Vollpension

© Kurier/Gilbert Novy (3)

Das gibt’s Neues
07/26/2015

Ein Start-up für Alt und Jung

Das Café "Vollpension" ist ein Raum für Generationen.

von Ricarda Lassy, Gilbert Novy

Blumen auf dem Tisch, Möbel aus den 50er-Jahren, aus dem Radio ertönen Oldies. Eine ältere Frau holt einen frisch gebackener Kuchen aus dem Ofen, drapiert ihn auf weißem Porzellan. Nein, wir sind nicht bei Oma zu Besuch, sondern im Café Vollpension.

Ein Gefühl wie bei den Großeltern – das war die Intention, die hinter dem Start-up "Vollpension" steht. Ältere Damen, liebevoll "Omas" genannt, backen nach Familienrezepten – ganz nach dem Motto: Omas Kuchen ist der beste. Zudem gibt es warme Speisen. Die Idee wurde 2012 von den Gebrüdern Stitch, den Wiener Jeansmachern, bei der Vienna Design Week vorgestellt und entwickelte sich 2014 zu einem Pop-up-Geschäft. Wegen des positiven Echos beschloss das junge Vollpensions-Team, den Omas eine fixe Backstube zu geben. Anfang Juni eröffnete das Café in der Schleifmühlgasse 16 im vierten Bezirk. Bevor Hannah Lux die Geschäftsführung der Vollpension übernahm, war die 27-Jährige Partnerships-Managerin im Impact Hub Vienna, einem Co-working-Space für soziale Unternehmen und Start-ups.

Vom Pop-up zum Business

Ein befristetes Pop-up in ein stationäres Gastro-Unternehmen umzuwandeln, war nicht so einfach. Schon vor der Gründung des Cafés tauchten Stolpersteine auf, vor allem rund um Location, Finanzierung und Umbau. Bei der Vollpension stellte sich aber auch eine weitere Hürde: Wie erhält man den Charme des Pop-ups? "Wir müssen noch herausfinden, wie das Ganze professionell laufen kann und trotzdem der Mensch im Mittelpunkt steht", erklärt Lux. Doch gerade das Imperfekte und etwas Chaotische mache den Charme aus: "Wir haben wirklich viel Zeit und Herz in die Gestaltung und das Design gesteckt, um ein heimelige Gefühl zu vermitteln".

Die Vollpension versteht sich als "Social Business". Nicht nur wirtschaftliche Aspekte, sondern auch sozial brisante Themen stehen im Vordergrund. Denn in der Großstadt leben viele alleinstehende Pensionisten, die an der Armutsgrenze leben. Hinzu kommt, dass viele ältere Leute nach einer sinnvollen Tagesbeschäftigung suchen. Die Arbeit in der Vollpension bietet Abwechslung und die Haushaltskassa wird aufgebessert.

Generationsclash

Geschäftsführerin Hannah hatte immer ein sehr enges Verhältnis zu ihren Großeltern und vermisst die Interaktion von Alt und Jung in der Großstadt. "Mit der Vollpension wollen wir einen ungezwungenen Raum in der Stadt schaffen, in dem die Generationen wieder etwas näher zusammenrücken", merkt Lux an. Dieses urbane Problem führe auch dazu, dass ältere Personen als Belastung für das Sozialsystem gesehen werden. Das gehöre geändert. "Wir stellen das Ganze mal auf eine niederschwellige Weise auf den Kopf." sagt Hannah Lux.

Genau wie die Kundschaft ist auch das Team ein Mix aus Alt und Jung. Eva-Lena Serafi (64), eine der Omis mit Spezialrezept schwedischer Mandelkuchen, gefällt gerade das am Besten: "Ich schätze den Kontakt zu den jungen Kollegen und Gästen sehr. Jeder ist bemüht darum, dass hier eine angenehme Atmosphäre herrscht."

Nicht nur der Alltagsbetrieb bietet Platz für Begegnungen, auch bei Veranstaltungen sind Personen unterschiedlicher Jahrgänge vorzufinden. Der "Soundbraten" ist eine Auflegerei der etwas anderen Sorte, denn neben dem DJ kocht Oma auch noch was Gutes für die große Anzahl an Gästen. Am Dienstag fand erstmals der "Seniorenclub" statt, bei dem ältere Damen und Herren ihre "Geschichten, die das Leben so schreibt" erzählen.

Vollpension goes Hub

Ab September ist die Vollpension auch im Impact Hub Vienna angesiedelt. "Dort ist quasi unsere erste Dependance", sagt Hannah stolz. Dabei soll es nicht bleiben: "Wir haben das Ziel, die Vollpension auch in anderen Städten zu eröffnen."

5 Tipps: Hannah Lux über die Umsetzung von Ideen und den Einsatz von Facebook

Nicht warten bis alles perfekt ist.
Wenn du eine Idee hast, die gut ist, dann go for it und mach’s. Planung und eine entsprechende Vorbereitung sind wichtig, aber irgendwann ist der Zeitpunkt da, ins kalte Wasser zu springen. Man kann das Projekt ja nach und nach anpassen. Du machst einen Fehler, gut, dann weißt du, so geht es nicht. Aber gib nicht auf sondern probier’s weiter.

Sprich mit Leuten darüber!
Umso mehr Leuten du die Idee erzählst, desto mehr Input und Unterstützung bekommst du. Und frag um Unterstützung! Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich viele Leute freuen, wenn sie helfen können.

Finde ein Spitzenteam!
Um die verschiedensten Aufgaben, die jeden Tag so hereinpurzeln, so gut wie möglich lösen zu können, ist es wichtig, ein möglichst diverses Team zu haben, bei dem alle an einem Strang ziehen.

Nütze Soziale Medien.
Ganz besonders in der Anfangsphase sollte man besonderen Wert auf die Vermarktung legen. Facebook bietet eine einfache und gute Methode, um Leute auf dich aufmerksam zu machen.

Erzähl eine Geschichte.
Am besten eine, die eine größere Gruppe anspricht, eine Geschichte mit der man sich identifizieren kann. Eine lockere Art kommt bei Facebook immer gut an. Wir posten auch Anekdoten und Sprüche unserer Omas in Mundart, das hat einen gewissen Charme. Mit Grafiken und Bildern peppen wir die Facebook-Gruppe dann noch auf.

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