Adieu, Kuschelmaus: Unbeliebt, dafür glücklich

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Foto: /alexa kirsch honorarfrei, Diana Dreeßen

Management-Trainerin und Autorin Diana Dreeßen sagt: Wer im Job aneckt und Konflikte nicht scheut, wird erfüllter und kommt im Leben weiter. Wirklich?

Die These eines Ihrer Bücher lautet: Mach dich unbeliebt, dann wirst du glücklich. Schaffen es Unbeliebte wirklich weiter?

Diana Dreeßen: Das "Mach dich unbeliebt" ist eine Botschaft ans eigene Ich. Wir haben in unserem Inneren Grenzen, die uns sagen: "Ich sollte das nicht sagen, das nicht tun, dann bin ich bei den anderen unbeliebt". Natürlich sollten wir nicht schreien, nicht beleidigen, aber sehr wohl in angemessener Art und Weise eigene Bedürfnisse einbringen.

Sie schreiben, 92 Prozent der Angestellten schweigen lieber, als zu sagen, was ihnen am Herzen liegt.

Man schätzt sich selbst nicht so wert, merkt nicht, dass man ein wichtiger Teil des Rades in der Arbeit ist. Man muss seine Anliegen aber nur richtig formulieren. Natürlich wird der Chef nicht immer "Ja", er wird aber auch nicht immer "Nein" sagen.

Das macht Sinn. Trotzdem trauen wir uns das oft nicht.

Weil wir Angst haben, unseren Job zu verlieren, versetzt oder gar ersetzt zu werden. Es gibt den Spruch "Jeder ist ersetzbar" – und das stimmt. Es gibt Chefs, die sind so unangenehm, da kann man noch so oft üben, sich durchzusetzen. Dann muss man sich überlegen, ob man so weiterarbeiten will.

Können wir nicht vernünftig kommunizieren, wenn es ums Einstehen unserer Wünsche geht?

Nein. Erstens: Wir haben es nie gelernt. Zweitens: Wir haben einen Konflikt im Inneren. Man ist betroffen, drückt die Emotion nach unten, beim Ansprechen sprudelt es dann meist so komisch aus uns heraus.

Was passiert, wenn man nicht mehr "everybody’s darling" sein will?

Es gibt einen tollen Trick: Alles genau so, wie es ist, ansprechen und beschreiben. Man kann ruhig sagen, dass man bisher eher die harmoniesüchtige Kuschelmaus war, man nun aber schon lange etwas mit sich herumträgt. Unbeliebt zu sein, heißt nicht, gleich biestig zu werden, anzugreifen. Das Unbeliebt-Sein ist nur der Gang über die innere Programmierung. Die Kunst ist, dieses vermeintliche Anecken nach außen hin anzumoderieren.

Lohnt es sich, unbequem zu sein?

Geht man in einen Konflikt nur, um sein Ego aufzupolieren, ist es unnütz. Es lohnt sich, wenn es zu einem Ziel führt.

Eckt man an, können Konsequenzen, wie etwa der Entzug von Anerkennung im Job, folgen. Das ist fürs Glück aber auch essenziell.

Es gibt einen Punkt, an dem man sich entscheiden muss: Gesundheit oder Zugehörigkeit? Der größte Schmerz für Mitarbeiter ist, wenn ihnen Firmen die Zugehörigkeit verweigern. Das kann einen Mitarbeiter auch krank machen. Die größte Verantwortung als Mensch ist es aber, gesund zu bleiben – und zur Not aus dieser Zugehörigkeits-Sache rauszugehen.

Ist Durchsetzungsvermögen erlernbar?

Ja. Je öfter man schwierige Gespräche laut mit mich selbst übt, desto mehr verinnerlicht das Gehirn das Gesagte. Dann kann man damit anfangen, das Gelernte in harmlosen Echtsituationen im Berufsalltag zu üben.

Sie waren 19 Jahre lang Börsenhändlerin – eine Männerdomäne. Wie viel Ihres Durchsetzungsvermögens kommt von diesem Terrain?

90 Prozent. Es gibt keine bessere Schule für so etwas.

Zur Person

Diana Dreeßen

Diana Dreeßen, 1961 in Düsseldorf, Deutschland, geboren,  machte eine Ausbildung als Bankkauffrau. Anschließend  arbeitete  sie 19 Jahre als Börsenhändlerin an der Frankfurter Börse, bevor sie sich 2002 als Managementtrainerin selbstständig machte. Heute gibt sie Workshops und Trainings für Unternehmen und Privatkunden. Dreeßen ist  zudem Autorin zweier Bücher,  schreibt gerade am dritten Buch.

(kurier) Erstellt am
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