KURIER-Gespräch zum MedAT.
„Das Interesse am MedAT ist ungebrochen“, sagt Anita Rieder, Vizerektorin für Lehre der MedUni Wien, bei einem Pressegespräch am Freitag in der Messe Wien. Für sie ist es der elfte MedAT in dieser Funktion, dennoch bleibe der Aufnahmeprozess Jahr für Jahr intensiv. Immerhin treten österreichweit über 16.000 Bewerber zum Medizinaufnahmetest an. Auch die Anmeldungen für das Zahnmedizin-Studium hätten in den vergangenen zwei Jahren deutlich zugelegt – und zwar um 30 Prozent.
KURIER: Man hört von monatelangem, intensivem Lernen – von Kursen, Apps und ausgeklügelten Methoden, um den MedAT zu bestehen. Manche treten sogar mehrmals an, um sich den Traum vom Medizinstudium zu erfüllen. Wie oft sollte man den Versuch denn wagen?
Anita Rieder: 45 Prozent der Teilnehmenden versuchen es ein zweites Mal. Was uns auffällt, ist, dass jemand, der schon einmal angetreten ist, beim zweiten Mal besser abschneidet, wenn er sich spezifisch vorbereitet hat. Aber je häufiger man antritt, desto kleiner ist die Chance, dass man besteht. Ab dem dritten und vierten Mal wird es schwierig.
Wie sieht das Bewerberfeld heuer aus – wer tritt zum MedAT an? Wir merken, dass Bewerbungen aus Deutschland und anderen EU-Staaten rückläufig sind. Zehn Prozent der Teilnehmenden haben ein deutsches Maturazeugnis. Gleichzeitig steigt die Anzahl der teilnehmenden Personen mit österreichischem Maturazeugnis.
Auffällig ist sowohl beim MedAT als auch im Medizinstudium der sehr hohe Frauenanteil.
Das hängt damit zusammen, dass Frauen in Österreich mittlerweile einen höheren Bildungsgrad als Männer haben und an den Universitäten stärker vertreten sind. Und: Unser Test diskriminiert nicht. Es gibt keinerlei Benachteiligung auf sozioökonomischer Ebene, nach Nationalität oder Geschlecht. Wichtig sind nur die Vorbereitung und die Leistung, die man erbringt.
Wie hoch ist die Drop-out-Quote an der MedUni Wien?
Hier zeigt sich, warum der MedAT bei so vielen Studienbewerbern erforderlich ist: Die Studienplätze sollen an jene vergeben werden, die am besten abschneiden. 90 bis 95 Prozent unserer Studierenden schließen das Studium auch ab – ein Großteil sogar in Mindestzeit.
Wie viele bleiben in Österreich?
Laut Ipsos-Umfrage geben 93 Prozent der österreichischen Absolventen an, hier bleiben zu wollen. Bei den deutschen Absolventen sind es über 60 Prozent. Der Wermutstropfen ist, dass die Ausbildungsmöglichkeiten in Österreich aufgrund des Mangels an Ausbildungsplätzen, besonders bei der Basisausbildung, sehr kritisch gesehen werden und der Standort nicht mehr so attraktiv wirkt.
Kommentare