Nico Prugger, CEO von Eloop, teilt beruflich E-Autos in Wien und leiht sich auch privat aus, was er nur kurzfristig braucht.

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Wirtschaft Karriere
07/08/2019

Das leih ich mir: Warum wir immer öfter aufs Kaufen verzichten

Autos leihen, Kleidung tauschen, Gärten gemeinsam nutzen: Wie die "Sharing Economy" Gesellschaft und Wirtschaft verändert.

von Magdalena Vachova

Der junge Mann bremst an der Ecke, steigt vom E-Tretroller ab und lässt ihn auf den Gehsteig fallen. Dumpf schlägt das Gerät auf dem Asphalt auf. Vorbeikommende Menschen steigen unaufgeregt drüber. Am nächsten Morgen liegt der Roller immer noch dort.

E-Tretroller zum Ausleihen sind aus dem Stadtbild nicht mehr wegzudenken. Wie Unkraut sprießen sie auf den Gassen, sechs Anbieter gibt es allein in Wien bereits. Man borgt sie aus – ein paar Euro für ein paar Minuten. Aber nicht nur Roller, auch Fahrräder, Mopeds und Autos holt man sich bei Bedarf.

Von Kinderspielsachen über Hühner, Wasch- und Bohrmaschinen, Musik, bis hin zu Wohnungen, Büros und Gärten – die Zahl der vifen Teil- und Leihmodelle, die bieten, was man nur temporär braucht, wächst.

Was steckt dahinter?

Zusammengefasst werden diese Geschäftsmodelle unter dem Begriff Sharing Economy. Genau eingrenzen lässt sich der aber nicht. „Er wird für Dienstleistungsplattformen, Vermietungsplattformen, für nicht-monetäre Weitergabeplattformen von Haushaltsgegenständen oder Lebensmitteln wie auch für andere Projekte und Geschäftsmodelle verwendet“, heißt es im „Branchenreport Sharing Economy“ der Arbeiterkammer Wien (AK Wien). So weit, so undurchsichtig.

Es wird noch komplizierter: Man kann Güter und Dienstleistungen teilen, Privatpersonen und Unternehmen können Anbieter und Abnehmer sein. Und: Viele Anbieter teilen nicht, sie vermieten oder verkaufen auch. Was also ist der Sharing-Trend?

Bücher: Ja. Zahnbürste: Nein

Experten konnten sich bislang darauf einigen: Die Bewegung ist aus einem kollektiven Bedürfnis der Bevölkerung heraus entstanden. „Das hat sich nicht einer allein im Hinterzimmer ausgedacht, dieser Trend kommt aus der Gesellschaft heraus“, sagt Dieter Bögenhold, Vorstand des Instituts für Soziologie an der Uni Klagenfurt (lesen Sie ein ausführliches Interview mit ihm weiter unten).