Wirtschaft
03.04.2012

Ja!Natürlich-Chefin: "Billiges Bio nichts wert"

Obwohl die Österreicher Bio-Weltmeister sind, hat die Branche zu kämpfen: Die Umsätze gingen zurück.

Ganz einfach hatte es die Bio-Branche im Vorjahr nicht: Im Sommer hat der Ehec-Keim vielen Konsumenten den Appetit verdorben, kurz vor Jahreswechsel ist dann noch aufgeflogen, dass italienische Händler gefälschte Bio-Ware ausgeliefert haben. Dazu kommt, dass die Kunden ohnehin knausriger geworden sind – offensichtlich auch beim Lebensmitteleinkauf. Unterm Strich sind die Bio-Umsätze 2011 leicht zurückgegangen, geht aus den Zahlen der RollAma hervor.

„Das vergangene Jahr hat die Bio-Branche gebeutelt“, sagt auch Martina Hörmer, Chefin von Ja!Natürlich. Die Bio-Marke des Handelsriesen Rewe (Billa, Merkur, Penny, Adeg) macht ungefähr doppelt so viel Umsatz wie Hofer mit Zurück zum Ursprung und ist damit die Nummer eins am Markt. Im Vorjahr hat Rewe erstmals mehr als 300 Millionen Euro mit Bio umgesetzt. Das entspricht einem mengenmäßigen Plus von fünf bzw. einem wertmäßigen Zuwachs von sieben Prozent. Anders gesagt: Die Preise sind gestiegen. „Billiges Bio ist nichts wert. Und das gibt es auch gar nicht, weil wir auf die Qualität achten müssen“, betont Hörmer.

Den größten Umsatzsprung gab es 2011 bei Brot und Gebäck, der mit Abstand größten Bio-Warengruppe, gefolgt von Obst und Gemüse und Molkereiprodukten. Mit Brot und Gebäck macht Ja!Natürlich bereits ein Drittel des Gesamtumsatzes. Heuer will Hörmer die Umsätze um weitere fünf Prozent steigern. Helfen sollen neue Produkte von Marmeladen bis zu Gewürzkräutern.

Milliardengeschäft

Im internationalen Vergleich sind die Österreicher „Bio-Weltmeister“, sagt Hörmer. Der Anteil im Lebensmitteleinzelhandel sei mit sechs Prozent doppelt so groß wie in Deutschland. Weltweit geben Konsumenten knapp 60 Milliarden Dollar (49 Milliarden Euro) für Bioprodukte aus, davon 21 Milliarden Euro in Europa, hat das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (Fibl) errechnet. Österreich hat demnach ein Marktvolumen von 986 Millionen Euro.

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