Ein Leben lang „sehr gut“

Michael Weinwurm
Eine Promotion „sub auspiciis“ schaffen weniger als ein Prozent der Doktoranden.

Auf den ersten Blick haben eine Molekularbiologin, eine Theologin, ein Soziologe, eine Historikerin und ein Biomathematiker nichts gemeinsam. Sie studierten an unterschiedlichen Instituten, haben andere Spezialgebiete – sie kennen einander nicht einmal. Beim genauem Hinsehen auf ihre Noten erkennt man jedoch, was sie verbindet. Diese fünf Menschen sind die besten Studierenden des Landes. Sie alle promovierten vergangenen Montag „sub auspiciis praesidentis rei republicae“ und wurden von Bundespräsident Heinz Fischer mit dem Ehrenring der Republik ausgezeichnet. Ein „sub auspiciis“-Doktorand ist kein normaler Studierender. Er absolvierte seinen akademischen Weg von der Oberstufe bis zur Dissertation ausschließlich mit Auszeichnung. Für viele Studierende ist das eine Sache der Unmöglichkeit, auch nicht erstrebenswert. Für einige wenige ganz normal.

Talent, Fleiß und Glück

Der 30-jährige Biomathematiker und heuriger „sub auspiciis“-Kandidat Hannes Svardal war kein besonders fleißiger Student, wie er selbst sagt. „Sehr geholfen hat mir, dass ich mich einfach gut in Menschen hineinversetzen kann und immer schnell wusste, was Prüfer wollen.“

Sein Erfolgsrezept: Konsequenz und das Gehörte vom Professor gleich einprägen. Ein wenig Begabung würde letztendlich aber auch dazugehören. „Ich habe schon früh von der Auszeichnung gehört – aber ich habe nicht bei jeder Prüfung überlegt, welche Note sich jetzt ausgehen muss. Da darf man nicht so viel nachdenken“, sagt er. Die Auszeichnung brachte ihm und seinen Kollegen ein Anerkennungs-Stipendium im Wert von 9000 Euro. Beruflich würde sie ihm aber weniger bringen. „Ich will Forscher werden. Es ist toll, diese Auszeichnung zu haben, sie bringt einem sicher etwas in der Gesellschaft, der Politik und vor allem im Lebenslauf. In der internationalen Wissenschaft aber wohl weniger – man wird sehen.“

Die im Vorjahr prämierte Anglistin Sandra Mayer arbeitet heute als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Anglistik und Amerikanistik der Uni Wien. Für sie war die Promotion „sub auspiciis“ das Ergebnis eines lebenslangen Zusammenspiels von Fleiß, guten Lektoren und Glück. „Oft war da ein sportlicher Ehrgeiz. Ich wollte mir selbst beweisen, probieren, ob ich noch einmal so eine gute Note schaffe.“ Auf die Auszeichnung selbst hat sie aber nie hingearbeitet. „Ich habe versucht, jede Aufgabe so gut es geht zu lösen – zum Schluss ging sich plötzlich die Ehrung aus“. Ihr Fazit zur Auszeichnung ein Jahr danach: „Die Menschen erwarten weitere Erfolge. Der Druck ist schon groß.“

Bundespräsident zeichnet bis zu 20 Studierende jährlich aus

Der Ring, der einem der Bundespräsident ansteckt, ist die höchste Auszeichnung von einer Studienleistung, die es in Österreich gibt. Bekommen können ihn diejenigen, die alle Oberstufenklassen und die Reifeprüfung mit Auszeichnung bestehen. Weiters die Note „sehr gut“ auf alle Diplom- bzw. Bachelor- und Masterprüfungen, sowie Best-Beurteilungen für ihre Dissertation erhalten. Die Auszeichnungs-Tradition geht auf das Kaiserreich zurück, wo unter Anwesenheit des Staatsoberhauptes die besten Studierenden ausgezeichnet wurden.

In Österreich promovieren rund 2500 Doktoranden jährlich. Weniger als ein Prozent davon „sub auspiciis“. Seit Verabschiedung des Bundesgesetzes über die Verleihung dieses Doktorats im Jahr 1952 gelang es sechs Personen, sogar in zwei Fächern „sub auspiciis“ zu promovieren, 1042 Studierende wurden bis Ende 2012 seither insgesamt ausgezeichnet. Die Feierlichkeiten finden üblicherweise am 12. März, dem „dies academicus“ (Gründungstag der Universität Wien) unter der Anwesenheit des Bundespräsidenten, statt.

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