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Wirtschaft Karriere
03/28/2020

Gold: Eine stark gefragte Krisenwährung

Die Nachfrage nach Gold und Edelmetallen steigt. Sie gelten als altbekannte Krisenwährung.

Rudolf Brenner, Geschäftsführer von Philoro, bringt es schnell auf den Punkt: „Auf den internationalen Edelmetallmärkten ist die Lage derzeit äußerst angespannt.“ Wie immer in außergewöhnlichen Phasen und Krisen und ganz besonders, wenn die Kurse an den Börsen so schnell so sehr nach unten rutschen wie in den vergangenen Wochen – dann steigt die Nachfrage nach Gold und Edelmetallen.

Steiler Anstieg

Der Goldkurs hat sich seit der zweiten Hälfte des Jahres 2018 generell nach oben bewegt und in der zweiten Februarhälfte 2020 und dann wieder Anfang März mit einem Preis von fast 1675 Dollar ein seit fünf Jahren nicht erreichtes Hoch erreichte. Danach ging kurz bergab und seit einigen Tagen gibt es wieder einen steilen Anstieg.

„Die Händler sind mit einer bisher noch nahezu nie da gewesenen Nachfragesituation im Bereich der physischen Edelmetalle konfrontiert, während der Goldpreis an den Rohstoff-Börsen durch institutionelle, Liquidität hortende Investoren unter Druck kommt“, gibt Rudolf Brenner Einblick und erklärt die aktuelle Kursbewegung bei Gold.

„Durch die extreme Korrektur der Aktienmärkte müssen Unternehmen liquide Mittel auftreiben und bedienen sich deshalb dort, wo Liquidität kurzfristig freigemacht werden kann. Das führte in aktiFolge zu Aktien-und Goldverkäufen.“

Aktienbörsen auf Talfahrt

Die große Nachfrage beobachtet auch Thomas Mühlfellner, Marketingleiter bei IMM Münzinstitut: „Im Moment erleben wir auf den Aktienbörsen eine Talfahrt, wie wir sie zuletzt im Jahr 2009 bei der letzten großen Finanzkrise erlebt haben. Anders als damals ist allerdings auch der Goldpreis Mitte März deutlich zurückgegangen, hat aber schon bald wieder Anzeichen der Erholung gezeigt.“

Er sieht die Gründe für das kurze Nachgeben des Goldkurses ähnlich: „Die Maßnahmen zur Eindämmung des Covid-19-Virus betreffen massiv die Realwirtschaft. Zur Sicherung der Liquidität sehen sich daher viele Menschen und Unternehmer gezwungen, vorhandene Goldbestände zu verkaufen", sagt Mühlfellner.

Und weiter: „Dieser Angebotsüberschuss führte zum Nachgeben des Goldpreises. Aus meiner Sicht ist dies allerdings ein kurzfristiges Phänomen – die Prognosen für den Goldpreis sind mittel- bis langfristig weiterhin sehr gut, selbst für das Jahr 2020. Gerade jetzt scheint ein guter Zeitpunkt zu sein, um Gold zu kaufen.“

Beispiele aus der Vergangenheit

In diesem daraus folgenden und wahrscheinlich kurzen Absinken des Goldkurses sieht auch Rudolf Brenner keinen Grund zur Beunruhigung – ganz im Gegenteil. Er nennt als Beispiel die Finanzkrise von 2008 und ihre Auswirkung auf den Goldkurs: „Auch 2008 verlor Gold kurzfristig, hatte aber bereits nach kurzer Zeit wieder eine hervorragende Performance."

„Der Goldpreis fiel 2008 von 1.000 Dollar auf 750 Dollar die Feinunze und stieg wieder bis auf 1.900 Dollar im Jahr 2011. Ich bin der Meinung, dass sich das wiederholen kann."

Rudolf Brenner | Geschäftsführer Philoro

„Der Goldpreis fiel 2008 von 1.000 Dollar auf 750 Dollar die Feinunze und stieg wieder bis auf 1.900 Dollar im Jahr 2011. Ich bin der Meinung, dass sich das wiederholen kann. Und, dass Edelmetalle einen überproportionalen Ausbruch an den Tag legen werden.“ Doch auch wenn der Goldkurs schon bald wieder steigt, so sind die Anbieter und Goldhändler unter Druck: Denn physisches Gold ist derzeit schwer zu bekommen.

Gold-Verarbeiter im Stillstand

Das liegt nicht nur an der großen Nachfrage, sondern ganz direkt an den Auswirkungen von Covid-19: „Die größten Goldbarren-Produzenten der Welt wie Argor, Valcambi und Pamp sind zusammen für 40 Prozent der jährlichen Welt-Goldbarren-Produktion verantwortlich und alle in der Schweiz im Tessin angesiedelt. Sie mussten aufgrund des ausgerufenen Notstandes in der Region aber ihre Aktivitäten bis auf Weiteres einstellen und die Produktion aussetzen“, weiß Brenner.

Gut gefüllte Lager

Während es in manchen Märkten also zu Engpässen kommt und damit zu längeren Wartezeiten für interessierte Käufer, versichert etwa Philoro, aktuell über genügend Kapazitäten, sowohl bei Barren als auch bei Münzen, zu verfügen.

„Sichere Lagerbestände, gute, verlässliche und bestens bestückte Partner bei Gold- und Silbermünzen, insbesondere die Münze Österreich und vor allem unsere eigene Goldbarren-Linie machen uns unabhängiger“, versichert Rudolf Brenner: „Die Filialen sind geschlossen, aber der Webshop bietet hohe Verfügbarkeiten und liefert auch in diesen angespannten Zeiten überaus schnell.“

Online-Bestellsystem

Nachdem die niedergelassenen Läden auch bei Gold- und Edelmetallen aufgrund der aktuellen Reglementierungen geschlossen halten müssen, sind die Händler entsprechend bemüht, alle Anfragen in den Onlineshops, per Mail und teilweise per Telefon zu beantworten. So funktioniert etwa der Shop der Münze Österreich gut, ebenso der Schoeller Münzhandel.

„Das IMM Münz-Institut steht für seine Kunden weiterhin zur Verfügung – mit unserem Onlineshop, der unser gesamtes Produktsortiment abdeckt, sowie für Anfragen und Direktbestellungen per eMail“, berichtet Thomas Mühlfellner aus dem Alltag bei IMM.

Neuer Arbeitsalltag

„Auch sind wir für Bestellungen und Anfragen telefonisch erreichbar. Zum Schutz der Gesundheit unserer Mitarbeiter und deren Familien arbeitet die gesamte Belegschaft seit vergangener Woche im Homeoffice – mit Ausnahme unserer Versandabteilung, die vor Ort alle gebotenen Hygienemaßnahmen ergreift, sowie einer Kollegin, die Journaldienst vor Ort verrichtet und die Post entgegennimmt.“

Ein neuer Alltag, an den sich viele Unternehmen und Branchen schnell gewöhnen mussten. Dies bestätigt auch Reinhard Walz, Leitung Vertrieb & Marketing bei Ögussa: „Selbstverständlich sind wir gerade in Zeiten wie diesen für unsere Kunden da und bemühen uns alle Bedürfnisse, so gut es geht, abzudecken. Als Hersteller von Goldbarren ist die Ögussa unabhängig von externen Barren-Lieferanten und wir produzieren in Wien täglich die gekauften Mengen.“

Gute Aussichten bei Gold

Thomas Mühlfellner zeigt sich allgemein zuversichtlich: „Die Nachfrage nach Goldprodukten ist weiterhin groß, da die langfristigen Prognosen für das Edelmetall positiv bleiben. Der Goldpreis steigt – die übliche kurzfristige Volatilität beiseitegelassen – seit Jahrzehnten an."

„Gold ist ein knappes Gut, die Nachfrage steigt weiterhin an. So kann es nur eine logische langfristige Preisentwicklung geben: Nach oben!“

Thomas Mühlfellner | Marketingleiter im IMM Münz-Institut

„Gold ist ein knappes Gut, die Förderung des Edelmetalls wird immer aufwendiger und teurer, und die Nachfrage steigt weiterhin an. So kann es nur eine logische langfristige Preisentwicklung geben: Nach oben!“

"Ausverkauf bei Goldmünzen"

Generell wird derzeit bei Edelmetallen gekauft, was verfügbar ist. „Wir sehen einen wahren Ausverkauf bei Goldmünzen“, berichtet Rudolf Brenner. Diese Nachfrage wirkt sich auch auf sonst weniger beachtete Felder aus. So ist Brenner etwa überzeugt, dass Händler aktuell auch Goldgranulat sehr gut verkaufen könnten.

Silber wird wie Gold derzeit sehr stark nachgefragt. Bei Palladium und Platin sind die Experten bei ihren Schätzungen vorsichtig. Die Preise beider Edel- und Industriemetalle sind in den vergangenen Wochen nach einem lange andauernden Preisanstieg rasant abgestürzt – teilweise um die 40 Prozent.

Beide Stoffe werden in erster Linie von der Automobilindustrie eingesetzt, Palladium auch auf Leiterplatten. Bei beiden Metallen wird die weitere Kursentwicklung davon abhängen, wie stark und wie lange die Industrie unter Corona leiden wird, also auch davon, wie sehr Staaten ihre Industrie stützen.