Wirtschaft
03.04.2017

Kampf um Futternapf: Händler rüsten auf

Heimtiermarkt: In Österreich wird Hunde- und Katzenfutter um 590 Mio. Euro verkauft. Der Kampf wird härter.

Am liebsten holen sich die Österreicher einen Hund oder eine Katze ins Haus. Branchenschätzungen zufolge sind landesweit 1,6 Millionen Katzen und 700.000 Hunde unterwegs.

Tendenziell werden immer mehr kleine Hunde und große Katzen gekauft. Der Mops und die Maine-Coon-Katze sind also gerade in Mode. Gemeinsam mit ihren Artgenossen halten sie nicht nur ihre Halter, sondern eine ganze Industrie auf Trab.

Allein der Futtermarkt ist in Österreich geschätzte 590 Millionen Euro schwer, dazu kommen Ausgaben für diverses Zubehör vom Hundehalsband mit Blinklicht bis zum Kratzbaum.

Fressnapf, mit 124 Standorten und zusätzlich fünf Megazoo-Filialen die Nummer eins am österreichischen Heimtiermarkt, macht etwa 80 Prozent des Umsatzes mit Hunde- und Katzenhaltern. Im abgelaufenen Geschäftsjahr waren es 156,6 Millionen Euro, ein Plus von sieben Prozent. Gekauft wird verstärkt Spezialfutter, weiß Österreich-Chef Hermann K. Aigner. Denn immer mehr Tiere hätten Unverträglichkeiten und Allergien – oder zumindest einen Halter, der sich mit diesen Themen eingehender beschäftigt.

Spezialfutter

Überhaupt sind viele Ernährungsthemen am Tierfuttermarkt angekommen. Der Trend gehe hin zu "naturnahem" Futter, also wenig Zusatzstoffe und Chemie. Fressnapf hat sogar Packungen im Angebot, dessen Herkunft man bis in die Produktion rückverfolgen kann. Groß eingeschlagen hat dieses Angebot allerdings aber noch nicht. "Wir hatten in zwei Jahren nicht eine Anfrage dazu", gibt Aigner offen zu.

Das Geschäft mit Katzen- und Hundefutter ist hart umkämpft. Supermärkte und Drogerieläden locken mit Multi-Pack-Aktionen, Bauhäuser weiten das Sortiment aus, zudem drängen Onlinehändler mit Kampfpreisen in den Markt.

Friseur für den Hund

Fressnapf will mit neuen Services gegensteuern. "Im Vorjahr haben wir die ersten beiden Hundesalons eröffnet, ich könnte mir vorstellen, dass wir in fünf Jahren 20 haben", kündigt Aigner an. Bei der Entwicklung der Salons habe eine mehrfach ausgezeichnete Hundefrisörin geholfen, betont der Fressnapf-Chef, der sich noch weitere Experten ins Haus holt.

Testweise lässt er nun auch Mitarbeiter zu "Katzenexperten" ausbilden, die Kunden mit verhaltensauffälligen Tieren beraten sollen. "Service-Leistungen sind ein wichtiges Zukunftsfeld für uns", ist Aigner überzeugt. Dem Vormarsch der Onlinehändler will er aber nicht tatenlos zusehen. "2018 wollen wir auch im Onlinehandel starten." Schon allein, weil in den Filialen längst nicht mehr das gesamte Angebot abgebildet werden kann.

Bei der Expansion in weitere Läden steht er aber auf der Bremse. Möglichkeiten sieht er vor allem in Städten – kürzlich ist Fressnapf etwa in eine ehemalige Bankfiliale in der Wiener Hütteldorfer Straße eingezogen. Es gehe aktuell aber mehr um die Modernisierung bestehender Märkte.

Die deutsche Fressnapf-Gruppe ist laut eigenen Angaben die Nummer eins in Europa. Die 1400 Fachmärkte in elf Ländern haben zuletzt einen Gruppenumsatz von 1,8 Milliarden Euro erwirtschaftet. Ein Großteil des Futterumsatzes liefern Eigenmarken ab – also Packungen, die die Industrie eigens für Fressnapf produziert.

Teure Aquarien und leere Vogelkäfige

Bis zum nächsten Zoofachhändler ist es meist nicht weit: Rund 1000 Fachhändler gibt es landesweit – eine über die Jahre hinweg stabile Zahl. Mittlerweile gehören viele Märkte zu Handelsketten – wie der deutschen Futterhaus-Gruppe (35 Mal in Österreich), die über ihr Franchisesystem wächst. Die Nummer eins am Markt ist Fressnapf mit 124 Filialen. Es gibt aber noch immer viele Einzelkämpfer, die sich auf Themen wie Aquaristik oder Reptilienhaltung spezialisiert haben.

Die Zeiten, in denen Händler junge Katzen und Hunde in der Auslage sitzen hatten, ist mehr oder weniger Geschichte. Österreichweit verkaufen nur noch 15 bis 20 Händler Hunde und Katzen, schätzt Kurt Essmann. Er vertritt die Zoofachhändler in der Wirtschaftskammer Österreich. Der Handel von Hund und Katz’ laufe heute primär direkt über die Züchter. Das liegt an den gesetzlichen Rahmenbedingungen.

Ein Rückblick: Im Jahr 2005 wurde der Verkauf von Hundewelpen und Katzen in Tierhandlungen verboten. „Im Jahr 2008 wurde er wieder erlaubt. Auch, um dem illegalen Handel der Tiere im Internet entgegenzuwirken“, erläutert Essmann. Die Auflagen – die die Branche im Zuge dessen mit Tierschützern ausgearbeitet hat – seien umfassend gewesen. „Mitarbeiter brauchen entsprechende Ausbildungen, man braucht einen Vertragsarzt und auch eine Mindestgröße im Geschäft“, zählt er nur ein paar Punkte auf.

Vielen Händlern sei das viel zu aufwendig. Zudem hätten sich eine Reihe von Branchenkollegen längst auf andere Gebiete spezialisiert, die mehr Profit versprechen. Etwa mit der Ausstattung von Aquarien, die von Industrieseite mit immer ausgeklügelterer Elektronik befeuert wird.
Talwärts zeigt dagegen das Geschäft rund um den Vogel. Es hat sich binnen zwanzig Jahren halbiert, berichten Branchenkenner. Auch weil Tierschützer europaweit immer wieder die artgerechte Haltung von Vögeln in Frage gestellt haben. Etwa mit dem Argument, dass Wellensittiche auf der Suche nach einem Brutplatz bis zu 100 Kilometer fliegen und schon allein deshalb nicht in Käfigen gehalten werden sollten.

Tierschutzgesetz

In Österreich hat der Nationalrat erst vergangene Woche eine Novelle des Tierschutzgesetzes beschlossen. Sie enthält unter anderem ein Verbot privater Tierinserate auf Online-Plattformen. Künftig bedürfen alle wirtschaftlichen Tierhaltungen einer Bewilligung. Zusätzlich kommt die verpflichtende Kennzeichnung von Zuchtkatzen durch Microchips. Mit der Novelle wird zudem das Tätowieren und die Verfärbung von Haut, Federkleid oder Fell aus modischen oder kommerziellen Gründen verboten.