52 Wahrheiten für mehr Erfolg

Wissen Sie, wer Sie sind? Alan Webber, US-Autor und Journalist, empfiehlt zu scheitern, seine Stärken zu kennen und Fragen zu stellen.

Schwarzer Pullover à la Steve Jobs, ausgebeulte Jeans, Südstaaten-Englisch: Alan Webber könnte man als typischen Amerikaner bezeichnen. Zum Wien-Besuch hat er seine 52 Regeln fürs Business mitgebracht.

KURIER: Mister Webber, von Ihren 52 Wahrheiten für mehr Erfolg, welche davon ist für diese Woche 11 gedacht?

Alan Webber: Ach, das funktioniert doch so nicht. Auch wenn der Verlag das so sagt. Wenn Sie wollen, erfinde ich das aber jetzt für Sie. Oder Sie lesen das Buch einfach chronologisch. Oder schlagen eine Seite auf und überlassen die Auswahl dem Zufall.

Das probieren wir: Wohin führt uns der Zufall jetzt?

(Webber schlägt das Buch auf): Zu Regel 33: Alles ist Performance. Heißt: Man sollten sich überlegen, wie man auf Menschen wirkt, welchen Eindruck man hinterlässt – oder hinterlassen möchte.

Für wen haben Sie diese Regeln geschrieben?

Für junge Menschen, die ins Arbeitsleben einsteigen. Weil die Zeiten kompliziert geworden sind. Alles verändert sich rasant. Das Buch ist aber auch für Ältere, die Orientierung suchen. Ich gebe Empfehlungen aus meiner Erfahrung heraus.

Gelten Ihre Erfahrungen aus der Vergangenheit auch für Gegenwart und Zukunft?

Oh ja. Viele Erfahrungen sind zeitlos. Auch wenn sich die Welt dauert ändert.

Zum Beispiel?

Was tun Sie auf einem Schiff, damit Sie nicht seekrank werden? Sie konzentrieren sich auf Ihr Inneres. Das ist auch eine der wichtigsten Regeln des Buches: Konzentrieren Sie sich auf Ihren wahren Stärken. Es geht um Ihre Marke, wer Sie sind und was Sie können. Sie sind der Kreative? Der harte Arbeiter? Der, auf den immer Verlass ist? Die Frage für jeden ist: Wissen Sie, wer Sie sind?

Wir leben in turbulenten, unvorhersehbaren Zeiten. Wie kann man da Geschäfte planen?

Nicht alles ist unvorhersehbar. Die Basis von guten Geschäften ist Vertrauen. Das ist planbar, das muss man langfristig aufbauen.

Sie sagen, Scheitern ist mehr denn je Teil des Geschäfts geworden. Wie soll man damit umgehen?

In den USA haben wir eine andere Kultur. In Silicon Valley fordern manche Kapitalgeber sogar, dass man als Start-up-Unternehmer ein Mal gescheitert ist. Europa ist hier zugeknöpfter. Scheitern ist immer noch ein Stigma. Aber wenn man innovativ sein will, braucht man Raum für Manöver. Man muss ausprobieren, testen. Entwicklungen hängen mit Risiko zusammen.

Ihr Buch handelt auch davon, sich selbst nicht zu verlieren. Wieso diese Gefahr?

Die Amerikaner haben das Problem, dass sie vor allem dem Geld nachlaufen. Sie definieren Erfolg über Geld. Da verweise ich auf Regel 3: Stelle die letzte Frage zuerst. ,Was ist Ihre Definition von Siegen‘. Wenn die Antwort ,Geld‘ ist, sollten Sie darüber nachdenken, was das bedeutet. Europäer sind anders: Ihnen geht es mehr um die Work-Life-Balance. Mein Tipp: Stellen Sie sich folgende Fragen: Woran denken Sie als erstes, wenn Sie morgens aufwachen? Und was hält Sie nächtens wach? Dann haben Sie gute Antworten darauf, was Ihnen wirklich wichtig ist. Die Menschen hören heute nicht mehr auf sich selbst. Und darauf, was ihnen Freude macht.

Ist es heute schwieriger, Karriere zu machen?

Ich glaube nicht. Weil man heute im Job authentisch sein kann. Früher musste man sich hinter der grauen Anzugfassade verstecken, seine Persönlichkeit ablegen. Heute sind Persönlichkeiten gefragt, es geht um Individualität, Ideen, den Menschen.

Was macht eine gute Führungskraft aus?

Dass sie Fragen stellt. Regel 10: Eine gute Frage schlägt eine gute Antwort. Nicht der Boss ist der Cleverste im Raum, sondern der, der die besten Fragen stellt. Nur so lernen wir, nur so entwickeln wir.

Alan Webber: 52 Business-Regeln

Sein CV Alan Webber ist mehrfach ausgezeichneter Journalist und Buchautor. Fünf Jahre lang war er Chefredakteur der Harvard Business Review . Er gründete Fast Company , das am schnellsten wachsende, erfolgreichste und mehrfach ausgezeichnete Business-Magazin Amerikas. Seine Kolumnen und Artikel erschienen in The Los Angeles Times, The New York Times, The Washington Post.
Sein Buch
52 Rules of Thumb (derzeit nur auf Englisch erhältlich) listet Regeln für das Überleben im modernen Business-Alltag. Regel Nummer 1: Wenn’s hart wird, entspannen Sie sich. Regel Nummer 52: Bleiben Sie wachsam – da draußen gibt es gute Lehrer überall. Erschienen im Harper Business Verlag.

( Kurier ) Erstellt am 23.03.2012