Innovativ sein – nur mit Plan

Der deutsche Innovationsexperte rückt den gegenwärtigen Innovationswahn zurecht.

Jens-Uwe Meyer honorarfrei, AMS

In einem Bewerbungsprozess hätte dieser Mann keine Chance", sagt Innovations-Experte Jens-Uwe Meyer und projiziert ein Foto von Albert Einstein auf die Leinwand. Zu schräg, zu quer, zu wenig Durchschnitt.

"Hätte er doch", kontert AMS-Vorstand Johannes Kopf. Das Physikgenie Albert Einstein war nämlich, entgegen der landläufigen Meinung, ein guter Schüler.

Firmen müssen innovativ sein, um erfolgreich zu sein. Firmen brauchen Erfinderköpfe, verrückte Querdenker und neue Ideen, um überleben zu können. Das wird derzeit propagiert und es stimmt – großteils. Gleichzeitig werden diese Befunde von Jens-Uwe Meyer im Eröffnungspanel des AMS Österreich bei der Personal Austria relativiert. Nicht überall sei Innovation notwendig, in manchen Branchen, bei manchen Tätigkeiten sei sie sogar unerwünscht. "Ein Pilot soll nicht innovativ eine neue Route kreieren und ein paar abenteuerliche Steilkurven einbauen, weil der Flug dann aufregender wird. Passagiere und Arbeitgeber wollen hier etwas völlig anderes: Sicherheit und Zuverlässigkeit."

Man müsse beim Thema Innovation also genau überlegen, wo diese im Unternehmen stattfinden soll, in welchem Ausmaß man sie tatsächlich braucht und wie sie mit dem laufenden Geschäft zusammenspielt.

Nichtsdestotrotz sei das Recruiting von innovativen Mitarbeitern derzeit eines der Kernthemen im Personalmanagement. Die Frage ist: Wer treibt Innovationen voran? Sind es wagemutige Pioniere, die im Unternehmen Regeln brechen? Sind es die visionär denkenden Manager? Ist es die Unternehmenskultur, die neue Ideen hervorruft?

Von allem ein bisschen. Entscheidender Faktor ist jedenfalls das Humankapital einer Firma. Wer Kreative für sein Unternehmen braucht und sucht, egal, ob disruptive Innovatoren, die alles Bestehende umwerfen oder strategische Neuausrichter, die nach und nach verändern, müsse laut Meyer zwei Hebel bedienen: Zum einen die Suchmethode ändern – weil Firmen mit der simplen Anforderungsfloskel "Kreativität erwünscht" noch lange keine Innovationsstars rekrutieren können. Zum anderen die Firmenkultur offen und modern gestalten, eine gute Fehlerkultur haben: "Sonst haben Sie den genialen Kreativen genau für zwei Wochen bis er das Weite sucht."

Letztlich müssen Verantwortliche wissen, dass Innovation nicht vom Himmel fällt, sondern ein Langzeitprojekt ist: Das kostet Ressourcen und Kapital – mit dem immer ungewissen Faktor, ob die Innovation jemals dieses Geld zurückspielt.

(kurier) Erstellt am
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