Die neuen Entscheider kommen

Die Angst vorm Gründen sei normal, sagte Andreas Tschas. Dagegen gebe es nur eine Strategie: „Just fucking do it“
120 Studierende, drei Tage, eine Mission: Die Jungen zum Gründen zu inspirieren.

Tag drei der Zukunftskonferenz. Die Augen der Hereinschlendernden sind noch klein, alle paar Sekunden knackt eine Getränkedose beim Öffnen. Es ist Sonntag, 9.30 Uhr und die Luft ist drückend heiß. Die ersten – sonst so motivierten – Studierenden lassen sich in die Sessel im Festsaal des Schlosses Esterházy fallen. Die Nacht war lang. "Einige von uns hätten es fast gar nicht hierher geschafft", gesteht später ein Student bei seiner Präsentation auf der Bühne. Ein Lachen geht durch die Ränge – es fühlen sich wohl mehrere angesprochen. Denn am letzten Abend der 2014 win² Zukunftskonferenz "netzwerkten" die Studierenden bis in die frühen Morgenstunden. Es gab was zu feiern: Die neuen Entscheider sind zusammengekommen, um sich Gedanken über die Zukunft zu machen.

Mehr als 500 Bewerber aus 56 Unis auf der ganzen Welt wollten dabei sein. 120 qualifizierten sich schließlich für die schillernden drei Tage in Eisenstadt unter dem Motto "Morgen entscheiden wir".

Gründer-Spirit steckt an

Schnell weicht die Müdigkeit, Enthusiasmus und Professionalität folgen. Die zehn Unternehmen, für die die Studierenden an zweien der drei Tage der Konferenz neue Strategien entwickeln sollten, sind bei den Abschluss-Präsentationen verblüfft. Die Jungen scheinen genau zu wissen, wohin es gehen soll. Ihre Konzepte: Jung, frisch, frech. 25-jährige Studierende pitchen vor den Mitstreitern und Unternehmen, als hätte sie nie etwas anderes getan. Cool, witzig, dennoch seriös. Immer wieder werden die Präsentationen von spontanem Beifall unterbrochen. In den Gemäuern, wo schon Haydn Inspiration für seine Werke fand, holten sie sich jetzt wohl die ihre.

Nach diesen qualifizierten Kräften würden sich alle Beratungsunternehmen die Finger lecken. Doch der Versuchung einer Parade-Karriere im Consulting solle man widerstehen, mahnt bei seiner Rede der extra aus Brüssel angereiste Querdenker und Gründer des European Young Innovators Forum, Kumardev Chterjee: "Wer von euch will Berater werden oder im Finance-Bereich arbeiten?" Die Mehrheit hebt die Hand. Er schüttelt unverständlich den Kopf. "Leute, überlegt euch das. Überlegt euch, ob ihr eine klassische Karriere wollt, mit Regeln, die ein anderer für euch macht. Oder ob ihr diese enorme Energie nicht lieber in euer eigenes Projekt stecken wollt." Nachdenkliche Gesichter im Publikum. Am Ende der Rede gibt es "den längsten Applaus der ganzen Konferenz", sagt eine Mitorganisatorin. Die Botschaft scheint angekommen.

Ali Mahlodji, Watchado-Gründer und Andreas Tschas, Founder von Pioneers, des größten Start-up-Festivals Europas, schwimmen bei ihrer Keynote auf dieser Welle weiter. Ihr Tipp an die Jungen: die "JFDI-Strategie " – Just fucking do it. Applaus, Bravo-Rufe, der Gründer-Spirit greift um sich und reißt alle Studierenden mit.

Auch Österreichs populärster Business Angel, Hansi Hansmann, kommt zur Konferenz. Vor der Podiumsdiskussion verteilt er nach einem kurzen Plausch mit einigen Studierenden Visitenkarten – ein Ritterschlag für potenzielle Gründer. Mit ihm am Podium diskutieren später Unternehmer Hans Staud, Rexel-Geschäftsführer Robert Pfarrwaller, Autor Gerhard Scheucher und Jungunternehmerin Katharina Norden über das Thema "Innovation aus Mangel an Alternativen?"

Die prägendsten und mutigsten Worte der Diskussion steuert die Three-Coins-Gründerin und einzige Frau am Podium bei: "Ich bin es leid, immer die ,lady on stage‘ zu sein. Hier gibt es sicher einige, die gute Entrepreneurinnen sein könnten", so Norden. Wer noch nicht wüsste, wie das Gründen geht, solle sich doch mit ihr auf einen Kaffee treffen. "Seht euch nur bitte nicht als jene, die auf Entscheidungen von irgendwelchen Firmen warten sollten. Ihr selbst seid die Entscheider. Die Herren hier oben gehen höchstens in die Oper und ins Theater – die entscheiden schon lange nichts mehr." Applaus, Applaus.

Die Zukunftskonferenzwin² begann vor neun Jahren und beflügelt seitdem Studierende zum Andersdenken und Mutig-Sein. Einige der heimischen Start-ups fingen auf der Bühne der win² Zukunftskonferenz an. Vom Uni Management Club (rund 15 Studierende) konzipiert, geplant und veranstaltet treffen jährlich die motiviertesten Köpfe aus vielen Unis auf Unternehmen, die ihre Ideen bei Case Studies unter Beweis stellen. Bei der 2014 Zukunftskonferenz vom 6. bis 8. Juni im Schloss Esterházy in Eisenstadt dabei waren u. a: Außenminister Sebastian Kurz, NEOS-Chef Matthias Strolz, Pioneers-Gründer Andreas Tschas und Investor Hansi Hansmann.

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