Wirtschaft | Karriere
21.10.2017

Eine Frage des Titels: Die letzten Magister

Der ein oder andere akademische Titel gehört bald der Geschichte an: Heute heißen Absolventen nicht mehr Bakkalaureus oder Magister, sondern Bachelor und Master. Doch was bedeutet diese Umstellung für Studierende?

Österreich wird gerne als "Land der Titel‘‘ bezeichnet. Kaum einer anderen Nation ist das Tragen von Titeln so wichtig. Heinz Kasparovsky sammelt in seinem Buch "Titel in Österreich‘‘ mehr als 1500 Wortlaute von Titeln in mehr als 2000 Erscheinungsformen.

Auf akademischer Ebene hat sich hier in den letzten Jahren einiges verändert: So manchen Titel bekommen Absolventen in Zukunft nicht mehr verliehen. Durch die Umstellung auf das Bologna-System wird auch in Österreich seit einigen Jahren die europaweite Harmonisierung der Studiengänge eingeleitet. Um einen einheitlichen europäischen Hochschulraum zu schaffen, wurden die Studienrichtungen weitestgehend bereits umgestellt. Obwohl das Bologna-System bereits 1999 beschlossen wurde, gibt es derzeit in Österreich noch etwa 36 Studiengänge, die mit den alten Titeln abgeschlossen werden können bzw. sich gerade in der Umstellung befinden. Absolventen, die bereits den Titel Bakkalaureus bzw. Magister führen, können ihn behalten – oder auf den Bachelor bzw. Master umsteigen.

Drei Ziele

Im Wesentlichen werden durch die Umstellung drei Ziele verfolgt: Erstens soll die Mobilität der Studierenden gefördert werden, um ihnen das Studieren im Ausland leichter zu machen. Die Studienabschlüsse sollen zudem international anerkannt werden, um so die Wettbewerbsfähigkeit zu fördern. Auch die verkürzte Studiendauer ist ein genanntes Ziel: Denn Studierende können bereits nach drei Jahren mit einem Bachelorabschluss in den Arbeitsmarkt einsteigen.

Stefanie Weichselbaum befindet sich gerade am Anfang ihres Publizistik-Masterstudiums. "Ich finde es schade, dass das System umgestellt wurde, weil nun alle praxisorientierten Fächer gestrichen wurden. Genau diese sind es aber, die einem im späteren Berufsleben am meisten nutzen‘‘, erzählt die 23-Jährige.

Lena Köhler, Vorsitzende der Österreichischen HochschülerInnenschaft (ÖH) sieht die Ziele des Bologna-Systems teilweise gescheitert. "Das Hauptziel war es ja, das Studium zu vereinheitlichen. Dies funktioniert aber meist nicht‘‘, so Köhler. Selbst innerhalb Österreichs werden Abschlüsse von einer FH an den Universitäten oft nicht anerkannt. "Außerdem hat man weniger Freiheiten oder Wahlmöglichkeiten, um sein Studium mitzugestalten. Praxisorientierte Fächer kommen leider ebenfalls zu kurz‘‘, sagt Köhler.

Umstieg - wie?

Studierende, die auf das neue System umsteigen wollen, können in der Äquivalenzverordnung allen Lehrveranstaltungen aus dem alten Bakkalaureat/Magister eine Entsprechung im Bachelor/Master zuordnen. Dabei wird festgestellt, welche Lehrveranstaltungen noch zu absolvieren sind. Dies kann zu Verzögerungen des Studienabschlusses führen. Generell gilt als Faustregel: Ist man am Anfang des Studiums, sollte man eher umsteigen. Ist man schon im Studium fortgeschritten und schafft den Abschluss vor Ende der Übergangsfrist, ist es eher nicht notwendig. Wer sein Studium bis zum jeweiligen Stichtag nicht abschließt, wird automatisch auf den Bachelor/Master-Plan umgestellt.

- Barbara Heiss