Wirtschaft | Karriere
23.05.2017

Exzellent, jung, weiblich: Sie will das Web sicher machen

Wer programmieren kann, spricht eine einflussreiche Sprache. So wie Martina Lindorfer, Internet Security-Expertin, die soeben für ihre Studienleistungen vom Bundespräsidenten geehrt wurde.

In der digitalen Welt sind die meisten Menschen Lemminge. Das hat der Computervirus WannaCry gerade gezeigt. Privatpersonen und Organisationen sind Malware teils komplett ausgeliefert. Martina Lindorfer gehört nicht dazu: Die 32-jährige Informatikerin ist Expertin im Bereich Internet Security und wurde am Dienstag für ihre ausgezeichneten Studienleistungen von Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen geehrt.

KURIER: Würde die Welt anders aussehen, würden mehr Frauen programmieren?
Martina Lindorfer: Definitiv. Uns fällt auf, dass die Bedürfnisse von Frauen oft ignoriert werden, weil einfach keine Frauen in den Entwicklungsteams sind. Eine Kollegin hat zum Beispiel Google Glass getestet. Die Brille hat auf der Seite ja einen Sensor und meine Kollegin ist draufgekommen, das funktioniert schlecht, wenn man lange Haare hat. Was bald ein riesiges Problem wird: die künstliche Intelligenz, an der gearbeitet wird, ist männlich. Es fehlt, dass Frauen mitgestalten.

Wieso entscheiden sich nur wenige Frauen für Informatik?
Ich glaube, das Bild vom Informatiker ist einschüchternd. Viele Frauen glauben, das Studium sei wegen fehlender Vorkenntnisse eh nicht zu schaffen. Es wäre hilfreich, wenn man schon früh in der Schule zu programmieren anfängt. Wer programmieren kann, kann viele interessante Sachen machen.

Woran arbeiten Sie derzeit?
Bei uns in der Internet Security in der Forschung gibt es im Jahr vier große Konferenzen. Man versucht, für jede ein Projekt zu machen, ein Paper zu schreiben und einzureichen. Bei uns gilt: Das Paper ist nicht fertig, bis die Deadline vorbei ist. Wir haben am Donnerstag und am Freitag eine Konferenzdeadline. Deswegen ist die Woche ein bisschen stressig.

Was bereiten Sie für die Konferenzen vor?
Wir haben uns angeschaut, wie Apps private Daten sammeln und wie sich das in den vergangenen Jahren verändert hat – es ist ziemlich beängstigend. Zum anderen haben wir für eine Konferenz im Oktober eine schlimme Schwachstelle auf Android gefunden und arbeiten an einer Gegenmaßnahme.

Sie forschen darüber derzeit an der University of Santa Barbara. Möchten Sie je wieder zurück nach Österreich kommen?
Sehr gerne. Ich bin ein großer Wien-Fan. Aber in der Forschung ist es normal, dass man flexibel ist und dass man an Unis am anderen Ende der Welt studiert. Ich möchte in der Forschung bleiben, aber nicht an der Uni.

Für welche Firmen würden Sie dann gerne arbeiten?
IBM Research oder Google würden mich interessieren – aber in Österreich gibt es da nichts. Google interessiert mich wegen der Daten, mit denen man arbeiten kann, und dass man an Produkten arbeitet, die eine große Anzahl von Menschen benutzen. Die ganzen netten Services, wie Gratis-Essen und Massagen, würden mich auch nicht stören. Aber sie bieten das nur, damit man den kompletten Lebensmittelpunkt in der Firma hat. Meine Work-Life-Balance ist mir aber sehr wichtig.

Sie hatten im Studium nur Einser. Wie konnten Sie das Niveau halten?
Das Studium hat mich interessiert. Dann fällt das Lernen leichter. In meinem Bereich sind Noten aber eigentlich nicht wichtig.