Gefangen in der Bürokaufmann-Lehrstelle, obwohl man keiner werden will.

© Bellenixe/istockphoto

Lehre wechseln
04/27/2016

Doch nicht der richtige Lehrberuf - was tun?

Mitten in der Lehrzeit die Erkenntnis: "In diesem Job will ich doch nicht alt werden. Ich will aussteigen." Was ist jetzt zu tun, wer hilft und wie geht es weiter?

von Magdalena Vachova

Peter Schober hört zu, wenn die Person am anderen Ende der Leitung nicht mehr weiter weiß. Täglich rufen ihn Lehrlinge anonym an, um sich über ihre Sorgen und Ängste in der Ausbildung auszutauschen. Er ist einer der Experten der Kümmernummer für Lehre und Berufe.

Nicht selten geht es in seinen Gesprächen um einen Lehrstellenwechsel oder gar einen Abbruch. "Die Jugendlichen müssen sich so früh für einen Beruf entscheiden – die meisten haben daher ein sehr enges oder völlig falsches Bild vom Lehrberuf. Von den knapp 300 kennen sie gerade einmal fünf bis acht", so Schober. Die Entscheidung für die Ausbildung sei nicht fundiert, die Lehrstellensuche dauere lang, man sei als Jugendlicher einfach nur froh, irgendwann einen guten Ausbildner gefunden zu haben. Oft kristallisiert sich nach wenigen Monaten in der Praxis dann heraus: Das ist womöglich doch nicht der richtige Beruf für die Zukunft.

Diese Erkenntnis frustriert

"Viele weinen und sind verunsichert", beschreibt Schober seine Beratungen. "Die Jugendlichen sind in ihren Betrieben unter- oder überfordert, haben Schwierigkeiten mit dem Klima, wollen aber nicht wieder auf lange Lehrstellensuche gehen." Laut aktuellem Lehrlingsmonitor, für den 6500 Lehrlinge befragt wurden, hat bereits jeder zweite Lehrling schon einmal erwogen, abzubrechen. 2014 haben sich 6283 Lehrlinge entschieden, das auch zu tun.

Wer mit seiner Lehrstelle oder seinem Lehrberuf unglücklich ist, kann in Österreich auf ein breites Netz aus unterstützenden Organisationen zählen. Dennoch sollte die Entscheidung zu wechseln niemals leichtfertig getroffen werden. Bei Problemen müsste immer zuerst das Gespräch mit Vertrauenspersonen im Betrieb oder der Berufsschule, Ausbildner oder Chef gesucht werden, rät Schober. Die beste Lösung sei, das bestehende Lehrverhältnis aufrecht zu erhalten.

"Ist man der Meinung,im falschen Beruf gelandet zu sein, sollte man idealerweise schon im ersten Berufsjahr zu uns kommen. Später auszusteigen zahlt sich fast nicht aus – dann ist es besser, die Lehre fertig zu machen und hinterher eine neue Berufsausbildung zu beginnen", sagt die Geschäftsführerin des Kultur- und Sportvereins der Wiener Berufsschulen, Brigitte Eberhard. Der Verein ist in Wien für das kostenlose bundesweite Lehrlingscoaching verantwortlich, das bei der Rettung des bestehenden Lehrverhältnisses hilft oder bei einer Neuorientierung begleitet.

Wechsel nicht leicht

Diese ist für die Jugendlichen nicht immer einfach. Geht es nur um den Wechsel in eine neue Lehrstelle, empfiehlt Eberhard: "Niemals die alte aufgeben, bevor man die neue gefunden hat." Die Berufsschule könne nach Beendigung des Lehrverhältnisses grundsätzlich weiter besucht werden. Geht es um einen neuen aber ähnlichen, verwandten Beruf, wird’s kniffliger. "Dann wird einem in der neuen Ausbildung einiges angerechnet. Doch viele Betriebe sind gar nicht so glücklich darüber, jemanden mit einem großen Vorwissen aufzunehmen. Sie wollen ihre eigenen Inhalte von Anfang an vermitteln", so die Expertin. Und wechselt man ganz zu einem neuen Beruf – vom Frisör zum Maurer – müsse man von null weg beginnen. Findet man als Abbrecher gar keine reguläre Lehrstelle, findet man jedenfalls eine überbetriebliche beim AMS. Das Lehrlingscoaching betreut die Jugendlichen auf ihrem Weg bis zu einem halben Jahr nach dem Verlassen der Lehrstelle.

Einmal ausgestiegen,länger als sechs Monate von der letzten Lehrstelle entfernt, passiert es, dass man sich dann doch nach einem Abschluss und echten Karrieremöglichkeiten sehnt. "Viele überkommt irgendwann das Gefühl, gescheitert zu sein, etwas nicht zu Ende gebracht zu haben", sagt Hannes Erlinger, Leiter der Beratungsstelle complete. "Zudem hat man kein formales Dokument, dass die Qualifikationen nachweist." Zu Erlinger kommen 19- bis 24-Jährige, die ihren Lehrabschluss außerordentlich nachholen wollen. "Wir nehmen den Leidensdruck weg, sagen genau, mit welchem zeitlichen und inhaltlichen Aufwand bei den Kursen zu rechnen ist und begleiten sie durch diese Zeit des Nachholens", so Erlinger.

Hier finden Lehrlinge Unterstützung bei Problemen in der Lehre:

www.kuemmer-nummer.at

www.lehre-statt-leere.at

www.lehre-fertig.at/de

www.arbeiterkammer.at

www.technopool.at

www.koordinationsstelle.at

http://sprungbrett.or.at

www.ams.at

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