Auf Hut: Klaus Mühlbauer krempelte den Betrieb um

© KURIER/Gilbert Novy

Lohnt es sich noch, ...
02/12/2016

... Hutmacher zu werden, Herr Mühlbauer?

Klaus Mühlbauer führt das Traditions-Unternehmen in vierter Generation. Halb Hollywood setzt sich seine Kreationen auf den Kopf.

von Fiona Köllner

KURIER: Lohnt es sich noch, Hutmacher zu werden?

Klaus Mühlbauer: Ja. Es lohnt sich, weil es um ein sehr schönes und interessantes Handwerk geht, das höchstgradig erfüllend ist und Spaß macht. Das schöne an einem Handwerksberuf ist, am Ende des Tages ein fertiges Produkt zu haben.

Würden Sie dazu raten, diesen Beruf zu ergreifen?

Auf jeden Fall. Ich würde es auch selbst noch einmal machen. Es ist harte Arbeit, ganz unbestritten, für nicht wahnsinnig viel Geld. Aber wenn man es geschickt macht, kann man ganz gut davon leben.

War es für Sie immer klar, dass Sie das Familienunternehmen weiterführen würden?

Nein. Nach der Matura habe ich eine Lehre im Familienunternehmen gemacht. Es hat mir Spaß gemacht, aber ich hatte das Bedürfnis, noch etwas lernen zu wollen. Ich habe an der WU Wirtschaft studiert und danach in der Textilbranche gearbeitet. Das Geschäft zu übernehmen war erst Thema, als mein Vater im Jahr 2000 aufhören wollte. Ich habe 2001 übernommen und das Unternehmen zu seinem Ursprung zurückgeführt. Es war ein Totalumbau.

Was ist Ihre Rolle im Betrieb?

Im Prinzip bin ich Geschäftsführer mit allem, was dazugehört, wie Marketing, Vertrieb. Ich bin zwei bis drei Monate im Jahr unterwegs – in Paris, Tokio, Florenz – dann zehn bis zwölf Stunden täglich. Im Büro bin ich acht, neun Stunden pro Tag, oft auch am Wochenende. Ich bin auch einer von drei Designern. Dem Design widmen wir viel Zeit, damit Neues entsteht.

Wie viel verdienen Sie?

Ich zahle mir regelmäßig ein Gehalt aus. Vielleicht so viel wie ein Lehrer in der zweiten Hälfte seines Berufslebens verdient.

Was ist schwierig an Ihrem Job?

Das Schwierigste ist, mit dem wirtschaftlichen Gesamtgeschehen umzugehen, obwohl man es nicht beeinflussen kann. Wir haben zwei, drei harte Jahre hinter uns, mussten die Belegschaft kürzen. Das ist bitter.

Wie gewinnt man Stars als Kunden?

Wir sind ein kleines Unternehmen ohne Werbebudget. Aber durch unsere internationalen Geschäfte ist es uns gelungen, Prominente als Kunden zu gewinnen. Weil sie uns in einem Laden auf der Welt entdeckt haben. So war es bei Brad Pitt, Madonna, Meryl Streep. Brad Pitt bestellt jedes Jahr zehn bis 40 Hüte direkt bei uns. Wir haben keine Testimonials, das Produkt selbst überzeugt. Das gibt uns Bestätigung.

Der Hutmacher

Im Jahr 2001 hat Klaus Mühlbauer das Wiener Modeunternehmen von seinen Eltern in vierter Generation übernommen. Die sechs Modefachgeschäfte in Wien gab er auf und eröffnete zwei Hutfachgeschäfte, Hüte hatten davor nur 20 Prozent des Umsatzes ausgemacht. Ab 2002 trieb Mühlbauer die Internationalisierung voran. 65 Prozent der Hüte werden exportiert, hergestellt werden sie in der Manufaktur in Wien von 25 Mitarbeitern. Zu finden sind die Filz-, Stroh-, und Fellhüte bei Le Bon Marché (Paris), KaDeWe (Berlin), 10 Corso Como (Seoul), Isetan und HP France (Tokio), sie kosten 139 bis 2000 Euro. Mühlbauer entwirft die Kollektionen gemeinsam mit Nora Berger und Madeleine Bujatti. Zu den Kunden zählen Brad Pitt, Meryl Streep, Madonna und Yoko Ono.

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