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Wirtschaft
03/20/2021

IT- und Beraterbranche: „Homeoffice ist bei uns Standard"

Wissensbasierte Dienstleister kamen bisher gut durch die Corona-Krise. Branchensprecherin rechnet heuer mit 21.000 zusätzlichen Jobs

von Anita Staudacher

Die rund 110.000 Unternehmen der heimischen Informations- und Consultingbranche kamen bisher vergleichsweise glimpflich durch die Corona-Pandemie. „Wir haben nie zu wenig Arbeit gehabt“, berichtet Angelika Sery-Froschauer, Bundespartenobfrau in der Wirtschaftskammer (WKO). dem KURIER. Vom plötzlichen Digitalisierungsschub profitierten vor allem die IT- und Telekom-Dienstleister, Unternehmensberater, eCommerce-Profis und Buchhalter.

Weniger gut lief es für Werber und Event-Veranstalter sowie tourismusnahe Dienstleister. Nach vorläufigen Zahlen sank der Jahresumsatz der in zehn Fachverbänden gebündelten Sparte im Vergleich zum Vorjahr real um 4,3 Prozent. Der Abschwung fiel damit weniger stark aus als in anderen Wirtschaftssektoren. Die aktuelle Auftragslage wird von knapp der Hälfte der von der WKO im Februar befragten 800 Mitgliedsbetrieben als „sehr gut“ oder „gut“ beschrieben. 28 Prozent melden hingegen eine schlechte Auftragslage, vor einem Jahr war es nur jeder zehnte Betrieb.

Zweckoptimismus

„Es ist wieder ein gewisser Optimismus eingekehrt“, interpretiert Sery-Froschauer die Umfrage. Durch die Corona-Krise seien zwar viele Projekte aufgeschoben, aber nicht aufgehoben worden. Das spiegle sich auch in der Personalplanung wieder. In Summe rechnet die Branche heuer mit einer Ausweitung des Beschäftigtenstandes um 8,9 Prozent, was 21.700 Neueinstellungen bedeuten würde.

Die von Klein- und Kleinstbetrieben geprägte Sparte beschäftigt derzeit 244.000 Mitarbeiter. „Wir suchen dringend Fachkräfte vor allem in der IT- und Designerbranche“, sagt Sery-Froschauer. Da bestimmte Qualifikationen benötigt werden, habe sich trotz hoher Arbeitslosigkeit der Fachkräftemangel nicht entspannt.

Eher zurückhaltend waren die Wissensdienstleister bei der Inanspruchnahme der staatlichen Covid-Hilfen. Mit 27 Prozent am häufigsten genutzt wurden bisher die Hilfen aus dem Härtefallfonds, gefolgt von der Kurzarbeit mit 19 Prozent und den Fixkostenzuschuss mit 14 Prozent. Nur 12 Prozent nutzten Steuerstundungen – „unsere Branche ist sehr resilient“ – bei der Investitionsprämie griffen nur 6 Prozent zu.

Homeoffice-Pflicht?

Zur Debatte um eine mögliche Homeoffice-Pflicht im Zuge einer Verschärfung der Covid-Maßnahmen zeigt sich Sery-Froschauer gelassen: „Das Homeoffice ist kein Thema mehr für unsere Betriebe, es ist bei uns zum Standard geworden.“ Die Mitarbeiter seien das Arbeiten von zu Hause schon gewöhnt, so die Spartenobfrau, die eine Werbe- und Kommunikationsagentur in Leonding/Oberösterreich führt. Das Homeoffice ermögliche eine flexiblere Arbeitseinteilung und steigere die Effizienz. Viele Beratungsleistungen würden heute digital ablaufen.

Die Einhaltung einer entsprechenden Homeoffice-Verordnung sei in der Branche „kein Problem“, so Sery-Froschauer. Zugleich spricht sie sich aber gegen eine Verpflichtung aus. Nicht der Staat, sondern jeder Betrieb sollte selbst entscheiden, wer, wann von zu Hause aus arbeitet. Ein weiterer Lockdown würde die Nachfrage sofort sinken lassen und damit auch die Sparte schwer treffen.

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