Sechs männliche
Bewerber und zwei weibliche stellten sich in der „Karriere Küche“ einem besonderen
Bewerbungsprozess. Das Ziel: Arbeitgeber überzeugen, in die nächste Runde eingeladen werden.

© /Karriere Küche

Karriere Küche
11/30/2015

Bewerbung all’arrabbiata

Acht Absolventen, vier Chefs, ein Ziel: Beim gemeinsamen Kochen überzeugen – und den Job kriegen.

von Magdalena Vachova

Das Bewerbungsgespräch beginnt. Es ist von 17 Uhr bis 21 angesetzt. Vier Stunden lang sollen sich je zwei Vertreter von Hofer und PHH Rechtsanwälte mit ihren Job-Kandidaten beschäftigen. Ein ungewöhnlich langes Bewerbungsgespräch. "Ist eh genug Wein da?", fragt Bernhard Haider, Stockerau-Geschäftsführer bei Hofer, in die Bewerber-Runde am Tisch. Erlösende Lacher – es scheint, Wein hätten jetzt alle nötig.

Was hier im Kochklub Kühn in Wien passiert, ist ein Recruiting-Prozess all’arrabbiata: In der "Karriere Küche" der Uni Wien (mehr dazu im Kasten) sollen Rechts- und Wirtschaftsabsolventen, die bei den geladenen Unternehmen arbeiten möchten, mit ihren potenziellen Chefs ein Menü zaubern. "Kein leichter, aber ein wahnsinnig spannender Prozess", sagt Business-Coach und "Cook-A-Team"-Gründer Horst Hochmayr, der die "Karriere Küche" mitentwickelt hat und Gastgeber ist.

Wie gut man kochen kann, ist hier Nebensache. Wichtig ist die Chemie, die beim Schälen und Braten zwischen Chef und Bewerber entsteht. Wer hier gut ankommt, kommt für einen der offenen Jobs in Frage. Gleichzeitig machen sich die Firmenvertreter nahbar, verlieren mit schmutziger Schürze und Kochlöffel rasch ihr einschüchterndes Image. "Beim Kochen", sagt Hochmayr, "fallen die Masken".

Zähne zeigen, Bier trinken

Bevor die Messer gewetzt werden, ist zu klären: Welches Team (je ein Chef und zwei Bewerber) bereitet welchen Gang mit welchen Zutaten zu? Eine Frage, deren Beantwortung erste Charakterzüge der Bewerber offen legen soll: Die einen preschen vor, zeigen Zähne und Verhandlungsgeschick. Die anderen arbeiten strukturiert, greifen zum Kochbuch, lassen sich erstmal inspirieren. Man einigt sich schließlich. Es gibt knusprige Grüße aus der Provence, Kürbis im Suppentopf, glückliches Rind und herbstlichen, karamelisierten Fruchtgenuss. Um acht Uhr soll serviert werden. Die ersten Biere zischen, Weingläser klingen.

Fragestunden mit Pfeffer

Es ist 19 Uhr und Chansons erfüllen den Raum. Es wird gewaschen, geschält, gehackt und geschnitten. Coach Hochmayr hatte recht. Noch bevor das Wasser für die Maroni kocht, ist das Eis gebrochen, die Masken sind gefallen. Aus Konkurrenten wurde ein Team, aus potenziellen Arbeitgebern Mitwirkende auf Augenhöhe.

Es beginnt Spaß zu machen. Und zu duften. Rechtsanwältin Annika Wolf plaudert bei Wein offen über Herausforderungen im Job, Wolfgang Huber, Partner bei PHH Rechtsanwälte, belegt Bruschetta und zählt die Benefits auf, Hofer-Trumau-Chef Markus Chaloupka rührt Kürbiscremesuppe und klärt über Aufstiegschancen auf.

Umgekehrt interessiert sie, welche Auslandssemester und Praktika die Absolventen gemacht haben, welche Wünsche sie an ihren Arbeitgeber haben. Man grast ganz behutsam ab: Passen wir zueinander? Hat er oder sie die Kompetenzen, die wir brauchen? UNIPORT-Recruiting Managerin und Projektleiterin der "Karriere Küche" Sandra Schneider fragt auch, was sich keiner traut: "Stimmt es, dass man bei Ihnen 70 Stunden die Woche arbeiten muss? Wie sind die Kleidungsvorschriften? Wie hoch ist der Frauenanteil?"

Es ist kurz vor acht Uhr, der Kochklub Kühn hat jetzt Betriebstemperatur erreicht. Es brodelt und zischt, Öfen und Mixer laufen auch Hochtouren, jeder geht seiner Aufgabe nach. Trotzdem ist gerade einmal die Suppe abgeschmeckt. Man plaudert eben zu viel, kostet trotz Recruiting-Situation die amikalen Gespräche am Herd aus.

Bis das Menü ganz fertig und aufgegessen wird, sollen noch ganze drei Stunden vergehen. Aber das ist hier allen egal. Ums Essen geht es ja irgendwie nur sekundär. Viel wichtiger ist, dass das Konzept des originellen Bewerbens aufgeht. Für einige schaut hier nämlich mehr raus, als ein vier Gänge Menü. Sandra Schneider im Nachhinein: "Einige der Kandidaten wurden bereits zu einer zweiten Gesprächsrunde eingeladen."

Absolventen mit Biss

UNIPORT, das Karriereservice der Universität Wien, hat sich für die Vermittlung von Absolventen ein neues Modell ausgedacht: Sie bringen sie und Unternehmen, die Lust auf neue Methoden des Recruitings haben, in der Küche zusammen. Acht im voraus von UNIPORT ausgewählte Absolventen auf Job-Suche lernten vergangene Woche so je zwei Vertreter Hofer und die PHH Rechtsanwälte kennen. Beide Unternehmen hatten mehrere Stellen zu vergeben, durch das Kochen wollte man die Bewerber in einem Rahmen abseits des Büros kennenlernen. Die nächste „Karriere Küche“ ist für 2016 geplant.

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