Politik | Inland
01.12.2017

Lehrer bewerten? Für Uni-Lehrer sind Noten längst Alltag

An Hochschulen entscheidet auch Studenten-Feedback über Karriere der Professoren.

Sollen Österreichs Pädagogen nach ihrer Leistung bezahlt werden? Und wie soll die Leistung eigentlich bewertet werden?

Am Dienstag haben die Koalitionsverhandler von Türkis und Blau ihre Konzept für eine Umgestaltung des Bildungsbereichs vorgestellt. Darin heißt es: "Leistungs- und Output-orientierte Gestaltung der Besoldungssystematik in allen Schultypen", aber auch die "flächendeckende Einführung eines anonymisierten 360°-Feedbacks durch Schüler an Lehrer als Basis für Mitarbeitergespräche". Und wesentlich ist zudem, dass eine "klare Regelungen für die Anstellung, Bewertung (mit klaren Konsequenzen und Verpflichtungen) und Kündigung von Lehrerinnen und Lehrern" vorgesehen ist.

Lehrergewerkschafter Paul Kimberger nennt das, wie im KURIER berichtet, eine "populistischen Ansage", und verlangt, man möge ihm erst einmal die Kriterien vorlegen, die zur Beurteilung der Leistung herangezogen werden sollen.

ÖVP-Bildungsverhandler Andreas Salcher hat das Konzept vehement verteidigt – in allen Unternehmen sei ein Feedback-System für die Mitarbeiter an den Vorgesetzten üblich, also müsse das auch im Schulbereich machbar sein. "Grundsätzlich geht es darum, dass Schüler anonymisiert Feedback an ihre Lehrer geben. Die Ergebnisse sieht nur der betroffene Lehrer und der Direktor", erklärt Salcher. An einigen Schulen werde das bereits praktiziert.

Standardmäßig gibt es so ein Feedback für Vorgesetzte im Bildungsbereich längst – an den Universitäten. Seit rund 15 Jahren werden etwa an der Uni Wien elektronische Fragebögen ausgegeben, die die Studenten anonym ausfüllen. "Das hat vor allem einmal den Sinn, den Professoren eine Rückmeldung zu geben. Das hilft den Lehrenden enorm, um zu sehen, wo sie sich weiterentwickeln können, was besonders gut angekommen ist und wo es Probleme gibt", erklärt Christa Schnabl, Vizerektorin für Studium und Lehre an der Uni Wien.

Nur ein kleiner Teil der zumeist 25 Fragethemen ist standardisiert vorgegeben, ein Teil der Fragen wird von den Studierenden mit Schulnoten bewertet, erklärt die Vizerektorin. Der Großteil der Fragen werden von den Chefs der jeweiligen Studienrichtung vorgegeben und der Lehrveranstaltung angepasst. Platz ist aber auch für offene Fragen, wo die Studenten mit eigenen Worten ein zusätzliches Urteil abgeben können.

Eine konstant gute Bewertung hilft der Uni-Karriere, sagt Schnabl. Und natürlich kann es auch Konsequenzen geben, erklärt die Vizerektorin: "Wenn wir über einen längeren Zeitraum immer nur schlechte Bewertungen rückgemeldet bekommen, wird der Leiter der Studienrichtung zuerst einmal das Gespräch mit dem Vortragenden suchen, um zu sehen, warum die Probleme auftreten. Da kann eine Konsequenz sein, dass sich die Lehrenden weiterbilden müssen." Wird über einen längeren Zeitraum keine Verbesserung registriert, ist das vor allem ein Problem für die weiteren Karrieremöglichkeiten. Es sei aber auch schon vorgekommen, dass man sich von Lehrenden, sofern dies vertraglich möglich ist, deshalb wieder trennt.

Keine Revanche

Insgesamt würden die Vorlesungen gute Noten von den Studenten bekommen. "Wenn die Benotung aber über 2,4 bis 2,5 liegt, ist es für uns auffällig schlecht", sagt die Vizerektorin.

Eine Revanche der Studenten, also eine absichtlich schlechte Beurteilung für "strenge" Professoren, sei ihr bislang nicht aufgefallen.

Ob sich dieses System auch für die Schule eignet? Grundsätzlich schon, sagt Schnabl. "Jede Institution sollte sich für ihre eigenen Ziele und Zwecke Evaluierungsinstrumente schaffen – auch die Schule."