Die Meisterbäckerin: Alte Rezepte, alter Ofen, junge Chefin.

© Bild: Stephan Boroviczeny

Denise Pölzelbauers Bäckerei ist anders: ihr Konzept wurde zum Selbstläuferin. Eine Erfolgsgeschichte.

Mit 17 absolvierte sie eine Lehre zur Bürokauffrau, aber dann schlugen die Gene durch. "Da ich ja  in der Backstube aufgewachsen bin, war es naheliegend, den Betrieb meines Großvaters zu übernehmen", erzählt Denise Pölzelbauer.  Mit 23 Jahren war sie nicht nur die jüngste Bäckermeisterin Österreichs, sondern auch die einzige Frau, die die Meisterprüfung mit Auszeichnung ablegte. Dass Bäckereibetriebe nach wie vor hauptsächlich von Männern geführt werden, setzte die Jungunternehmerin zu ihrem Vorteil ein. "Als ich 2006 den Betrieb übernahm, empfahl mir ein Berater der Wirtschaftskammer, meine Alleinstellungsmerkmale zur Marke zu machen", so die heute 29-Jährige, die ihre  Jugend, das Frausein, ihr Interesse für die Fünf-Elemente-Lehre und die Familientradition gezielt mixte.  Pölzelbauer: "Das Konzept ,Bäckerei Denise" ist bis heute ein Selbstläufer."

Kipferl und Currybaguette

Das Konzept, Traditionelles und Innovatives zu verbinden, setzt die Niederösterreicherin in ihrem Produktsortiment fort. Seit sie in der Wiener Schule für Traditionelle Chinesische Medizin ein Ernährungsmodul  besucht hat,  lässt sie die Fünf-Elemente-Lehre in die Kreation neuer Backwaren einfließen. Aber mit Augenmaß, denn „es ist mir wichtig, auf die Verfügbarkeit von heimischen Zutaten und  die hiesigen Ernährungsgewohnheiten Rücksicht zu nehmen.“ Gesundheit und Genuss sind für die Bäckerlady vereinbar. Deshalb stehen in ihren Regalen neben den Kipferln auch Currybaguettes, zum Bauernbrot gesellen sich Dinkelbrote mit Ingwer und Kurkuma. Die Teige für Letztere werden nach den Vorgaben der Fünf-Elemente-Lehre gemischt und in Handarbeit hergestellt. Auf Backmittel, Tiefkühl- und Convenience-Produkte verzichtet sie. Ihren exquisiten Geschmack verdanken die Backwaren auch dem Herzstück des Unternehmens, einem 132 Jahre alten Steinofen, in dem seit fünf Generationen gebacken wird. „Das Brot aus diesem Ofen schmeckt einfach anders, weil keine elektrische Energie zugeführt werden muss“, ist die Bäckerin stolz auf ihr Juwel.

Geheimtipp

Handarbeit, erstklassige Qualität und laufend neue Kreationen bieten die Bäckerin und ihre drei Mitarbeiter. Das Weingebäck aus Traubenkernmehl und Ghee (ein spezielles Butterschmalz) ist eine Alternative zu Weinbeißern oder Salzstangen und hat sich zum Renner entwickelt. "Das liefern wir an viele Feinkostläden und exportieren sogar in die Schweiz", freut sich Denise über den Anklang ihrer Schöpfung.  Auch darüber, dass  Kunden aus dem Großraum Wien regelmäßig nach  Brunn an der Pitten pilgern, um in den Genuss ihrer Produkte zu kommen.

Bei den Arbeitszeiten einer Bäckerin muss das Privatleben gut organisiert sein: "Ich stehe um Mitternacht auf, arbeite bis sieben Uhr, schlafe zwei Stunden und dann wieder von 19 bis 24 Uhr". Dafür muss der Freund Verständnis haben. Auch dafür, dass sie sich ihren Ausgleich beim Laufen, Schwimmen und Yoga holt. Für die Familienplanung heißt das im Moment noch: Bitte warten!

Meilensteine

Wieso das Ganze? Es ist mir ein Herzensanliegen, mich von der Hightech-Produktion abzuheben und das Ansehen des Bäckers als solides Handwerk zu heben.

Die größte Stütze? Der  Rückhalt durch Eltern und Großeltern.

Die größten Hürden? Zum Glück keine nennenswerten.

Gescheitert wäre ich fast an?  Ist glücklicherweise auch bis jetzt nicht eingetreten.

Das haben wir gefeiert ...  Den 3. Platz bei Slow Food Wien für das beste Brot Österreichs, den City Award von Wiener Neustadt für "Unternehmerin des Jahres".

Wohin soll’s gehen? Klein bleiben, um Handarbeit und Qualität beibehalten zu können. Deshalb auch keine Filialen. Immer wieder neue Backwaren kreieren.

Erstellt am 16.04.2012