Estée-Lauder-Boss Maurer: "Verkaufen liegt uns nicht"

Siegfried Maurer
Foto: KURIER/Gerhard Deutsch Siegfried Maurer, Geschäftsführer von Estee Lauder

50 Jahre Estée Lauder in Österreich, 25 Jahre Pink-Ribbon-Aktion: Geschäftsführer Siegfried Maurer über den Familienbetrieb, der ein Weltkonzern geworden ist, über Männermangel und junge Einsteiger ohne Ambitionen.

Estée Lauder gibt es in Österreich seit 1967. Der Konzern hat hier klein begonnen, mit einem Geschäftsführer, der die Familie Lauder noch persönlich gekannt hat. Estée Lauder, die Firmengründerin mit Wurzeln in Europa, wurde in NY geboren, wo auch heute noch der Firmensitz des US-Konzerns ist. Zur Gruppe gehören mehr als 25 Marken, darunter Aramis, Aveda, Bobbi Brown, Clinique, La Mer, MAC, Michael Kors oder Tom Ford. Seit 2009 wird die Firma vom ersten CEO (Fabrizio Freda) geführt, der nicht aus der Familie stammt. Umsatz: circa zwölf Milliarden Dollar in fast 150 Ländern.

Zum österreichischen Firmenjubiläum besuchen wir Geschäftsführer Siegfried Maurer. Er ist seit 21 Jahren beim Konzern.

KURIER: Es fällt auf, dass Mitarbeiter bei Estée Lauder eine lange Zugehörigkeit haben. Sie sind erst der dritte Geschäftsführer in Österreich. Warum?

Siegfried Maurer: Die lange Zugehörigkeit zieht sich tatsächlich durch alle Länder. Es ist keine Seltenheit, dass Mitarbeiter 20-, 30-jährige Firmenjubiläen feiern. Familie und Werte spielen eine große Rolle, der Konzern wird zwar immer größer und die Spielrahmen werden etwas enger. Trotzdem hat man die Möglichkeit, sich selbst einzubringen. Das Unternehmen verändert sich ständig, es wird nicht langweilig.

Jetzt bringt wohl vor allem das Online-Geschäft neuen Schwung rein.

Ja und nein. Der Konsument kommt mit uns in Berührung – und was folgt dann? Der Gang ins Geschäft oder ins Internet? Gekauft wird sowohl als auch. Wobei das Internetgeschäft noch im einstelligen Prozentbereich liegt. Für neuen Schwung sorgen vor allem auch neue Marken und immer wieder neue Produkte.

Klingt nach schnelllebigem Geschäft.

Ja, Marken und Trends kommen immer schneller. Früher kam ein Trend von einer Fashionshow und hat ein Jahr lang angehalten. Heute geht das Schlag auf Schlag – und oft sind wir überrascht, woher die Trends kommen.

Wo steht das Unternehmen nach 50 Jahren?

Bei einer Vielzahl von Marken. Wir unterscheiden die Etablierten, wie Estée Lauder oder Clinique, die Nischenmarken wie Bobby Brown, La Mer oder auch Origins, und neue, hippe Marken wie etwa Too Faced. Die werden als Boutique-Marke, als kleines Start-up gegründet. Alle Mitarbeiter sind cool, lustig und haben Spaß bei der Arbeit in ihrer Lagerhalle irgendwo in Soho. Diese Marken kommen bei den Kunden gerade sehr toll an.

Sie haben auch hochpreisige Luxusmarken im Sortiment. Wie preissensibel sind die Kunden heute?Klar gibt es eine hohe Preissensibilität. Interessant ist aber, dass unsere Luxusmarken Tom Ford, La Mer und Re-Nutriv von Estée Lauder von der Konjunktur am unabhängigsten sind.

In Österreich haben Sie 320 Mitarbeiter. Wie hoch ist der Frauenanteil?92 Prozent.

Das ist völlig anders, als man es gewohnt ist. Wie läuft es mit einer so niedrigen Männerquote?

Ich bin 21 Jahre hier und sehe den Unterschied nicht. Bei uns sind viele verschiedene Persönlichkeiten im Team, eine gute Mischung, völlig unabhängig vom Geschlecht.

Würden Sie gerne mehr Männer engagieren?

Ja, definitiv. Es gelingt aber nicht. Die Marken sprechen in erster Linie Frauen an. Gerade für den Verkauf würde ich mir mehr Männer wünschen – es ist aber fast unmöglich. Generell ist es sehr herausfordernd geworden, gutes Personal zu finden.

Warum?

Da kann ich nur raten ... Wir Österreicher sind perfekt in der Gastronomie, sind tolle Dienstleister. Aber ich glaube, Verkaufen liegt uns nicht. Das ist aber jetzt eine persönliche, generalisierte Einschätzung von mir. Und: Die Anforderungen an diesen Job sind extrem hoch. Bestenfalls sollte eine gute Mischung aus engagierter Dienstleistung, Kreativität und umsatzorientiertem Denken mitgebracht werden.

Wie sehen Sie die junge Generation, jene, die gerade von der Uni kommen?

Ich glaube, sie sind wirklich anders. Die viel strapazierte Work-Life-Balance spielt tatsächlich eine große Rolle. Junge Menschen kommen oft mit sehr fixen Vorstellungen in ein Unternehmen. Wenn sie Sinn und Entwicklungsmöglichkeiten sehen, sind sie bereit, hohen Einsatz und Identifikation mit der Aufgabe zu zeigen. Manchmal kommt es leider auch vor, dass zu schnell aufgeben wird, das Durchtauchen fehlt.

Sich etwas aufbauen, etwas schaffen – das sehen Sie nicht mehr?

Nein, das gibt es bei den Jungen nicht. Viele, vor allem im Verkauf, arbeiten nur so viel, dass sie davon leben können. Da frage ich mich vor allem bei Teilzeitkräften, wie sich das ausgeht? Es gibt auch kaum noch langfristige, materielle Ziele. Wir merken aber: Bei den Jungen werden soziale Themen wichtiger. Viele wissen über unsere Aktivitäten bescheid, gerade über die Pink-Ribbon-Aktion. Dadurch heben wir uns als Arbeitgeber ab: dass wir diese Aktion durch und durch leben, macht den Unterschied.

(kurier) Erstellt am
Posts anzeigen
Posts schließen
Melden Sie den Kommentar dem Seitenbetreiber. Sind Sie sicher, dass Sie diesen Kommentar als unangemessen melden möchten?