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Wirtschaft Karriere
06/14/2013

Harvard: If you can make it there...

In Harvard, so habe ich mir gleich zu Semesterbeginn erklären lassen, gibt es drei Arten, wie man sein Leben als Student führen kann.

Erstens: Auf der Final-Club-Schiene. Für die Mitglieder der neun Final Clubs steht Networking und Gemeinschaft ganz oben auf der Prioritätenliste. Final Clubs können mit Studentenverbindungen verglichen werden. Die Aufnahme ist aber ausnahmslos männlichen Studenten gestattet und erfolgt nach einem mehrstufigen und geheimnisumwobenen Prozess, der in Harvard schlichtweg The Punch oder punching genannt wird.
Jeden Herbst während der Punching-Zeit findet eine Reihe sozialer Events statt, bei denen die Club-Mitglieder die potenziellen Mitglieder kennenlernen und je nach Situation in die nächste Runde schicken – oder eben nicht. Aufgenommen werden nur die Besten.
Zweitens: Auf der Sportler-Schiene. Für die Harvard-Leistungssportler besteht der Tag aus Training, Essen, Schlafen und ein bisschen Lernen. Sie konkurrieren im Rugby, Lacrosse oder traditionell im Rudern – Gegner sind die Mannschaften der anderen Ivy-League-Universitäten. Im Hörsaal erkennt man sie an den „Beat-Yale“-T-Shirts und ihren Protein-Shakes. Beim Abendessen in der Dining Hall kann es gelegentlich vorkommen, dass sie einem die Kohlenhydrate unter der Nase wegschnappen.
Drittens: Auf der Akademiker-Schiene. Das Studium ist für für diese Studierenden der totale Mittelpunkt des Lebens. Erfolg wird an den Noten und am Prestige von Internships gemessen. Wenn es hart auf hart kommt, verbringen sie auch schon mal drei Tage und Nächte hintereinander in der Bibliothek, um unter größtem Kraft-Aufgebot den Grade-Point-Average vor dem drohenden Absturz zu retten. Zur Grundausstattung dieser Studierenden gehören Ohrstöpsel, Energy-Drinks, Tortilla-Chips und ein 24-Stunden-ultra-strong Deodorant. Das Einzige, das ihnen in ihren nächtlichen Arbeitsphasen noch gefährlich werden kann, sind die zum Ruhen verleitenden Ohrensessel in der Lamont Library.
Trotz meiner inneren Stimme, die mir anfangs „A bissl was geht immer“ geflüstert hat, blieb mir am Ende doch nur Option drei – die des akademischen Harvard-Daseins. Für die Final Clubs war ich schlicht zu arm und zu unattraktiv. Und in die Sportteams hätte ich nur als Maskottchen Chancen gehabt. Jede aktivere Rolle wäre entweder mit dem Verlust meiner Vorderzähne oder der Zerstörung meines Selbstwertgefühls einhergegangen.
Vor diesem Hintergrund habe ich mich auf jene Dinge konzentriert, die mich ursprünglich nach Harvard geführt haben: Das „Euro Crisis“-Seminar, zum Beispiel, die besonders gut sortierten Bibliotheken oder die oftmals kontroversen Vorträge von Politikern.
Ohne es gleich zu merken, wurde mir nebenbei auch noch der größte Gewinn zuteil: Ehrliche Freundschaften, die mit Sicherheit noch viele weitere Jahre bestehen werden. Das Besondere an diesen Freunden ist, dass sie mir mindestens so viel beigebracht haben, wie meine Professoren. Der eine pflegte in schwierigen Situationen immer zu sagen „underestimation is the way to outperformance!“ In zehn Jahren wird er vermutlich einen Spiegel-Bestseller mit genau diesem Titel veröffentlicht haben. Den anderen sehe ich jetzt schon in der Rolle des Bank-Ökonomen, der sich regelmäßig mit Rogoff und Krugman in die Haare kriegt und dabei die Hochfinanz belehrt.
Harvard hat mir gezeigt, dass im Leben vieles machbar ist. Vielleicht empfinde ich gerade aus diesem Grund meine eigene Zukunft als ungewisser denn je. Aber wie sagt man doch so schön: If you can make it there, you can make it anywhere!

Wer sich um einen Studienplatz in Harvard bewerben möchte, sollte ein Jahr im Voraus mit den Vorbereitungen beginnen. Eine vollständige Bewerbung beinhaltet (1) ein Motivationsschreiben, (2) das Beantworten mehrerer Essay-Fragen, (3) den Test of English as a Foreign Language (TOEFL), (4) den SAT und SAT Subject Test bzw. den ACT, (5) Empfehlungsschreiben von Professoren und eventuell anderer Personen, (6) ins Englische übersetzte Zeugnisse, (7) das Zahlen der Bewerbungsgebühr, und (8) in manchen Fällen ein Interview mit Harvard-Absolventen.
Brown, Columbia, Cornell, Dartmouth, Harvard, Princeton, Penn und Yale sind die acht Ivy-League-Universitäten. Da sich die Bewerbungsprozesse an diesen Institutionen ähneln, macht es Sinn, sich gleich an mehreren zu bewerben. Wichtig ist aber, individuell auf jede einzelne Uni einzugehen.
Eine College-Bewerbung erfordert auch ein gewisses Maß an Recherche. Jede Ivy-League-Uni hat eine eigene Campus-Kultur, über die man sich zuvor informieren sollte. Je nach Präferenz ist für den einen die super-liberale Brown die beste Wahl, während sich ein anderer im Residential College System von Yale vielleicht wohler fühlt.
Für jene, die ihren Bachelor oder Master bereits an einer österreichischen Uni gemacht haben, bleibt die Option eines Graduate-Studiums. Auch hier gilt: Recherche ist wichtig. Denn im Gegensatz zur College-Bewerbung werden unterschiedliche Tests und Qualifikationen vorausgesetzt.

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