Wirtschaft | Karriere
06.04.2017

Bewerbung: Fehlerfrei bis ins Detail

Ein fehlerhaftes Anschreiben, ein chaotischer Lebenslauf, ein Selfie als Bewerbungsbild und Anekdoten über Streits mit früheren Chefs: Wer einen Job bekommen will, erfährt hier, wie man es besser macht.

Wer sich in einem Unternehmen vorstellt, will von sich überzeugen. Dennoch passieren gewisse Fehler im Bewerbungsprozess besonders häufig und mindern die Chancen, den begehrten Job zu bekommen. Viele davon wären schon durch etwas mehr Genauigkeit vermeidbar. Dabei muss niemand aalglatt auftreten und rundum perfekt wirken – im Gegenteil, Personalisten wünschen sich sogar eine individuelle Handschrift. Auch so manchen Makel verzeihen sie gerne. Voraussetzung: Der Kandidat geht richtig damit um und überzeugt im Ganzen.

Fehlerfrei bis ins Detail

Vorgefertigte Mustertexte, die vielleicht sogar mehr als eine Seite umfassen, Rechtschreibfehler und ein Betreff, der sich nicht auf die ausgeschriebene Stelle bezieht. Oder: Eine Kontaktperson, sofern sie im Jobinserat angegeben wurde, wird nicht persönlich angesprochen oder ihr Name oder Firmenname wird falsch geschrieben. All das sind Fehler, die in Anschreiben immer wieder passieren, aber – wenig überraschend – nicht gut ankommen. Ebenso wenig sollten Interessenten aber gänzlich auf ein Bewerbungsschreiben verzichten, sagt Jasmin Chwatal, Leiterin Recruiting & Employer Branding bei REWE International AG. Punkten kann, wer sich in einem Motivationsschreiben durch Fachkompetenz und Individualität abhebt. Also derjenige, der erläutert, warum er sich gerade für dieses Unternehmen und diese Stelle interessiert, Kernkompetenzen mit dem Inserat abstimmt, diese gut darstellt und den Mehrwert für die Firma deutlich macht.

Präzise formulierter Lebenslauf

Keinesfalls darf in der Bewerbungsmappe der Lebenslauf fehlen. Er ist das entscheidende Dokument und sollte auf höchstens zwei Seiten systematisch, übersichtlich und schnell erfassbar aufgebaut sowie präzise formuliert sein. Gut ist es außerdem, den aktuellsten Job ganz oben zu reihen, also in umgekehrter Chronologie aufzulisten und eine persönliche Note erkennen zu lassen. Etwas ausgefallener und kreativer darf es auch sein, etwa im Marketing oder in der Werbung.Profifoto statt Selfie Ein Schnappschuss aus dem Urlaub, von der letzten Party oder gar ein Selfie als Bewerbungsfoto? Das mindert die Chancen eines Bewerbers, zu einem Gespräch eingeladen zu werden. Das ideale Bild kommt vom Profi, ist ein klassisches Porträt und aktuell. Auf allzu stark gemusterte Kleidung sollte man beim Foto-Termin besser verzichten. Ein Tipp: Auf vielen Karrieremessen werden professionelle Bewerbungsshootings angeboten.

Pünktlichkeit ist ein Muss

Wer zu spät kommt, hinterlässt einen denkbar schlechten Eindruck. Daher sollten Bewerber immer einen Zeitpuffer einplanen. Sollten dennoch alle Stricke reißen, unbedingt anrufen und sich vorab entschuldigen. Entgegen mancher Annahmen gilt es aber als genauso unhöflich, früher als zehn Minuten vor dem Termin zu erscheinen. In diesem Fall sollte der Kandidat lieber im Auto warten oder noch auf einen Kaffee gehen.

Transparent sein

Ehrlichkeit zahlt sich aus. Wer aber abfällig über ehemalige Chefs oder Kollegen redet, hat schlechte Karten. Zwar rät Chwatal schon dazu, Gründe für eine Selbstkündigung im persönlichen Gespräch zu erklären, jedoch eher dahingehend, dass es unterschiedliche Auffassungen gab. Etwaige Lücken im Lebenslauf sollten Bewerber bereits im Anschreiben kurz erklären und die Gründe im Bewerbungsgespräch ausführlicher und überzeugend darlegen. "Die Entscheidung für eine private Auszeit oder eine Weltreise wird jeder Personalist nachvollziehen können. Diese Zeitspanne sollte im Lebenslauf auch transparent gemacht werden", sagt Chwatal. - Sabine Karrer