Fischrestaurant Umar

© gilbert novy

Karrierewege
02/22/2013

Der Fischer vom Naschmarkt

Erkan Umar kam mit 18 nach Österreich, nie an die Uni, aber zufällig ins Fischgeschäft

von Sandra Baierl

Händeschütteln. „Willkommen, nehmen Sie Platz, bitte.“

Begrüßungskuss links-rechts. „Schön, dass du da bist.“

Schulterklopfen. „Kommen Sie rein, der Herr.“

Herzliches Lachen. „Zwei Gläser Champagner für die Damen draußen am Tisch.“

Den roten Knurrhahn, „ein super Fisch“, in der Hand: „Sie haben nicht reserviert? Macht nix, mach’ ma schon, wir finden immer einen Platz.“

Erkan Umar dirigiert, scherzt, lacht und ist durch und durch Wirt. Jeden Gast begrüßt er selbst und als zum Mittagstermin auch noch der Bundespräsident (Fischer) samt Ehefrau bei der Tür hereinkommt, ist sein Tag gemacht: „Sehen Sie, das ist Erfolg für mich. Ich bin nicht reich, aber wenn mein Restaurant gut besucht ist, eine neue Fischlieferung in der Vitrine liegt und ich mit meinen Mitarbeitern Schmäh machen kann, bin ich glücklich.“ Egal, ob mit oder ohne präsidialer Gefolgschaft: Jeder Gast im kleinen Fischrestaurant am Naschmarkt spürt den quirligen Geist des Inhabers, erlebt die wienerisch-türkische Melange aus Witz, mediterranem Flair und überbordender Gastlichkeit.

Ahnungslos ...

Dabei wurde Erkan Umar das Wirtsgen nicht in Wiege gelegt. Und auch von Fisch hatte er keine Ahnung (Zitat: „Ich konnte nicht einmal einen Lachs erkennen.“). Er ist als Kind eines Gastarbeiters mit 18 Jahren seinem Vater von Istanbul nach Österreich gefolgt. Der Senior, in Ternitz in einer Fabrik arbeitend, wollte, dass der Bub hier studiert – daraus wurde nie etwas, von der Uni war er zu wenig angezogen. Erkan Umar machte stattdessen alle Jobs, die er kriegen konnte: Fabrikarbeiter, Zimmermann, Autowäscher, Tankwart und „bei Semperit habe ich jahrelang Latexhandschuhe auf ihre Dichtheit überprüft“ – dieser Job amüsiert ihn heute noch immens. Zufällig entdeckte er das leer stehende Geschäft am Wiener Naschmarkt, investierte alles, was er an Erlösen aus den Verkäufen seiner Besitztümer in der Türkei hatte und eröffnete 1996: Umar, Fischgeschäft, Naschmarkt 76. Das Wissen über Fisch eignete sich der Autodidakt langsam an, den Tipp des Geschäftsnachbarn beherzigt er bis heute konsequent: „Verkauf nur beste Qualität, schmeiß lieber weg, was diesem Anspruch nicht entspricht.“

... und ohne Geld

Die Strategie funktionierte, das Fischgeschäft lief gut, 2004 kam das Restaurant dazu, Erkan Umars Traum, sein zweites Wohnzimmer, in dem der Menschenfreund seine Gäste kulinarisch umsorgen kann. „Zum Glück hatte ich kein Geld, als ich das Restaurant übernommen habe. So ist es vom Stil her sehr einfach und bodenständig geblieben. Die Gäste mögen das“, sagt er.

Zwölf Mitarbeiter in Geschäft und Restaurant hat er mittlerweile, die Jus studierende Tochter und seine Ex-Frau sind auch darunter. Das familiäre Element blitzt durch, wenn der Chef mit Stolz von seiner Tochter erzählt. Und auch, wenn er den kroatischen Küchenchef vorstellt: Er sei das Herzstück des Restaurants, arbeite sechs Tage die Woche durch, mittags und abends, und er kann – das sei besonders schwierig und nicht leicht zu finden – Fisch so braten, dass er saftig bleibt. Das Profil seiner Kellner ist ein anderes: „Sie müssen Schmäh haben und sind multikulti“, erklärt Umar. Es fällt auf, dass er sich nicht als Chef aufspielen muss. Auch dann nicht, wenn er anleitet und bestellt und auffordert und führungsstark ist – Umar bleibt freundschaftlich, zündet sich eine Zigarette an und genießt, wie der Laden läuft. Und er gibt: seine Fröhlichkeit, ein Glas aufs Haus, eine Kostprobe hier, einen Scherz da. „Was man gibt, kommt doppelt zurück“, weiß er sicher.

Indes hat der Bundespräsident sein Mittagessen beendet, für ein gemeinsames Foto muss man ihn, den Wirt, überreden. „Ich lasse mich nie mit Prominenten abbilden, nicht meine Art“, sagt Umar. Und tatsächlich hängt im gesamten Restaurant kein einziges Promi-Bild. Auch so ein Erfolgsgeheimnis.

Stationen

Erkan Umar wurde 1962 in Istanbul geboren, ging dort bis zum 18. Lebensjahr in die Handelsakademie. Sein Vater war zu dieser Zeit Gastarbeiter in TernitzErkan Umar übersiedelte nach Österreich, um an der Wirtschaftsuni zu studieren. Was nie geschah.
Jobs Stattdessen schlug sich Umar mit Gelegenheitsjob durch, war Fabrikarbeiter, Zimmermann, Autowäscher, Tankwart und hat bei Semperit Latexhandschuhe auf ihre Dichtheit geprüft.

Nach Wien
In Wien übernahm er 1996 – zufällig – ein Fischgeschäft am Naschmarkt. 2004 kam das Restaurant dazu.

Aktuelles in Zahlen

12 Mitarbeiterbeschäftigt das Umar, sie kommen aus unterschiedlichen Ländern, müssen alle lustig sein. 6 Tage/Woche hat das Umar geöffnet, so sieht das die Marktordnung vor.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.