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Wirtschaft Karriere
10/03/2020

Corona-Narben: Gehet hin und bildet euch

Die Lage für Junge am Ausbildungs- und Arbeitsmarkt ist, gelinde gesagt, schwierig. Was bringt die Gegenwart und Zukunft

von Diana Dauer, Josef Schmidt

Die "Generation Corona“ hat es schwer. Jene 15- bis 24-Jährigen, die jetzt „den Einstieg in den Lehrstellen- oder Arbeitsmarkt wagen wollen, stehen vor teilweise verstopften Pforten“, erklärt Helmut Mahringer, Ökonom des Wirtschaftsforschungsinstituts (WIFO) im KURIER-Gespräch.

Viele Jugendliche haben durch die Corona-Krise ihren Arbeitsplatz oder ihre Lehrstelle verloren. "Wenn ein Unternehmen Personal abbauen muss, werden eher junge Leute entlassen, als Dienstältere“, weiß Eva Auer, Statistikerin beim Arbeitsmarktservice (AMS). Sie haben es aufgrund ihrer mangelnden Berufserfahrung besonders schwer, eine neue Stelle zu finden.

Im März und April gab es 30.000 weniger Jobs für junge Menschen als im Vorjahr. Noch im August waren es 15.000. Insgesamt waren im September 61.097 Jugendliche (unter 25 Jahren) entweder arbeitslos (35.612), in Schulung (25.485) oder auf Lehrstellensuche (8.406).

Lehrstellenmarkt erlebt Aufwind ... in Zahlen

Der Lehrstellenmarkt hat sich seit März erholt. Auf 8.805 sofort verfügbare Lehrstellen kommen 8.406 Suchende. Es gibt also rein statistisch gesehen mehr offene Lehrstellen als Suchende.

Auffällig ist allerdings, dass im April 2019 deutlich mehr Lehrstellensuchende beim AMS gemeldet waren als im April 2020. Auer vom AMS: "Man geht davon aus, dass die Lehrstellensuchenden im April durch die steigenden Arbeitslosenzahlen, die Kurzarbeit und die wirtschaftliche Situation entmutigt wurden und sich daher gar nicht erst als Suchende bei uns melden.“

Beinahe drei Viertel aller arbeitslosen Personen verfügen maximal über einen Lehrabschluss. 43,2 Prozent davon haben nur einen Pflichtschulabschluss, heißt es vom AMS. "Wobei Menschen mit Lehrabschluss bei der Jobsuche klar im Vorteil sind. Fast die Hälfte der gemeldeten offenen Stellen suchen nach diesen Qualifikationen.“Etwas Positives hat es: Durch Krisen am Arbeitsmarkt, zuletzt 2008/09, tendieren Menschen dazu, ihre Ausbildungszeit zu verlängern, sich mittels weiterer Ausbildung höher zu qualifizieren.

höhere Bildung, höhere Chancen

"Wir haben heute eine höher qualifizierte Gesellschaft als noch vor 30 Jahren, der Pflichtschulanteil ist heute geringer“, so Auer. Naturgemäß haben höher ausgebildete Menschen bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Zusätzlich würden viele niederqualifizierte Jobs an Bedeutung verlieren. "Nur mit einer Matura, ohne fachliche Ausbildung wird es künftig nicht leichter“, prognostiziert der Ökonom Mahringer.

Zu wenige Arbeitsplätze

Aber: "Selbst wenn alle Jugendlichen eine akademische Ausbildung hätten, geht sich das nicht aus “, erklärt Dennis Tamesberger, Arbeitsmarktexperte von der Arbeiterkammer Oberösterreich (AKOÖ). Auf eine Stelle kämen fünf Jobsuchende. "Das zentrale Problem ist nicht die geringe Bildung der Jugendlichen. Das würde den arbeitslosen Jugendlichen selbst Schuld an ihrer misslichen Lage geben. Das ist falsch. Das zentrale Problem ist die Knappheit an Arbeitsplätzen“, sagt Tamesberger. Das spüren Jugendliche.

Laut einer Untersuchung der Jugendkulturforschung würden 80 Prozent der befragten 14- bis 18-Jährigen sich Sorgen, ihren Job zu verlieren oder keinen zu finden. Die Arbeitslosigkeit kann gefährlich sein, erklärt Tamesberger. Wenn Junge zu lange vom Bildungs- und Arbeitsmarkt fernbleiben, riskieren sie Scarring-Effkete. "Diese Narben haben Auswirkungen auf das zukünftige Einkommen, auf den psychischen Zustand und sogar auf den Gesundheitszustand“, sagt Tamesberger – auch viele Jahrzehnte später seien die Folgen für Gesundheit und Einkommen sichtbar.

Erholung nicht vor 2022

Die missliche Lage für Junge ist deutlich, Tamesberger fordert daher von der Politik schnell zu handeln, um die Narben an den 15- bis 24-Jährigen gering zu halten. Laut WIFO-Ökonom Mahringer wird sich der Markt nur langsam erholen. "Es wird zumindest bis 2022 dauern. Zudem kann Arbeitslosigkeit durch eine steigende Zahl Langzeitarbeitsloser verfestigen.“

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