Wirtschaft | Karriere
24.04.2017

Die Gagen der Manager

Millionen oder Hunderttausende? Wie viel Manager in Österreich tatsächlich verdienen und warum das im internationalen Vergleich nicht besonders viel ist.

Managergehälter sind immer eine Schlagzeile wert. In der Schweiz wird gerade heftig über die Bonuszahlungen der Manager der Credit Suisse debattiert. Die Schweizer Großbank kappte nach scharfer Kritik der Aktionäre die Boni ihrer Topmanager um satte 40 Prozent. Dennoch wird, trotz tiefroter Zahlen, viel Geld ausgeschüttet – statt 73 Millionen Euro zahlt die Bank 45 Millionen Euro für die leistungsbezogenen Vergütungen aus. Konkret: Konzernchef Tidjane Thiam bekommt 7,7 Millionen Euro (statt 11,1 Millionen) – nach zwei harten Verlustjahren der Bank. Weiterer Widerstand der Anleger wird erwartet.

In Deutschland wollen die SPD und ihr Kanzlerkandidat Martin Schulz mit einem Gesetzesentwurf eine Einschränkung der Managergehälter bewirken. Inklusive Boni, so der Plan, soll die Gesamtvergütung eines Vorstands künftig nur noch bis 500.000 Euro als Betriebsausgabe steuerlich absetzbar sein. Alles darüber wäre "reiner Luxus" des Unternehmens – und deshalb nur bedingt praxistauglich. Gar nicht gefallen würde das wohl den Top-Verdienern der Dax-Unternehmen: Bill McDermott hat bei SAP Deutschland im vergangenen Jahr 15,33 Millionen Euro kassiert, Dieter Zetschke bei Daimler 13,78 Millionen Euro, Frank Appel bei der Deutschen Post knapp zehn Millionen Euro und Joe Kaeser bei Siemens 8,42 Millionen. "Die Gehälter der Chefs in Deutschland sind nach Berechnungen der Frankfurter Unternehmensberatung hkp Group im vergangenen Jahr um 15 Prozent gestiegen – ein Rekordjahr", meldet die Süddeutsche Zeitung.

Kleines Land, kleinere Gagen

In Österreich werden Gehälter in anderer Größenordnung bezahlt. Vergleichen kann man nur Regionen, die Gehälter in der Schweiz und in Deutschland liegen definitiv höher. "Das hat einen einfachen Grund: Größe wird bezahlt", so Günther Tengel, Geschäftsführender Gesellschafter der Amrop Jenewein Personalberatung und Executive Search. "Firmen in der Schweiz und in Deutschland sind oft fünf bis zehn Mal größer als bei uns. Damit steigt die Verantwortung der Manager und vor allem der Leverage: mit Größe kann man viel bewirken", sagt Tengel.

Zwar gibt es auch in Österreich Ausreißer nach oben hin – viel beachtet ist etwa Erste-Group-Chef Andreas Treichls Salär von rund 2,8 Millionen Euro oder die Gagen von OMV-Boss Rainer Seele, Post-Chef Georg Pölzl oder voestalpine-Vorstand Wolfgang Eder, die alle jeweils rund zwei Millionen Euro Gehalt beziehen. Das Gros der obersten und zweiten Managementebene bekommt allerdings weit weniger Gehalt, zeigt die aktuelle Studie des Wirtschaftsforums der Führungskräfte (WdF), die heuer zum 36. Mal durchgeführt wurde. 559 Führungskräfte wurden von Triconsult unter Studienleiter Felix Josef befragt.

WdF-Bundesvorsitzender Gerhard Zeiner kommentiert die diese Woche veröffentlichte Studie so: "Die Ergebnisse sind ernüchternd. Bei den Managergehältern geht nichts weiter: Im neunten Jahr in Folge stagnierten die Werte auch im vergangenen Jahr." Während die fixen Grundgehälter von 2015 auf 2016 leicht zugelegt haben, schrumpfte der variable Gehaltsanteil, also die Erfolgsprämien und Boni. Manager der zweiten Ebene seien nach Kaufkraft (also inflationsbereinigt) überhaupt nur dort, wo sie vor 35 Jahren standen. Studienautor Felix Josef: "Es ist ein Trauerspiel. Auf der zweiten Führungsebene hat sich seit 1982 in der Kaufkraft nichts verändert."

Im Detail heißt das:

Das Jahres-Gesamteinkommen der Chefs (erste Führungsebene) lag 2016 bei durchschnittlich 196.900 Euro brutto (2015: 197.300 Euro brutto), wovon 39.900 Euro auf den erfolgsabhängigen Teil fallen. Auf der zweiten Managementebene gab es ein Jahressalär von im Schnitt 126.000 Euro brutto (2015: 113.400 Euro brutto), 19.100 Euro davon erfolgsabhängig. Die Untersuchung der dritten und vierten Führungsebene wurde von den Studienautoren übrigens vor ein paar Jahren eingestellt. "Diese Ebenen gibt es de facto nicht mehr", sagt Studienautor Josef. Nach und nach wurde das Management in den Jahren ausgedünnt. Die Verantwortung und die Arbeitslast der zweiten Management-Ebene hätte sich deshalb massiv erhöht – ihr Gehalt nicht. "Ausdünnen, ausdünnen, ausdünnen – das spüren wir jeden Tag", sagt Günther Tengel. Das habe zu Beginn einer Restrukturierungs-Phase eine Berechtigung, drehe sich aber irgendwann ins Gegenteil. "Die Leute brennen unter der hohen Last aus. Sie haben zu viele Verantwortungen, die sich teilweise sogar widersprechen." Mit diesen Mehrverantwortungen (für zusätzliche Bereiche, zusätzliche Länder) sei auch die erhöhte Reisetätigkeit der Manager – 61 Tage bei Managern der ersten Ebene – zu erklären.
Für Tengel hat die allgemeine Stagnation der Gehälter der vergangenen Jahre "eine völlige Logik." Es gebe ein Leben vor und nach Lehman. Das Thema Risiko sei ab 2009 massiv in allen Branchen vorhanden. Österreichs Wirtschaft spüre das mit seiner starken Ost-Komponente ganz besonders. Tengel: "Fast alle Unternehmen haben seither ihr Management umbesetzt. Heute sind Manager an der Spitze, die Bilanzen bereinigen, Ebenen streichen, Kosten reduzieren, zentralisieren, regionalisieren und clustern". Das sei reines Umsetzen (Execution) und das werde viel geringer bezahlt als visionäres, strategisches Führen.

Und die Frauen?

Ihr Durchschnittsbezug im Management ging 2016 nach unten, von 164.500 Euro brutto auf 141.000 Euro. Erklärbar ist das durch den Ausfall zweier gut verdienender Vorstandsdirektorinnen im vergangenen Jahr. Dass Frauen in Führungspositionen auffallend weniger verdienen als Männer, führt das WdF auf ihre Positionen und Lebensläufe zurück. Die Studie zeigt: wer viel verdient, hat ein technisches oder wirtschaftliches Studium, ist in höherem Alter und kann eine durchgehende Erfolgsbilanz vorweisen, hat in der Karriere mehrmals die Firma gewechselt und ist in einem ausländischen Privatunternehmen tätig (laut Statistik verdient die erste Ebene dort im Schnitt 210.200 Euro brutto im Jahr).

"Diese Kriterien erfüllen Frauen oft nicht", sagt Zeiner. Sie sind oft Juristinnen, im Marketing oder Personalbereich, arbeiten oft in kleineren Firmen, wo auch Männer nicht so viel verdienen." Auch würden Männer häufiger die Firma wechseln – das wirkt gehaltssteigernd –, Frauen hingegen entwickeln sich eher innerhalb eines Unternehmens – das wirkt gehaltsdämpfend. Zeiner betont: "Es gibt keinen Vertrag, der Frauen benachteiligt. Aber es gibt eine Bandbreite des Gehalts, die von Männern viel besser ausgenützt wird."

Die relative Nicht-Veränderung der Managergehälter ist für Zeiner "keine positive Entwicklung". In Österreich fehle der Impuls, die Vorwärtsbewegung, die Begeisterung in der Wirtschaft. Es geht nichts weiter – auf allen Ebenen.