Lehrlinge als Steuerexperten

Finanzzentrum Wien Mitte und Lehrlinge © Bild: gilbert novy

Der Bund bildet seit 2011 selbst Nachwuchs aus. Heuer gibt es 60 Lehrplätze.

So verstaubt wie der Name klingt, ist der Beruf ganz und gar nicht. „Ich hätte nicht gedacht, dass die Ausbildung so vielfältig ist“, erzählt Maximilian Kubesch (19), der im Finanzzentrum Wien-Mitte gerade seine Lehre zum Steuerassistenten absolviert. Im Laufe der dreijährigen Ausbildung ist er schon quer durch alle wichtigen Abteilungen der Finanzverwaltung rotiert, vom Infocenter zur Arbeitnehmerveranlagung bis zur Betriebsprüfung. Ziel ist es, in jedem Bereich eines Finanzamtes mehrere Wochen zu verbringen. Lehrlingskollegin Tamara Dietl (18) war auch bereits im Außendienst – mit der Finanzpolizei auf Baustellen-Razzia. „Das war sehr spannend, für den Job braucht man auch psychologisches Geschick“, erzählt sie. Die Finanzpolizei kontrolliert, ob die Beschäftigten etwa auf einer Baustelle oder in der Gastronomie legal beschäftigt sind und dafür Abgaben entrichtet werden.

Dietl und Kubesch sind zwei von österreichweit insgesamt 162 „Steuerlehrlingen“, die derzeit in der Finanzverwaltung ausgebildet werden. Beide sind schon im dritten Lehrjahr, im Herbst haben sie als eine der ersten Absolventen ihre Lehrabschlussprüfung. Und dann? „Ich werde mich auf einen Posten in der Finanzverwaltung bewerben, am liebsten mit Kundenkontakt, weil das taugt mir am meisten“, weiß Dietl schon genau, was sie will. Kubesch ist noch unentschlossen. Er versucht gerade, nebenbei auch noch die Matura zu machen, die erste Teilprüfung hat er bereits erledigt. Die nötigen Kurse dafür kann er während der Dienstzeit absolvieren, der Arbeitgeber unterstützt diese Weiterqualifizierung aktiv. Zwei Drittel aller Steuerlehrlinge haben sich schon für die „Lehre mit Matura“ entschieden.

Steuerbetrügern auf der Spur: Einen Teil der Ausbildung absolvieren die Lehrlinge auch bei der Finanzpolizei.
Finanzzentrum Wien Mitte und Lehrlinge © Bild: gilbert novy

Bewerbung läuft

Auch heuer werden von der Finanz österreichweit wieder 60 neue Lehrlinge aufgenommen. Bewerbungsschluss ist am 24. März. Voraussetzungen sind ein positiver Schulabschluss, gute EDV- und Rechenkenntnisse, die österreichische Staatsbürgerschaft sowie ein Höchstalter von 17 Jahren. Die Lehrlingsentschädigung beträgt im ersten Lehrjahr 460 Euro im Monat, im dritten ca. 780 Euro. „Mit dem Lehrberuf Steuerassistent/in bieten wir Österreichs Jugend eine umfassende und praxisnahe Ausbildung mit Zukunftschancen“, sagt Finanzministerin Maria Fekter und hofft auf zahlreiche Bewerbungen.

Weil Lehrlinge vom Aufnahmestopp im Bund ausgenommen sind, werden pro Jahr nach erfolgreichen Lehrabschluss rund 40 von der Finanz übernommen. Gute Beschäftigungsmöglichkeiten gibt aber auch in der Privatwirtschaft, etwa bei Steuerberatern oder Wirtschaftstreuhändern.

Vater Staat als Lehrherr für mehr als 50 verschiedene Berufe

Der Bund bildet wieder mehr Jugendliche aus. Ende 2012 gab insgesamt 1342 Lehrlinge in mehr als 50 unterschiedlichen Lehrberufen. Zwei Drittel davon sind Frauen. Damit zählt der Bund zu einem der größten Lehrlingsausbildner. Die Bandbreite der Berufe reicht von Steuer- oder Verwaltungsassistenten über EDV-Techniker bis hin zu Koch und Kfz-Mechaniker.

Das Österreichische Bundesheer etwa bildet derzeit 194 Lehrlinge in 28 verschiedenen Lehrberufen aus. Darunter sind auch 55 junge Frauen, die ihre Ausbildung auch in technischen Berufen wie Luftfahrzeugtechnikerin, Kommunikationstechnikerin oder Lagerlogistikerin absolvieren.

Links:
www.jobboerse.gv.at

Erstellt am 06.03.2013