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Wirtschaft Karriere
10/19/2020

Detox für die Wunderwuzzis

Reduktion gibt Raum für mehr Erfolg – Reduktion passt aber selten zu Macht und Ego. Wie Fasten auch in der Chefetage zu neuer Klarheit und mehr Energie führen kann.

von Diana Dauer

"Führungskräfte müssen heute Wunderwuzzis sein“, sagt Helga Pattart-Drexler, Head of Executive Education der WU Executive Academy. Sie müssen hohen Einsatz zeigen, Verantwortung für fast alles Übernehmen und „noch und nöcher Kompetenzen vorweisen. Wenn man selber ein Team anführt, merkt man: Wenn es dabei bleibt, dass der Tag 24 Stunden hat, geht sich das alles nicht mehr aus“, beschreibt Pattart-Drexler aus eigener Erfahrung.

Was bei all dem Stress auf der Strecke bleibt, ist der Mensch selbst. "Wer sich selbst nicht spürt, kann sein Team nicht spüren und nicht führen“, erklärt Nathalie Karré, Führungskräftecoach und Co-Autorin von "Der Jungbrunnen-Effekt“.

Pattart-Drexler und Karré haben sich zusammen getan und wollen mit ihren Erkenntnissen Führungskräften zeigen, wie sie für sich und ihr Team bessere, gesündere Dynamiken schaffen können.

Man muss lernen zu verzichten. "Wenn Verzicht geleistet wird, entsteht Raum. Wenn ich weniger esse und meditiere, stärke ich meinen Geist und meinen Körper. Das ist eigentlich paradox aber es gibt den Menschen Klarheit“, so Karré.

Das ließe sich sowohl auf Körper als auch auf die Führungskultur anwenden. Es gebe Themen, die müssten nicht durch Führungskräfte abgedeckt werden. "Schon beim Abgeben von Aufgaben entsteht Entlastung“, weiß Pattart-Drexler.

Das Weniger schaffe Raum für mehr Leistung, mehr Energie, so die zwei Expertinnen im KURIER-Gespräch. Man solle, wie für seinen Körper auf zu viel Essen, auch im Beruf auf zu viele Aufgaben verzichten.

"Nur wer sich selbst gut führt, kann auch andere führen“, erklärt Karré. Denn Führung ernst zu nehmen, bedeute Personalentwicklung ernst zu nehmen, den Mitarbeitern Chancen zu geben und sich selbst zurückzunehmen.

Auf Führungskompetenzen umgemünzt, raten die Expertinnen Führungskräften auf Teile der Macht und Kontrolle zu verzichten. "Oder praktisch: Man verzichtet auf die Bühne und übergibt sie einem Mitarbeiter, etwa bei einer Präsentation und gibt ihm dadurch eine Chance“, erklärt Pattart-Drexler.

Fasten für unternehmerischen Erfolg also. Aber wie kann das praktisch funktionieren?

"Man muss Energiefresser beseitigen. In Unternehmen werden häufig Projekte oder Routinen aus Tradition aufrechterhalten, von denen alle wissen, dass sie tot sind. Aber sie passieren weiter, weil niemand den Mut hat, zu sagen, dass es unnötig ist“, so Pattart-Drexler. "Führungskräfte müssen ihr Team ermutigen, Energiefresser anzusprechen, indem sie es vorleben und bestärken“, erklärt Führungskraftcoach Karré.

Allerdings sind Macht und Ego in Führungsriegen bekannte Accessoires. Führungskräfte neigen dazu, so Pattart-Drexler, Aufgaben und Kontrolle nicht abtreten zu wollen, aus Angst, ihre Macht zu verlieren. Obwohl sie sich damit entlasten und gleichzeitig Mitarbeiter bei deren Entwicklung unterstützen würden.

"Eine Organisation, die an Macht, an starren hierarchischen Strukturen, an organisationalem Eigenleben festhält, wird dumm und ineffizient“, so Karré weiter: "Es muss über die Organisationskultur selbst gesprochen werden können, Ineffizienz muss angesprochen werden. Diesen Raum müssen Chefs schaffen.“ Und: "Führungskräfte sollten Konflikte an die Mitarbeiter zurückspielen und sich aus der Konfliktlöserrolle herausnehmen. Auch so schaffen sie sich mehr Raum.“ Auch das ist Teil des reinigenden Verzichts, ergänzt Pattart-Drexler.

Richtige Unternehmenskultur ist der Schlüssel. "Chefs sollten Mitarbeitern mehr Vertrauen entgegenbringen. Vertrauen ist der Grundstein und die Basis für alles. Wenn das fehlt, hat das Unternehmen weit größere Probleme“, weiß Nathalie Karré.

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