Amelie Groß, Vorsitzende der Jungen Wirtschaft.

© KURIER/Gilbert Novy

Interview
12/31/2016

„Es hat keinen Sinn zu jammern“

Mit 1.1.2017 ist Amelie Groß neue Bundesvorsitzende der Jungen Wirtschaft. Sie kritisiert: Zu viele Maßnahmen werden von der Politik verschleppt. Und fordert: Mehr Optimismus für 2017.

von Magdalena Vachova

KURIER: Ab morgen sind Sie neue Bundesvorsitzende der Jungen Wirtschaft (JW). Was wird Ihre erste Handlung sein?
Amelie Groß
: Ich werde sicher niemanden kündigen (lacht). Das Wichtigste ist für mich, mich gleich mit meinem Team zusammenzusetzen.

Was hat Sie zur Kandidatur bewegt?
Anlass war ein Gespräch mit unserem jetzigen Bundesvorsitzenden Herbert Rohrmair-Lewis vor ungefähr einem Jahr. Ich habe damals gesagt: „Schauen wir erst mal, wer zur Auswahl steht.“ Er hat gesagt: „Ich kann das nicht entspannt sehen. Ich habe drei Jahre für die JW gekämpft und mir ist es wirklich wichtig, wie es da weitergeht.“ Das wollte ich dann selbst in Hand nehmen. Es war aber nicht einfach, ich habe wirklich hart gekämpft. Denn: Obwohl wir 2016 haben, war es ein Thema, dass ich eine Frau bin. Es gab viele Unterstützer, oft habe ich aber auch gehört: Lass einem Mann doch den Vortritt.

Herbert Rohrmair-Lewis hat sich den Start-ups verschrieben. Welche Schwerpunkte setzen Sie?
Ich bin ihm und Harald Mahrer sehr dankbar, dass sie dieses Thema so stark gespielt haben. Start-ups so ins Bewusstsein der Leute zu rücken, das ist viel wert. Für mich ist das Thema Digitalisierung wichtig. Viele Unternehmerinnen und Unternehmer denken immer noch: Ach, die Digitalisierung wird schon nicht so richtig kommen, das wird meine Branche nicht betreffen. Es wird unsere Aufgabe sein, zu zeigen, dass es uns alle betrifft und dass wir die Chancen darin sehen sollten. Was aber auch wichtig ist: Wir haben nach wie vor keine flächendeckende Breitbandverbindung. Wie soll der Standort da mitkommen? Wir bleiben auch am Thema Lohnnebenkosten-Reduzierung für die ersten drei Jahre für Start-ups dran und möchten sie auf alle Gründer ausweiten. Und natürlich auch auf dem Beteiligungsfreibetrag.

Ihr dringlichstes Anliegen?
Die Bildung. In vielen Branchen findet man kein geeignetes Personal, rund ein Viertel der 15-Jährigen können nicht sinnerfassend lesen. Wenn man ein Start-up gründen möchte, aber keinen guten Informatiker findet, ist das katastrophal. Und wird schlussendlich dazu beitragen, dass sich nicht viele Leute in Österreich niederlassen.

Im ersten Halbjahr 2016 gab es in Österreich so viele Gründungen, wie noch nie. Herrscht wieder Aufbruch-Stimmung unter den Jungunternehmern?
Sieht man sich das Konjunktur-Barometer vom Sommer an, erkennt man: Es gibt einen leichten Aufwärtstrend. Ich glaube, die Unternehmer sind vorsichtig positiv. Der Reform-Stillstand in Österreich und Europa drückt natürlich schon weiterhin aufs Gemüt. Als Unternehmer hat man das Gefühl, man strampelt sich ab, tut und tut und es kommt nichts von der Regierung. Zu viele Maßnahmen werden verschleppt und verzögert.

Sie führen Ihr Unternehmen in dritter Generation – in Österreich gehen die Zahlen der Firmenübergaben jedoch zurück. Sorgt Sie das?
Ja. Gerade im ländlichen Bereich haben es die Unternehmer schwer, Nachfolger zu finden. Die Kinder, die in Familienunternehmen aufwachsen, sehen eben oft nur die negativen Aspekte des Unternehmertums: bei aller Freiheit trägt man eine große Verantwortung für die Mitarbeiter.

Welcher Anreiz könnte helfen, mehr Junge für die Übernahme zu motivieren?
Wenn das Neufög (Neugründungs-Förderungsgesetz für Neugründer, Anm.) auch auf Übernehmer ausgeweitet würde.

Zum Persönlichen: Was konnten Sie von Ihrem Vorgänger lernen?
Vor allem die Fähigkeit, so lange an Themen dranzubleiben. Als Unternehmerin ist man es gewöhnt, Entscheidungen auch umzusetzen. Auf interessenspolitischer Ebene ist das anders. Da muss man Monate, Jahre an einer Sache bleiben, bis sie Gehör findet.

Welchen Rat haben Sie an Jungunternehmer?
Es hat keinen Sinn zu jammern. Viel g’scheiter ist, man packt’s an. 2016 war so ein turbulentes Jahr, ich glaube, wir brauchen jetzt dringend mehr Optimismus.

Zur Person

Amelie Groß lebt und arbeitet in Salzburg. Die studierte Juristin führt seit 2012 das Familienunternehmen Inkasso Merkur GmbH in dritter Generation. Als Chefin der Jungen Wirtschaft vertritt sie die Interessen von 37.000 Mitgliedern und rund 120.000 Unternehmern unter 40 Jahren in Österreich. Am 1.1. 2017 feiert sie ihren 30. Geburtstag und gleichzeitig den Beginn ihrer mindestens zweijährigen Amtszeit als Vorsitzende der Jungen Wirtschaft. Mit im neuen Vorstandsteam: Barbara Havel, Christiane Holzinger und Burkhard Neuper.

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