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Wirtschaft
10/05/2020

Kärcher-Chef: "So eine Krise hat es noch nie gegeben"

Die Pandemie werde unser Verständnis von Reinigung ändern, meint Hartmut Jenner.

von Thomas Pressberger

Der Konzernchef des deutschen Reinigungsgeräteherstellers Kärcher Hartmut Jenner erklärt, warum man Reinigung nicht mehr als notwendiges Übel sehen wird, wie das Reinigungsgerät der Zukunft aussieht und warum Kärcher in Österreich bekannter ist als in Deutschland.

KURIER: Wie erlebt Kärcher die Corona-Zeit?

Hartmut Jenner: Wir haben schon schwere Krisen erlebt, aber so eine Krise, in der man nicht produzieren oder verkaufen kann, hat es noch nicht gegeben. Wir haben zum Teil saisonale Produkte, wie den Hochdruckreiniger besonders im Frühjahr. Wenn man da nicht im Oktober produzieren kann, ist das ein Problem. Wenn man dann auch nur einen Verkaufskanal hat (online, Anm.), dann ist das auch nicht leicht. März und April sind aufgrund des Frühjahrsgeschäfts eigentlich die umsatzstärksten Monate für uns, im April lagen wir aber bei minus 25 Prozent. Es war schwierig, aber wir konnten aufholen. Seit September sind wir auf Vorjahresniveau.

Wird die Pandemie das Reinigungsverhalten dauerhaft verändern?

Das Thema ist sicher mehr in den Vordergrund gerückt. Die Wahrnehmung wird höher werden, Verhaltensmuster werden sich ändern. Reinigung wird nicht mehr als notwendiges Übel gesehen, sondern, dass vorbeugende Reinigung werterhaltend ist. Ob es zu Sprüngen im Absatz kommt, kann ich nicht sagen. Beim Bau von Gebäuden wird allerdings immer noch zu wenig an die Reinigung gedacht. Man könnte vieles besser machen, beispielsweise die Breite der Gänge und Türen. Da geht es um Rundungen, Falze, Oberflächenbeschaffenheiten, Fugen, da ist vieles schwierig zu reinigen.

Wie wird sich die Wirtschaft nach der Corona-Pandemie weiterentwickeln?

Viele rechnen mit einer V-, U- oder L-Form, aber ich rechne mit einer Entwicklung in Form einer Wurzelfunktion (√). Das nächste Jahr wird schwierig werden, man wird sehen, wie sich die Arbeitslosigkeit, die Insolvenzen und die Nachfrage entwickeln. Ich bin da eher vorsichtig. Eine Frage wird auch sein, welche Auswirkungen die überbordenden Ausgaben für Corona auf die Staaten haben. Ich gehe davon aus, dass es zu Steuererhöhungen und mehr Verschuldung kommen wird.

Was sagen Sie zur Corona-Entwicklung in Österreich?

Ich bin überrascht. Die Reaktion war zu Beginn sehr gut, aber warum man die Krise jetzt nicht in den Griff bekommt, weiß ich nicht. Ich denke, Österreich hat gut und schnell reagiert, das hat auch Deutschland positiv beeinflusst. Hätte Österreich nicht so gradlinig und schnell reagiert, hätte das auch Deutschland nicht getan.

Welche Bedeutung hat der österreichische Markt für Kärcher?

Österreich und die Schweiz sind fast auf gleicher Höhe und sind wichtige Märkte für uns. Die Marktbekanntheit in Österreich ist größer als in Deutschland. In Deutschland gibt es aber auch mehr Mitbewerb und Penetration. Der Pro-Kopf-Umsatz in Österreich und der Schweiz ist einer der höchsten der Welt.

Wie geht es der Branche insgesamt?

Kärcher hat sich besser entwickelt als der Mitbewerb. Wir haben ganz früh erkannt, dass das was Großes ist, und haben rasch reagiert.

Wie wird sich Kärcher heuer wirtschaftlich entwickeln?

2019 hatten wir einen Umsatz von 2,6 Milliarden Euro, dieses Jahr werden wir leicht darüber liegen. Im ersten Halbjahr haben wir 1,4 Milliarden Euro Umsatz gemacht.

Demnach verkaufen Sie im ersten Halbjahr mehr als im zweiten?

Bei uns gibt es eine Saisonalität, im Frühjahr wird mehr gereinigt. Wir spüren den Frühjahrsputz, das ist für uns so etwas wie Weihnachten. Auf der Südhalbkugel ist dann im Herbst Saison. Unser Schwerpunkt liegt aber auf der Nordhalbkugel, da leben mehr Menschen. Außerhalb Europas machen wir ungefähr 40 Prozent des Umsatzes. In Österreich sind es 76 Millionen Euro, das sind drei Prozent vom Gesamtumsatz. Wir haben im Konzern 13.500 Mitarbeiter, in Österreich 215.

Viele Unternehmen, auch große, bauen wegen Corona Mitarbeiter ab. Wird das bei Kärcher auch der Fall sein?

Mitarbeiter bauen wir aktiv keine ab, aber wir waren in der Corona-Zeit bei Einstellungen sehr vorsichtig. Aber ein Abbau ist nicht geplant.

Wie sehen Reinigungsgeräte in der Zukunft aus?

2025 wird es kein mobiles Gerät mehr im Haushalt mit Kabelanschluss geben. Das wird keiner mehr kaufen, das garantiere ich Ihnen. Wir bauen seit 1987 Akkus in unsere Geräte ein, 2019 haben wir eine komplett neue Akkureihe auf den Markt gebracht, die sind austauschbar. Die Robotik wird viel stärker kommen. Gebäudereiniger bekommen kein Personal mehr oder haben hohe Fluktuationen. Oft handelt es sich um langweilige Reinigungstätigkeiten von großen Flächen. Das kann ein Roboter besser. Zerklüftete Flächen, wie in Büros nicht, aber auf großen Flächen, wie Böden in Supermärkten, Flughäfen oder Logistikzentren, da schon. Und auf den digitalen Plattformen, da wird auch noch einiges kommen.

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