Wirtschaft | Karriere
04.05.2017

In der Top-Liga der WU

Die Wirtschaftsuniversität Wien hat ein eigenes Förderprogramm für Hochbegabte und stark Engagierte. Programmleiter Reinhard Moser über ein Elitenprogramm, das keines sein will.

Die Top League ist das Undergraduate-Programm der Wirtschaftsuniversität Wien. Es fördert High Potentials und hat aktuell 241 Mitglieder. Studierende haben in der Top League Zugang zu speziellen Veranstaltungen, einem Tutoren- und Mentoren-Programm und können sich intern und extern mit Firmen vernetzen. Reinhard Moser, Leiter des Instituts für Betriebswirtschaftslehre des Außenhandels und Leiter der Top League, über das Elitenprogramm, das keines sein will.

KURIER: Herr Professor, wären Sie in Ihrer Studienzeit ein Kandidat für die Top League gewesen?

Reinhard Moser: Nach dem Maturazeugnis ja, ob ich es nachher mit dem Umstieg in den Welthandel geschafft hätte, weiß ich nicht.

Sie waren also ein Einser-Schüler?

Im Maturazeugnis war ich noch sehr gut, aber das ist ja schon verjährt. Dann, in der Universität, war es anders. Heute schauen wir aber nicht nur auf den Notenschnitt, sondern auch auf die Zusatzaktivitäten: die Studierenden müssen viel Engagement zeigen.

Das WU-Förderprogramm gibt es seit 2005, was ist der Gedanke dahinter?

Kollege Oskar Grün hat das damals ins Leben gerufen, nach einem Aufenthalt in den USA. Er meinte, wir müssten unsere Besten mehr fördern. Es hatte damals, zugegeben, einen starken Elite-Gedanken. Früher gab es Sonderkurse und Extra-Behandlungen – das wurde stark kritisiert und damit haben wir auch aufgehört. Heute sehen wir es als reines Talent-Förderprogramm. Die Studierenden machen im normalen Uni-Betrieb mit, aber sie erhalten zusätzliche persönliche Förderungen.

Sie mögen offenbar das Wort Elitenförderung nicht. Anders gefragt: Darf man eine Gruppe Studierender anders behandeln als die anderen? Ihnen mehr bieten als den anderen?

Ich glaube, das darf man. Es gibt eine große Zahl von Studierenden, die nur darauf aus sind, rasch durchzustudieren. Aber es gibt auch die anderen, die Leistungsträger, die sich über das normale Maß hinaus engagieren. Für sie wollen wir etwas tun. Wichtig an unserem Programm ist allerdings, dass wir auch viel von den Studierenden verlangen.

Was sagt die Wirtschaft dazu? Gibt es ein gesteigertes Interesse an genau diesen High Potentials?

Das Programm hat die Besonderheit, dass es von Unternehmen bezahlt wird. Ob es ein gesteigertes Recruiting-Interesse gibt, wissen wir allerdings nicht. Es ist auch nicht verfolgbar, weil das Programm nur bis zum Bachelor geht – und sich die weitere Karriere meist verläuft.

Welche Typen sind das, die in die Top League dürfen? Sind alle gleich, nämlich engagiert, strebsam, umsetzungsstark?

Nein, das ist sehr heterogen. Es gibt viele verschiedene Charaktere. Wir haben Musiker, Sportler, Sozial-Engagierte – alles sehr breit gemischt. Der von mir gefürchtete Schnösel ist mir noch nicht untergekommen. Auch die Durchmischung Mann-Frau passt. Allerdings: Wir haben einen auffallenden Mangel an Studierenden aus dem Westen.

Wer nicht performt, fliegt auch wieder raus. Ist dieser Druck förderlich?

Nach einem Jahr evaluieren wir. Da zählt dann die Gesamtperformance, man muss besser als die anderen sein, die gleichzeitig begonnen haben. Es ist ein heißes Ringen. Die Noten sind ein Kriterium, da gibt es schon Besorgnis von den Studierenden. Manche wiederholen sogar Prüfungen, weil sie nur einen Zweier hatten, aber einen Einser wollen. Aber: Wir schauen auf mehr als auf die Noten.

Ist das Verhältnis Universität – Unternehmen heute besser als früher?

Nein, das glaube ich nicht. Ich habe sogar das Gefühl, dass die Kooperation mit der Wirtschaft früher besser und intensiver gelaufen ist als heute. Heute bleibt vor allem im Bachelor-Studium sehr wenig Platz für Unternehmenskontakte, weil das Studium so dicht und angefüllt ist, es einfach keine Zeit dafür gibt.