Wirtschaft | Karriere
21.06.2018

Accounting im Wandel: Maus statt Buch halten

Digitalisierung nimmt rund 60.000 heimischen Buchhaltern Arbeit ab. Das bringt Vorteile für ihre Arbeitgeber und für sie selbst.

„Buchhalter gelten als veränderungsresistent. Birkenstockschlapfen, Wollweste und Langeweile: Das ist das Klischee, das die meisten Menschen mit ihnen verbinden“, sagt Roland Berank. Roland Berank verantwortet das Weiterbildungsprogramm des heimischen Business-Softwareentwicklers BMD, dessen Produkte in der Buchhaltung ebenso zum Einsatz kommen, wie im Controlling oder in der Lohnverrechnung.

Bis vor zehn, 20 Jahren sei die Buchhaltung eine Abteilung voller Papierberge gewesen, sagt Berank. Kassabelege wurden gesammelt, physische Rechnungen und Kontoauszüge kopiert und abgelegt, Steuerformulare händisch ausgefüllt und in Kuverts gesteckt. Das habe sich inzwischen längst geändert. „Heute läuft alles digital. Rechnungen kommen per E-Mail, Bankauszüge lassen sich online nicht nur als PDF herunterladen, sondern auch in anderen Dateiformaten, die sich innerhalb der Unternehmenssoftware mühelos elektronisch weiterverarbeiten lassen“, schwärmt er.

Hinzu kommen automatisierte Programme und immer öfter künstliche Intelligenz. Diese Programme erkennen etwa Buchungsarten und -regeln und vervollständigen offene Zahlungsposten von selbst. Für die Firmen erhöht sich die Qualität, Fehler durch Vertippen gibt es kaum noch. Ein Grund für Buchhalter, um ihre Jobs zu zittern? Mitnichten, beruhigt Berank, es ändere sich lediglich der Aufgabenbereich.

Herausforderung Fachsprech

„Früher waren in den meisten Unternehmen Buchhaltung und Controlling strikt getrennt. Nun wachsen diese Bereiche mehr und mehr zusammen. Sie verschmelzen quasi zum Butroller.“ Das bietet nicht zuletzt einer Vielzahl heimischer KMU, die bislang mit einer oder zwei Buchhalterinnen und ohne Controllingabteilung auskamen, Wettbewerbsvorteile. „Arbeitgeber, die davon profitieren möchten, sollten aber auch in Aus- und Weiterbildung für ihre Mitarbeiter investieren“, so der Betriebswirt. Schon bald würden keine Buchhalter mit IT-Kenntnissen, sondern IT-Profis mit Buchhaltungskenntnissen gefragt sein. Braucht es ein Informatik-Studium um eine BDN-Software zu bedienen? Nein, sagt Berank.

Usabilityist ein Thema, an dem unser Unternehmen laufend arbeitet.“ Viel eher ginge es darum, dass die Nutzer die Begrifflichkeiten beherrschten. „Wer nicht weiß, was ein CANT.053 ist, kann mit seinem Gegenüber in der Bank nicht auf Augenhöhe kommunizieren.“

Das sei der Grund, weshalb Fachhochschulen, Handelsakademien und -schulen Softwareprogramme wie BMD oder SAP vermehrt in den Lehrplan aufnehmen. Auch in der von Berank geleiteten hauseigenen BMD-Akademie sei die Nachfrage nach Kursen wie dem „Digitalisierungsführerschein“ oder dem „Bankauszugsseminar“ hoch. „Hier sind schätzungsweise 50 bis 60 Prozent der Kursteilnehmerinnen unter 30 Jahre alt. Neun von zehn sind Frauen“, analysiert der Bereichsleiter. Er selbst genieße die Arbeit mit aufgeschlossenen Jungen. Und rät ihnen: „Gehen Sie diesen tollen, verantwortungsvollen Job mit Neugier und Freude an. Es lohnt sich.“

Und die Birkenstocks? Die sind wieder in. Auch Stilikonen wie Kristen Stewart und Sienna Miller tragen sie jetzt.

Karrierecheck: „Butroller“

Ein neuer Hybridberuf ist im Entstehen. Die Wissenskombi aus Buchhaltung und Controlling birgt Karriere-Chancen.

  • Beruf Noch hat sich Roland Beranks Wortkreation „Butroller“ als Berufsbezeichnung für die Kombination Buchhaltung und Controlling nicht durchgesetzt. Unabhängig vom Namen handelt es sich dabei um einen Job mit Zukunft.
  • Aufgaben Eine Weiterbildung im Bereich Controlling lohnt sich. Wissen der Buchhaltung, die sich traditionell mit Finanzströmen der Vergangenheit beschäftigt, fließt in die zukünftige Finanzplanung  mit ein. Wer den kompletten Überblick hat, ist für den Arbeitgeber wertvoll.
  • Einkommen Davon profitieren Arbeitnehmer nicht zuletzt bei Gehaltsverhandlungen. Verdienen Buchhalter in Österreicher in der Regel 1870 bis 3120 Euro brutto im Monat, liegt das Controlling mit 2700 bis 4512 Euro   deutlich höher.
  • Bewerbungschancen Speziell heimische Klein- und Mittelbetriebe suchen Bewerber, die in beiden Fachgebieten fit sind. Gefragt sind Genauigkeit  und Liebe zum Detail. Je besser die Aus- und Weiterbildung, desto unentbehrlicher ist der Mitarbeiter.