Kärcher-Chef: "Wenn das anhält, haben alle ein Problem"
Der deutsche Reinigungsgeräte-Hersteller Kärcher eröffnete diese Woche seine neue Österreich-Zentrale in Wien Donaustadt. Aus diesem Anlass gab Vorstandsvorsitzender Hartmut Jenner dem KURIER ein Interview. Jenner erklärt, warum er die Preise erhöhen muss, es einen Schutz für Europas Industrie geben muss und der WC-Roboter noch auf sich warten lässt.
KURIER: Die Wirtschaft schwächelt. Wie läuft das Geschäft bei Kärcher?
Hartmut Jenner: Es ist kein leichtes Jahr, wir bewegen uns auf Vorjahresniveau und sind leicht hinter den Erwartungen. Unser Geschäft ist massiv beeinflusst durch die Blockade der Straße von Hormus. Wir können in gewisse Regionen nicht mehr liefern. Umgekehrt sind nach wie vor die Warenströme behindert und wir bekommen bestimmte Rohmaterialien nicht. Zudem steigen die Frachtkosten massiv, weil wir die Routen umfahren müssen. Am Ende werden die Preise sicher angehoben werden müssen.
Um wie viel werden die Gerätepreise steigen?
Wir werden nicht durch die Bank die Preise erhöhen, sondern machen das spezifisch je nach Produkt und Märkte. Aber viele Firmen werden nicht um Preiserhöhungen herumkommen.
Kärcher-Chef Hartmut Jenner im neuen Kärcher Center in Wien-Donaustadt.
Haben Sie Notfallpläne, sollte die Blockade anhalten?
Wir versuchen, andere Quellen anzuzapfen, um die Lieferketten aufrechtzuerhalten. Momentan gelingt uns das noch, aber die Preise steigen natürlich. Wenn die Blockade noch ein halbes Jahr anhält, haben alle ein Problem.
Wie sieht es mit der Nachfrage aus? Merken Sie eine gewisse Kaufzurückhaltung?
Wir merken eine starke Kaufzurückhaltung, speziell in Kerneuropa, wo vor allem der Privatkundenmarkt rückläufig ist. Der Gewerbe-Bereich läuft etwas stabiler.
Die EZB hob den Leitzins an, was viele Mittelständler kritisieren. Sie auch?
Ja, diese Entscheidung ist für uns nicht förderlich. Das ist das falsche Signal und trifft den Mittelstand massiv, etwa bei den Krediten und weil es verunsichert. Seit Corona haben wir de facto kein stabiles Geschäft mehr.
Wird die Konkurrenz aus China stärker?
Ja, definitiv. Die wachsende Konkurrenz aus China spürt jeder. Weil durch die hohen Zölle der Absatzmarkt USA wegfällt, wird mehr in Europa verkauft. Und China ist natürlich technologisch auch besser geworden, etwa bei der Robotik oder Batterietechnologie.
Chinesische Online-Händler wie Shein und Temu sind auf dem Vormarsch. Macht die EU zu wenig dagegen?
Ja, ich nenne nur das Beispiel Nachhaltigkeit. Wir haben hier sehr viele Regularien zu erfüllen und das wird bei Kärcher auch seit jeher groß geschrieben. So haben wir schon seit 1996 jedes Werk auf Recycling umgestellt und testen alle unsere neuen Geräte nicht mit Frischwasser, sondern Gebrauchtwasser. Zugleich fliegen die chinesischen Händler alle ihre Waren mit Cargo-Fliegern nach Europa ein. Soviel zum Thema Nachhaltigkeit. Auch Lieferkettennachweise müssen sie keine machen.
Braucht es einen Schutz durch Zölle?
Es ist nachgewiesen, dass Zölle nie Wohlstand gebracht haben, also langfristig nicht erfolgreich waren. Ich habe aber die Sorge, dass China mit Dumpingpreisen die Strukturen zerstört. Da ist die Zollfrage durchaus berechtigt. Vielleicht muss der Markt einige Jahre mit Zöllen geschützt werden, weil der Wettbewerb nicht fair ist.
Kärcher-Chef Hartmut Jenner im neuen Kärcher-Center in Wien-Donaustadt
Das Familienunternehmen Kärcher mit Sitz in Winnenden nahe Stuttgart wurde 1935 von Ingenieur und Tüftler Alfred Kärcher gegründet; 1950 wurde die Hochdrucktechnologie erfunden, 1984 der erste tragbare Hochdruckreiniger.
Heute werden u. a. auch Sauger, Luft- und Dampfreiniger sowie Kehrmaschinen verkauft.
3,48 Milliarden Euro
wurden im Vorjahr umgesetzt. In 87 Ländern werden 17.000 Mitarbeiter beschäftigt, davon 170 in Österreich. Harmut Jenner steht seit 25 Jahren an der Spitze des Unternehmens, er zählt damit zu den am längsten amtierenden CEOs deutscher Industrieunternehmen.
Lohnt es sich, wegen der Lieferkettenengpässe wieder in Europa zu produzieren?
Wir sind hier schon resilient aufgestellt, die meisten unserer 17 Werke sind in Europa. Wir bauen hier auch aus, haben etwa ein neues Werk in Lettland und Rumänien gebaut und unsere Produktionsstätten in Italien vergrößert.
Zum Thema Innovation: Welche Rolle spielt künstliche Intelligenz inzwischen bei Ihren Produkten?
KI ist eine riesige Chance für Hochlohnländer wie Deutschland oder Österreich, die Produktivität zu steigern und damit wettbewerbsfähig zu bleiben. KI ist bei uns State of the Art, wir haben ganz viel KI in unseren Reinigungsrobotern, etwa zur Erkennung der Fahrwege oder für die Sprachsteuerung durch KI-Agenten.
Welche Neuheiten gibt es heuer bei Kärcher?
Viele. Wir haben etwa einen neuen Fensterputzroboter und einen Matratzenreiniger mit speziellem UV-Licht sowie einen Reinigungsmob für kleine Küchen im gewerblichen Bereich. Und wir haben für unsere Privatkunden neue Hochdruckreiniger-Modelle auf den Markt gebracht sowie neue Dampfreiniger und Nass-/Trockensauger. Besonders gut kommt auch die handgeführte und sehr wendige Scheuersaugmaschine K-Mop an.
Wann gibt es den Roboter, der meine Toilette putzt?
Der kommt sicher in den nächsten Jahren. Zuerst für den professionellen Bereich. Reinigen ist nicht so trivial, weil der Roboter die Oberflächen erkennen und die Mechanik haben muss, um die Sachen auszuführen. Und es muss dann auch noch der Preis stimmen. Es gibt aber tatsächlich riesige Innovationssprünge.
Zum Beispiel?
Zum Beispiel unsere neue Düse für den Hochdruckreiniger, die 50 Prozent weniger Wasser und 50 Prozent weniger Strom benötigt. Das ist eine rein mechanische Lösung und der Eco Booster kann bei jedem Reiniger nachgerüstet werden.
In den USA gab es den größten Börsengang aller Zeiten. Ein Anreiz für Kärcher?
Nein, wir sind ein Familienunternehmen und bleiben ein Familienunternehmen.
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