Wirtschaft | Karriere
18.04.2017

Gründergeist an Unis ist Mangelware

Der Unternehmergeist wird an den Unis nur mäßig geweckt. Gründerservice-Chefin Elisabeth Zehetner und Staatssekretär Harald Mahrer kommentieren eine aktuelle Studie unter 3800 Studierenden.

Faktum laut Studie: Der Unternehmergeist der Studierenden hat sich nicht merklich entwickelt. Der Unternehmergeist wird an den Unis nur mäßig geweckt. Ist das überhaupt Aufgabe der Unis?

Elisabeth Zehetner: Es ist generell eine gesellschaftliche Aufgabe, den Unternehmergeist zu fördern. Weil das sind die zukünftigen Arbeitsplätze. Die Universitäten sind wichtige Bildungseinrichtungen, sie bringen selbst Innovationen hervor. Ich wüsste niemanden, der besser geeignet wäre, den Unternehmergeist zu wecken.

Faktum: Nach dem Studienabschluss wollen fünf Prozent selbstständig tätig sein, der internationale Schnitt liegt bei 8,8 Prozent. Nach fünf Jahren peilen 27 Prozent die Selbstständigkeit an, international sind es 38 Prozent. Warum hinkt Österreich hier hinterher?

Harald Mahrer:Ich glaube, dass wir den Themen Selbstständigkeit, unternehmerische Freiheit und Risiko in unserem Bildungssystem in den vergangenen 20 Jahren zu wenig Platz eingeräumt haben. Entscheidend ist: Fördere ich ab dem Kindergarten Neugier, das Ausprobieren von Dingen – oder fahre ich einen risikoaversen Kurs. Das Ausprobieren und die Neugierde trainieren wir oft systematisch ab.

Faktum: Die Motive für Studierende, sich selbstständig zu machen sind: Selbstverwirklichung, Karrierechance, sich aktiv in einer verändernden Welt einbringen. Reich werden ist kein Thema, warum?

Elisabeth Zehetner: Bei allen Studien, die mir über die Generation Y oder Z bekannt sind, ist das Thema Selbstverwirklichung im Vordergrund. Nicht der monetäre Gedanke. Es ist aber nicht so, dass die Jungen mit ihrer Arbeit kein Geld verdienen wollen. Die Hoffnung ist, etwas zu machen, das Freude bereitet und gutes Geld bringt.

Faktum: Die Karrierewünsche der Studis sind: 57 Prozent wollen eine Anstellung in der Privatwirtschaft, 11 % wollen eine Anstellung im öffentlichen Dienst, 9 % wollen eine Anstellung an einer Hochschule, 5 % wollen eine Anstellung in einer NPO. Sehr konservativ, finden Sie nicht auch?

Elisabeth Zehetner: Ja. 82 Prozent aller Studierenden wollen in eine Anstellung. Das ist ein großer Block, der jenen gegenüber steht, die sich vielleicht selbstständig machen wollen. Ich glaube: wenn wir als Wirtschaftsstandort vorne mit dabei sein wollen, sollte das Verhältnis Richtung 50:50 gehen.Harald Mahrer: Das war zu meiner Zeit vor 20 Jahren, als ich ÖH-Vorsitzender war, noch ausgeprägter. Da war der Faktor "Anstellung im öffentlichen Dienst" dramatisch höher, lag bei etwa einem Drittel. Ich meine, es hat sich stark verbessert. Unternehmertum wird den Studierenden nach und nach näher gebracht.

Ist es überhaupt gut, sich gleich nach der Uni in das Abenteuer Unternehmertum zu wagen?

Elisabeth Zehetner: Wenn man ganz jung ist, geht man Dinge weniger risikoscheu an. Man kann sich frei von beruflichen Erfahrungen entfalten. Das kann sehr positiv sein – wenn man die richtige Begleitung hat.

Harald Mahrer: Ich habe das selbst gemacht, es spricht nichts dagegen. Es kommt beim Unternehmerisch-tätig-werden auf den richtigen Zeitpunkt, die Idee an. Erfahrung ist hilfreich, aber nicht der einzige und allein bestimmende Faktor.

Warum würden Sie mehr Unternehmergeist unter den Studierenden begrüßen und wie kann man ihn fördern?

Elisabeth Zehetner: Es wäre schön, denn egal, ob jemand angestellt oder selbstständig ist: Unternehmergeist hat etwas mit selbstständigem Denken zu tun. Das braucht man als Mitarbeiter, als Führungskraft und als Selbstständiger. Die Unternehmergeistbildung sollte Teil der Allgemeinbildung sein. Etwa, indem man lehrt, wie man einen Business-Plan scheibt. So führt man die Studierenden an die Basis der unternehmerischen Tätigkeit heran – und zeigt ihnen alternativer Karriereweg.

Harald Mahrer: Das wichtigste Anliegen ist mir, Österreich in die Gruppe der Innovationsführer zu bringen. Dafür brauchen wir mehr Spin-offs von Universitäten. Mein Hauptanliegen ist es, die Ideen, die aus der Forschung entstehen viel mehr marktfähig zu machen. Da lassen wir viel liegen. Die Unis sollten das Unternehmertum mehr auf die Tagesordnung bringen. Das verändert das Mindset der Studierenden. Aber: wir müssen da viel früher ansetzen, es beginnt im Kindergarten.