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Wirtschaft Karriere
02/04/2019

Flockige Geschäfte mit dem Schnee

Die Schneemassen sorgen für Hochbetrieb bei Winterdiensten und professionellen Schneeräumern. Ein Blick ins „Snowbusiness“.

von Anita Staudacher, Irmgard Kischko

Räumen, räumen, räumen. Wenn es über Nacht geschneit hat, rücken beim Hausbesorger Attensam allein in Wien 1000 Schneeschaufler samt Gerätschaft aus, um Gehsteige und Zufahrten von der weißen Pracht zu befreien. Hauseigentümer sind bekanntlich verpflichtet, zwischen 6 und 22 Uhr die Gehsteige entlang ihrer Liegenschaft vom Schnee zu räumen und zu streuen. Immer weniger Eigentümer erledigen diesen Dienst an der Allgemeinheit selbst, das Geschäft der Winterdienst-Profis wächst seit Jahren.

Marktführer Attensam befreit pro Einsatz rund drei Millionen Quadratmeter Fläche vom Schnee, das sind immerhin 420 Fußballfelder. „An einem schneereichen Winter verdienen wir nicht mehr, weil wir auch höhere Kosten haben. Aber es treibt das Geschäft für die nächste Saison“, erzählt Geschäftsführer Oliver Attensam im KURIER-Interview.

Zu den Kunden zählen neben Hauseigentümern und Hausverwaltungen auch Unternehmen, öffentliche Einrichtungen und zunehmend auch Gemeinden. Immer mehr Kommunen lagern nämlich die Schneeräumung an externe Dienstleister aus, bestätigt Attensam. Ein solcher Winterdienstleisterist im ländlichen Raum seit vielen Jahren der Maschinenring, der über 80 Geschäftsstellen in ganz Österreich verfügt.

17.000 Kunden

Einst als Verein zur bäuerlichen Selbsthilfe gegründet, arbeitet der Maschinenring mit 7000 lokalen Landwirten und Personal aus dem ländlichen Raum. Diese kennen die Gegebenheiten vor Ort und übernehmen Räumdienste für Straßen, Gehsteige und Parkflächen, Streudienste oder Spezialservices wie Tauwetterkontrolle, Dachräumungen oder Fräsarbeiten. Der Maschinenring zählt mehr als 17.000 Kunden, darunter 1100 Gemeinden.

Der Übereifer von Frau Holle kurbelt auch das Geschäft mit den Räumgeräten an. In einzelnen Baumärkten waren Schneeschaufeln und -fräsen im Jänner Mangelware. „Wir hatten eine erhöhte Nachfrage, Versorgungsengpässe gab es aber keine“, heißt es bei Bauhaus Österreich. Von den Schneemassen seien ja nicht alle Gegenden Österreichs betroffen, weshalb man Ware umleiten konnte.

Das Geschäft mit kleinen, leistbaren Schneefräsen für Privathaushalte ist seit Jahren im Steigen, besonders ältere Menschen greifen lieber zur Fräse als zur Schaufel. Die Hersteller von Kleinfräsen bzw. Kleintraktoren mit Pflügen stammen überwiegend aus Asien.

Im Profi-Segmentmischen aber auch österreichische Unternehmen mit. Als eine der wenigen Gerätehersteller „Made in Austria“ verfügt die Firma Hauer aus Statzendorf in Niederösterreich über langjähriges Know-how bei der Schneeräumung. Die von rund 120 Mitarbeitern in Statzendorf produzierten Schneeschilder- und pflüge sowie Streugeräte kommen hauptsächlich an Traktoren zum Einsatz, daher sind Landwirte die wichtigsten Kunden.

Das passende Gerät

Über den Landmaschinen-Fachhandel und den Lagerhäusern wurden im Vorjahr etwa 400 Geräte verkauft. Der schneereiche Winter lässt Hauer-Vertriebschef Franz Reisner für heuer frohlocken. „Ein schneereicher Winter wirkt sich in der Regel auf die Anschaffungen in der nächsten Saison aus. Derzeit spüren wir aber eine erhöhte Nachfrage nach Ersatzteilen und rasch verfügbaren Schneeschildern“, so Reisner.

„Für jeden Räumeinsatz das passende Gerät“ verspricht das Tiroler Familienunternehmen Kahlbacher Machinery GmbH mit Sitz im heimischen Winter-Mekka Kitzbühel. Der Komplettanbieter in Sachen Schneeräumung für Straße, Bahn und Flughäfen ist auch Spezialist für sportliche Großveranstaltungen wie alpine oder nordische Ski-Weltmeisterschaften.

Ein Heimspiel für die Räumprofis sind die Hahnenkamm-Rennen in Kitzbühel, die laut Firmensprecherin Christa Kahlbacher heuer eine besondere Raum-Herausforderung waren. Trotz Neuschnees mussten bis zu 100.000 Personen auf den verschiedenen Verkehrswegen die Piste erreichen können. Nicht nur, dass der gefallene Neuschnee von der Piste wieder weggefräst werden musste, auch die Hubschrauber-Landeplätze mussten dingfest gemacht werden, um im Einsatzfall schnell Erste Hilfe leisten zu können.

Flughäfen als Großkunden

Die Schneemassen hätten vor allem die Nachfrage nach Leihgeräten angekurbelt, berichtet Kahlbacher. Das Unternehmen feiert heuer sein 70-Jahr-Jubiläum. Gründer Toni Kahlbacher erfand Anfang der 1950-er Jahre einen Schneepflug-Prototypen, der den von Pferden gezogenen Holzpflug ersetzen sollte. Nach den Anfängen im Straßenverkehr kam in den 1970er Jahren die Flughafentechnik dazu. Heute setzen etwa der Flughafen Wien oder München auf Schneeräumgeräte von Kahlbacher.

Neben der Produktion in Kitzbühel gibt es eine weiteres Werk in Amstetten, Niederösterreich, wo ebenfalls Räumgeräte hergestellt werden. Das Unternehmen beschäftigt rund 100 Mitarbeiter. Eine fixe Größeim heimische Snow-Business ist auch die Firma Hydrac Pühringer GmbH mit Sitz in Sierning in Oberösterreich. Der Landmaschinen-Hersteller macht die Hälfte seines Umsatzes mit besonders robusten Schneepflügen für Traktoren und Lkw.

Rund 1000 Räumgeräte werden pro Jahr in Oberösterreich hergestellt und im In- und Ausland verkauft. Der Exportanteil beträgt 50 Prozent. Der schneereiche Winter sei höchst willkommen, meint Firmensprecher Simon Pammer, die Branche habe einige „dürre Jahre“ hinter sich. Warme Temperaturen sind eben schlecht fürs Geschäft, wer denkt bei zweistelligen Plus-Temperaturen schon an Schneeräumung?

Hydrac bewirbt seine Geräte damit, dass sie auch dann noch funktionieren, wenn alle anderen längst vor den Schneemassen kapitulieren. „Wir entwickeln unsere Geräte so, dass sie 25 bis 30 Jahre halten“, sagt Pammer. Dieser Qualitätsanspruch schütze auch vor ausländischen Billig-Anbietern, deren Pflüge im Extremeinsatz wie bei den jüngsten Schneemassen schnell versagen würden.

Innovationspotenzial

Pammer hofft ob der Winterbilder auf zusätzliche Aufträge für die nächste Saison. Falls die Winter doch wieder schneeärmer werden, müsse man eben mehr auf Sommergeräte für die Landwirtschaft umstellen, so Pammer. Der Familienbetrieb Hydrac beschäftigt rund 100 Mitarbeiter. Das in der Schneeräumung noch viel Innovationspotenzial schlummert, zeigt der „Fräsinator“ des niederösterreichischen Start-ups NG Green Innovations. Die neu entwickelte Maschine sieht zwar aus wie eine Schneefräse, funktioniert aber anders.

Ein Schleuderrad treibt vier voneinander unabhängige Schaufeln an, die wie ein Kraulschwimmer den Schnee, aber auch anderes Schüttgut, nach außen befördern. Schneller, umweltfreundlicher und vor allem günstiger soll die Fräse dadurch sein. „Die automatische Schaufeltechnologie spart gegenüber vergleichbaren Maschinen 60 Prozent Energie“, erklärt Firmengründerin Hanna Gansch.

Besonders geeignet sei der Fräsinator für Parkplätze mit kompakten Schnee. „Je härter und kompakter der Schnee, desto leichter tut sich unser Gerät“, so Gansch. Derzeit gibt es den Fräsinator aber nur als Prototypen. Die Serienproduktion soll noch heuer anlaufen. Bei Erfolg kann sich die Gründerin auch kleinere Fräsen für Privathaushalte vorstellen.

An Grenzen gestoßen

Die Rekordmengen an Schnee, die in den ersten Jännertagen dieses Jahres fielen, haben die Autobahn-Meistereien an die Grenzen des Machbaren gebracht. „Wir mussten zu ungewöhnlichen Methoden greifen, um die Sicherheit auf den Autobahnen zu gewährleisten“, erzählt Heimo Maier-Farkas von der Autobahnen- und Schnellstraßen-Finanzierungsgesellschaft Asfinag. So etwa auf der A10 im Bereich Flachau in Salzburg.

Eine Lawinenabschussanlage am Hang neben der Autobahn, die üblicherweise „alle zwei Jahre mal zum Einsatz kommt“, wie Maier-Farkas sagt, war plötzlich zur Gänze eingeschneit. „Sie steht auf einem vier Meter hohen Gerüst. Aber der Schnee war fünf Meter hoch“, so der Asfinag-Experte. Unter Einsatz von Hubschraubern und der Alpinpolizei musste die Anlage dann mühsam von den Schneemassen befreit werden.

Im Einsatz war sie dann alle paar Tage. Bei der anschließenden kurzen Tauphase wiederum mussten Blackhawk-Hubschrauber des Bundesheers durch Tiefflüge über den Wald neben der A10 die Schneelasten von den Bäumen blasen, um deren Umstürzen zu verhindern. Und natürlich seien die Salz-Streufahrzeuge fast Tag und Nacht unterwegs gewesen. 34.000 Tonnen Salz hat die Asfinag in den ersten zwei Jännerwochen gestreut – ein Drittel des normalen Winterbedarfs.

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