Wirtschaft
05.12.2011

Jobsuche hier, Personalmangel dort

Erstmals seit 17 Monaten steigt die Arbeitslosigkeit. Betriebe suchen dennoch vergeblich nach qualifizierten Mitarbeitern.

Das Sommerhoch am Arbeitsmarkt zieht langsam ab, im Herbst dürfte das Klima deutlich rauer werden. Erstmals seit 17 Monaten ist im August die Arbeitslosigkeit in Österreich wieder leicht gestiegen. Zu Monatsende waren insgesamt 220.000 Menschen beim AMS arbeitslos gemeldet, das waren um 1000 bzw. 0,4 Prozent mehr als im August des Vorjahres. Inklusive der Schulungsteilnehmer waren 273.000 auf Jobsuche. Den stärksten Anstieg gab es bei Frauen, Personen über 50 Jahren sowie Ausländern. Im Bundesländervergleich schnitt Wien erneut mit Abstand am schlechtesten ab.

Als Gründe für den Anstieg nennen Arbeitsmarkt-Experten die sich eintrübende Konjunktur, den verstärkten Zustrom von Arbeitskräften vor allem bei Frauen und Ausländern, die Kürzung von Schulungsmaßnahmen insbesondere in Wien sowie die im Vorjahr eingeführte Bedarfsorientierte Mindestsicherung (siehe Artikel unten). "Der Aufholprozess nach der Krise geht jetzt zu Ende", analysiert WIFO-Experte Helmut Mahringer und rechnet für die kommenden Monate mit steigenden Arbeitslosenzahlen. Auch für 2012 herrscht wenig Optimismus, zumal das Wirtschaftswachstum nur noch mager ausfallen dürfte. Konkrete Prognosen wagt derzeit aber noch niemand. Ein erster Indikator für die wachsende Verunsicherung der Betriebe ist der Anstieg der Arbeitslosigkeit bei Leiharbeitern um 7,3 Prozent.

Offene Stellen

So paradox es klingen mag, aber in einigen Branchen herrscht nach wie vor akuter Personalmangel. Die Gesamtbeschäftigung ist im August weiter gestiegen, die Zahl der beim AMS gemeldeten offenen Stellen stagniert mit 32.000 auf hohem Niveau. In der Maschinen- und Metallwarenindustrie sind die Auftragsbücher voll, aber das Personal knapp: "Wir haben einen Fachkräftemangel auf allen Ebenen, vom Lehrling über den HTLer bis zum Akademiker", stöhnt Clemens Malina-Altzinger, Obmann des Fachverbandes der Maschinen- und Metallwarenindustrie. Auch Ost-Öffnung und Rot-Weiß-Rot-Card hätten da nichts bewirkt. Im heimischen Gewerbe und Handwerk könnten 20.000 bis 25.000 Fachkräfte sofort eine Stelle finden, "wenn sie da wären", so Bundesspartenobmann Konrad Steindl.

Schon jeder vierte Betrieb habe Probleme, offene Stellen zu besetzen. "Es gibt bereits einen Kampf um die Jugendlichen, der demografische Wandel macht uns schon jetzt zu schaffen", klagt Steindl. Ähnlich die Situation in der Gastronomie - wo sind die Köche? - sowie in der Kinderbetreuung und in der Pflege. Die Stadt Wien versucht jetzt, 100 zusätzliche Pflegekräfte mittels Jobgarantie anzuwerben.

Der bevorstehende Konjunkturabschwung wird den Fachkräftemangel zwar leicht entschärfen, glaubt Mahringer, aber sicher nicht beheben. Dafür müsse an vielen Hebeln angesetzt werden, etwa bei der schulischen Grundausbildung, bei der Lehre sowie bei der Weiterqualifizierung Älterer, um ihre Jobchancen zu verbessern.

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