IT-Panne wirbelte Börse durcheinander

IT-Panne wirbelte Börse durcheinander
Goldman Sachs löste durch versehentliche Massen-Order Kursstürze aus.

Die Kritik an automatisierten Systemen wächst. Ein neuer Fall von Kursmanipulation durch ein technisches Gebrechen erschüttert die Wall Street. Diesmal trifft es die US-Großbank Goldman Sachs, die derzeit auch wegen möglicher Preismanipulationen bei Rohstoffen in der Kritik steht.

Wegen eines Software-Fehlers tätigte die Investmentbank am Dienstag versehentlich eine große Menge von Optionsgeschäften, die die Aktienkurse massiv drückten. Laut Wall Street Journal wurden insgesamt 816.000 Optionsaufträge zu einem fehlerhaften Preis von nur einem Dollar ausgeführt. In den meisten Fällen ein Preis erheblich unter dem Marktpreis. Wahrscheinlicher Fehler: Die Software verwechselte bloße Interessenskundgebungen von Kunden mit tatsächlichen Aufträgen und handelte mit einem völlig falschen Preis. Die vom Kursrutsch alarmierten Börsebetreiber griffen umgehend ein und kündigten an, einzelne Aufträge nachträglich zu annullieren. Weil aber unklar ist, wie viele der fehlerhaften Order im Handel blieben, könnte die Panne Goldman Sachs teuer zu stehen kommen. Von Verlusten in Höhe von mehreren Hundert Millionen Dollar ist die Rede.

Goldman Sachs erklärte lediglich, dem Unternehmen drohe dadurch kein großer Verlust. Änderungen an der eigenen Software für den Hochfrequenzhandel dürften der Grund für die versehentliche Massen-Order gewesen sein.

Misstrauen

Das Misstrauen vieler Anleger gegenüber dem Turbo-Trading wächst. Binnen Sekunden kaufen und verkaufen Computer völlig selbstständig Wertpapiere. In den USA entfallen 70 Prozent aller Börsenumsätze auf Highspeed-Trading. Die IT-Systeme werden immer raffinierter, aber offenbar auch immer fehleranfälliger. Die Manipulationen häufen sich. Goldman Sachs musste erst im Vorjahr eine Strafe von 6,75 Millionen Dollar an acht Optionsbörsen zahlen, weil Aufträge über sechs Jahre hinweg falsch – nämlich zu früh – ausgeführt wurden.

Für großes Aufsehen sorgte im Mai 2010 der so genannte „Flash Crash“, als der Dow-Jones-Index in kürzester Zeit um rund neun Prozent einknickte. Die Ursache dieser Datenpanne ist bis heute nicht restlos geklärt, die Konsequenzen daraus blieben halbherzig. Kritiker warnen daher vor einem regelrechten Kollaps ganzer Wertpapiermärkte mit unabsehbaren Folgen.

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