Wirtschaft | Karriere
11.12.2014

Das Theater um die Frauenquote

Intendantin Barbara Klein stellt lieber Frauen ein als Männer. Mit Nachspiel: Sie wurde dafür geehrt.

Im KosmosTheater in Wien sitzt ein Mann an der Kassa. Ungewöhnlicher ist: Er ist der einzige männliche Mitarbeiter im Haus. Intendantin Barbara Klein stellt bei gleicher Qualifikation nämlich "lieber die Frau ein". Weil Männer in der Arbeitswelt meist bevorzugt würden. Für ihr Engagement um Frauenthemen wurde sie vergangene Woche mit dem Goldenen Ehrenzeichen für die Verdienste um die Republik Österreich geehrt.

KURIER: Nur ein Viertel der Goldenen Ehrenzeichen geht an Frauen. Bewegen Frauen in der Gesellschaft zu wenig?

Barbara Klein: Um zu gewinnen, muss man einreichen – ich denke, es reichen schlicht zu wenige Frauen ein. Es ist gut und wichtig, dass Frauen Auszeichnungen bekommen. Aber Auszeichnungen sind schnell vergessen und natürlich nicht Kern der Sache. Die Anerkennung für Frauen bleibt grundsätzlich oft zu gering.

Was bedeutet Ihnen diese Auszeichnung?

Es ist eine angenehme Streicheleinheit. Es ist schön, einen Tag lang gefeiert zu werden. Aber dann arbeiten wir wieder weiter.

Sie haben das Ehrenzeichen auch für Ihr Durchsetzungsvermögen erhalten. Wann mussten Sie sich als Frau das letzte Mal durchsetzen?

Ich setze mich permanent durch. Als 1998 die Idee zu einem Frauentheater entstand, wurde mir von Kunstbeamten entgegengebrüllt: "Kunst ist geschlechtslos!" Man sieht auch heute noch: es gibt kaum Dirigentinnen, Komponistinnen, Operndirektorinnen. Das hat mir gezeigt, dass Frauen in Kunst und Kultur nicht nur als Ausübende diskriminiert werden, sondern dass ihnen auch zahlreiche Themen vorenthalten werden – obwohl sie im Publikum immer die Mehrheit stellen. Überall wird uns nur die Männerwelt vorgeführt. Und wir applaudieren auch noch. Das hat mich krank gemacht.

Was hat sich seitdem am Bild der Frau geändert?

Es hat sich ein bisserl was getan. Bei der Regie etwa – hier hat die Feminisierung stattgefunden: Frauen kommen in einen Beruf hinein, verbilligen das Salär – und werden deshalb zugelassen. In den großen Häusern ändert sich sehr wenig, dort kann man sich Männer leisten. Aber in der Szene, also auf kleineren Bühnen, hat es sich verbessert. Bei 50:50 sind wir aber noch lange nicht.

Wie fördern Sie in Ihrem Theater Frauenkarrieren?

Im Leitungsteam einer Produktion sitzt immer zumindest eine Frau, meist sind es mehrere. Bei den eigenen Mitarbeitern haben wir nur einen Mann, der Rest sind Frauen.

In Deutschland wurde vergangene Woche die gesetzliche Frauenquote beschlossen. Sind Sie für eine Quote in Österreich?

Selbstverständlich. Derzeit haben wir eine Männerquote. Wir haben so viele unqualifizierte Männer in Positionen sitzen, die ihnen nicht zustehen. Höchste Zeit, nicht nur eine Frauenquote einzuführen, sondern diese Männerquote abzuschaffen.

Es gibt Stimmen, die sagen, dann kämen unqualifizierte Frauen an die Spitze.

Die Männer, die nicht qualifiziert sind, sind schon dort. Frauen kommen ja nicht nur aufgrund ihres Geschlechts in diese Positionen, sie sind ja nicht minderqualifiziert. Qualifikation spielt auch bei der Auswahl für Posten mit Quote die oberste Rolle. Wenn wir hier im Theater eine Garderoben-Position ausschreiben, bewerben sich 80 Magistrae. Diese Frauen sind hoch- und überqualifiziert. Warum soll das im Unternehmen nicht genauso funktionieren?

Laut einer aktuellen Studie von Personalberater Hays halten heimische Manager wenig von einer Frauenquote.

Eine schwedische Studie hat untersucht, wie viel Prozent Frauen es in Konzernen auf einer Hierarchieebene braucht, damit sie solidarisch andere Frauen miteinbeziehen. Herausgekommen sind 30 Prozent. Einzelne Frauen an der Spitze müssen sich dem männlichen Führungsstil und den Gegebenheiten, die sie vorfinden, anpassen. Es braucht 30 Prozent von ihnen, um sich stark genug zu fühlen, Änderungen zu bewirken.

Mit welchen Eigenschaften führen Sie?

Ich bin nicht rüde oder dominant. Ich treffe Entscheidungen selten allein. Ich würde mich nicht wohlfühlen, wenn ich nur laut kommandiere und alle anderen kuschen.

Unbeugsame Frauenrechtlerin

Barbara Klein, 60, engagiert sich seit über 30 Jahren für das Thema Frau in Kunst und Kultur. Nach ihrem Studium am Max Reinhardt-Seminar spielt sie Theater und in Fernsehfilmen mit, ist Autorin und führt auch Regie. 1984 gründet sie mit Schauspielerin Krista Schweiggl die feministische Kabarettgruppe Chin & Chilla. Von 1992 bis 1996 leitet sie das Kabarett Niedermair. Sie ist Mitinitiatorin des „Unabhängigen Frauenforums UFF“ und des „LINK* Verein für weiblichen Spielraum“. 1998 gründet sie „kosmos.frauenraum“ – das heutige KosmosTheater. Ihr Ziel: Frauen vor der Vorhang holen und fördern.