Wirtschaft | Karriere
23.04.2018

Erster Job: Wer darf was in der Probezeit?

Mit Probe hat die Probezeit nichts zu tun. Im Gegenteil: Ab der ersten Stunde heißt es: It’s Showtime. So geht's.

Der erste Arbeitsvertrag liegt auf dem Tisch. Unterzeichnet. Geld wird auf dem Konto landen. Jeden Monat! Und vor dem Sommer und vor Weihnachten gleich doppelt! Lass die Party steigen! Wäre da nur nicht dieser Hinweis auf die Probezeit: Ein Monat, um zu zeigen, was man kann – und um zu bleiben. Ein Monat, um zu zeigen, was man alles nicht kann – und  um – ohne Erklärung – gekündigt zu werden.  Denn: Die Probezeit hat mit   Proben oder Ausprobieren wenig zu tun. Im Gegenteil: Im Grunde steht man  in den ersten 30 Tagen im Job stärker unter Druck als nach 30 Dienstjahren.   Folgende Anregungen helfen, problemlos durch die Probezeit zu kommen.


Die Sache mit der Pünktlichkeit: Warum Zuspätkommen gar nicht geht.Zugegeben: Eigentlich sollte man als Jobeinsteiger das mit dem In-der-Früh-Aufstehen schon längst drauf haben. Schließlich wird man seit seinem sechsten Lebensjahr  darauf trainiert, sich im Morgengrauen aus dem Bett zu wälzen.  Leider ist  im Büro  Zuspätkommen wirklich alles andere als cool.  „Snoozer sind Loser“  – ein ganz wichtiger Spruch für Neulinge in der Jobwelt. Was hilft: Ein Bett, das   morgens in die Senkrechte katapultiert? (Gibt es wirklich!) Deutlich billiger kommt da eine Wecker-App wie  „Alarmy“ (Sleep if you can). Die App wurde nicht umsonst zum „Nervigsten Alarm der Welt“ gewählt. Gut  startet man so vielleicht  nicht in den Morgen –  aber man startet.

Die Sache mit der Konzentration: Acht Arbeitsstunden können sich echt hinziehen. Was man braucht, damit man voll bei der Sache ist Ein guter Arbeitstag beginnt  mit einer guten Nacht. Darum wird die Probezeit wohl nicht als Phase der rauschenden  Feste in Erinnerung bleiben. Wenn der Tag sich hinzieht, heißt es, genügend zu essen und Pausen einzulegen. Aber wann? Wie?   „Pausen zu machen, wenn die Konzentration nachlässt, ist günstig. Aber man sollte sie auch kommunizieren und die Arbeitszeit  hinten anhängen“, rät Karin Steiner, Geschäftsführerin von abif.    Selbst beim berühmten Plauscherl in der Kaffeeküche sollte man erfragen, ob man sie außerhalb der Arbeitszeit nehmen soll. Klingt nach Kindergarten? Nein: Klingt nach gutem Mitarbeiter, der die Unternehmenskultur kennen lernen will. Denn man sollte  nie vergessen: „Neulinge werden hinsichtlich Arbeitsdisziplin immer kritischer beäugt als die Alteingesessenen“, sagt Steiner.


Die Sache mit dem Stress: Alles-Neu-Hektik, Druck, Chaos im Kopf! Was jetzt? „Was jungen Menschen im beruflichen Leben häufig schwer fällt, ist Prioritäten richtig zu setzen,  Arbeitsplanung und Termintreue. Von der Schule oder Uni sind die meisten hier schlecht vorbereitet“, meint  dazu Beate Großegger vom Institut für Jugendkulturforschung. Na toll! Leider geht sich in der Probezeit ein Kurs zu „Verantwortung im Beruf“ kaum aus.  Chaos im Kopf ist in der Probezeit  aber keine Seltenheit. Glücklich, wer  eine verständnisvolle Chefin hat. Großegger: „Um junge Menschen fit für die Arbeitswelt zu machen, braucht es seitens der Arbeitgeber Wertschätzung für vorhandene Motivation und Geduld bei all den Dingen, die man erst im Learning by Doing zu meistern lernt.“


Die Sache mit den Fehlern: Erst eine Woche im Job und schon den ersten Bauchfleck gelandet? Großegger: „Junge Leute haben oft panische Angst davor, Fehler zu machen. Um auf der sicheren Seite zu bleiben, entwickeln sie sehr früh Fehlervermeidungsstrategien.“  Die Folge: Man macht zwar nie etwas falsch, leistet und lernt aber auch wenig. Wichtig ist, dass man  Anfänger-Patzer, die passieren, zugibt und ausbessert. „Mitarbeiter, die mit einer gewissen Wurstigkeit meinen ,War ein Fehler, ist halt passiert’ kann sich heute  kein Unternehmen mehr leisten“, sagt Großegger.


Die Sache mit dem Outfit: Die coolen Jeans sind plötzlich  völlig fehl am Platz? Unsere Kleider  haben einen riesigen Einfluss darauf, wie kompetent wir rüberkommen. Aber welches Outfit passt zum Job? Karin Steiner von abif: „Man kann den Dresscode der Kollegen  ruhig  übernehmen.“ Oder – wenn man eher nicht auf Opastyle steht – das Ganze etwas jugendlicher abwandeln. Ist man  unsicher gilt: lieber over- als underdressed.


Die Sache mit dem Einstand. Feste soll man feiern, wie sie fallen. Auch im Büro?  „Generell kann man seinen Einstand ruhig feiern, doch würde das eher nach bestandener Probezeit als gleich am ersten Arbeitstag passen“, meint dazu Steiner. Bevor man in Sekt und Kuchen oder Basilikum-Zitronen-Smash investiert, lieber bei einem Kollegen informieren, wie das im Unternehmen üblich ist.


Die Sache mit den Kollegen. Oder: Wie gehe ich mit den alten Hasen um? Der Neuling im Team zu sein ist keine leichte Sache. Großegger: „Die Arbeitsauffassung von Jung und Alt passt oft nicht zusammen – aus Sicht der Älteren nehmen die Jungen vieles zu locker, aus Sicht der Jungen sind die Älteren viel zu penibel.“ Was hilft: Respekt und Höflichkeit.   „Wesentlich ist es, in der Einarbeitungszeit anzuerkennen, dass es Kollegen mit mehr Arbeitserfahrung  gibt“, so Steiner.


Die Sache mit den guten Ideen.  Wohin  mit  den Verbesserungsvorschlägen? Klar: Frische Augen sehen oft mehr als Alteingesessene. Aber: „Zu viele Verbesserungsvorschläge können Kollegen und Vorgesetzte unter Druck setzen“, meint Steiner. So kennt man als Neuling oft die Geschichte hinter bestimmten Usancen im Unternehmen nicht.   Und wer die nun alle wissen will:  In der Probezeit Fragen zu stellen, ist gut. Aber man sollte sein Limit kennen. Zu viele Fragen  nerven – vor allem, wenn man Kollegen damit vom Arbeiten abhält.

KURIER:  Muss ich eine Probezeit absolvieren?
Alexander Tomanek:  Meist ja. Selbst, wenn eine Probezeit im  Arbeitsvertrag nicht ausdrücklich vereinbart wurde, kann sie   durch den Kollektivvertrag vorgesehen sein. Die Dauer der Probezeit hängt von der Branche ab. Maximal zulässig ist ein Monat. Lehrlingen haben drei Monate.

Wer legt die Aufgaben in der Probezeit fest?  
Der Arbeitgeber. Die Aufgaben werden im Vertrag vereinbart. Auch in der Probezeit kann ich nicht zu Tätigkeiten herangezogen werden, die durch den Vertrag nicht gedeckt sind. Wenn man also als Juristin oder Friseur angestellt wurde, muss man nicht die Toiletten reinigen.

Wer beurteilt, ob ich gute Arbeit leiste?
Der Arbeitgeber. Bei Fragen oder Problemen sollte  man sich an den Betriebsrat wenden. Auch die  AK berät kostenlos und vertraulich. Man kann einfach anrufen.  www.arbeiterkammer.at

Kann ich während der Probezeit gekündigt werden? Und wenn ja, aus welchen Gründen?
Ja, man nennt es aber nicht Kündigung, sondern „Lösung“. Ein Recht darauf, zu erfahren, warum ich nicht mehr beschäftigt werde, habe ich nicht.

Die neue Stelle passt gar nicht zu mir: Kann ich in der Probezeit kündigen?
Ja. Ich darf von einer Sekunde auf die andere ohne Gründe aufhören, wenn ich etwa eine bessere Stelle finde – auch der Arbeitgeber muss also die Probezeit „überstehen“.  

 Werde ich in der Probezeit bezahlt?
Ja. Ab dem Moment, ab dem ich arbeite, bekomme ich mein vertraglich festgelegtes Entgelt.