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Wirtschaft
06/28/2019

„Ab sofort wird jede Spende an die ÖVP veröffentlicht“

Iris Ortner kontert die Kritik, ihr Vater Klaus Ortner habe ihr den Aufsichtsratsjob bei der Staatsholding ÖBAG gekauft.

von Andrea Hodoschek

Konzernchef Ortner will ab sofort alle Parteispenden selbst öffentlich machen. Und die Staatsholding ÖBAG beschloss strenge Unvereinbarkeitsregeln.

KURIER: Nachdem die Großspenden Ihres Vaters öffentlich wurden, bekamen auch Sie viel Kritik und Gehässigkeiten ab. Wie geht es Ihnen damit? Iris Ortner: Die Wortwahlen sprechen für sich. Ich habe aufgehört, Postings zu lesen. Ich habe mich aufgrund der Untergriffe nie geeignet gehalten für die Politik und mich für die Wirtschaft entschieden. Da geht es um Sachthemen, da fühle ich mich wohl.

Neos-Chefin Meinl-Reisinger griff besonders tief. Hat sie sich bei Ihnen entschuldigt?

Wir hatten bisher keinen Kontakt. Ich glaube auch nicht, dass es ums Persönliche ging und nehme es dementsprechend nicht persönlich.

In der Staatsholding ÖBAG werden die wertvollsten Unternehmensbeteiligungen der Republik gemanagt. Was qualifiziert Sie für den Aufsichtsratsjob?

Ohne jetzt meinen Lebenslauf aufzuzählen – ich habe an der ETH Zürich studiert, eine wirtschaftliche Ausbildung in Fontainebleau absolviert, war für Siemens in Deutschland und den USA. In unserer Gruppe baute ich die Tochter in Polen auf, heute sind wir dort in der technischen Gebäudeausstattung Marktführer. Seit 2003 bin ich wieder in Österreich, wo ich die verschiedensten Leitungsfunktionen in unserer Unternehmensgruppe ausübe. Derzeit beschäftige ich mich besonders mit dem Aufbau der Holding. Für die ÖBAG bringe ich internationale Erfahrung mit und auch die ÖBAG muss jetzt eine Holdingstruktur aufbauen.

Während seiner Kanzlerschaft liefen alle Postenbesetzungen über Sebastian Kurz. Wie gut kennen Sie ihn?

Ich habe ihn kennengelernt, aber ich zähle nicht zum Kreis seiner Berater. Ich konzentriere mich auf meine Managementtätigkeiten.

Wussten Sie von den Spenden Ihres Vaters?

Er hat uns, die Familie, informiert, dass er spenden will. Die Details waren seine persönliche Sache.

Aber Sie sind mit Ihrem Vater in der Geschäftsführung der Familienholding IGO, die als Spenderin aufscheint.

Ich war über die Parteispende meines Vaters informiert und trage die persönliche Entscheidung meines Vaters mit. Über die Spenden hat er entschieden.

 

 

Wären Sie gegenüber der ÖVP auch so großzügig gewesen?

Die Frage nach einer Parteispende hat sich für mich bisher nicht gestellt und in meiner jetzigen Funktion als ÖBAG-Aufsichtsrätin stellt sich diese Frage erst recht nicht. Das ist für mich keine Option.

Warum wurde die Spende in einzelne Tranchen gestückelt?

Dazu müssen Sie meinen Vater befragen. Er hat zum ersten Mal einer Partei gespendet. Das war für ihn ein Lernprozess. Mein Vater stellt sich nicht unbedingt gerne auf eine Bühne. Er tut Dinge aus Überzeugung, aber er sucht dabei nicht das Rampenlicht. Das betrifft die Kunst genauso wie eine kürzliche Spende für die Uni Innsbruck über 150.000 Euro. Aber bei zukünftigen Spenden wird er selbst für die Veröffentlichung sorgen. Egal, um welchen Betrag es sich handelt, er wird ab sofort jede Spende an die ÖVP selbst öffentlich machen.

Wofür spenden Sie?

Ich unterstütze im sozialen Bereich. Das sind teils sehr persönliche Projekte, wo ich ganz genau weiß, wo das Geld ankommt.

Was halten Sie persönlich von Sebastian Kurz?

Ich schließe mich den Statements meines Vaters an. Wir haben uns in Österreich in den letzten Jahren zu sehr auf das Erreichte verlassen. Das hat zu Erstarrung und Verkrustung geführt. Zudem spielten wir die Musterschüler bei Vorschriften, Stichwort „Gold Plating“. Ich halte einen Wandel in Richtung Flexibilisierung und Aufbruch für wichtig. Wirtschaft kann kein Gegeneinander sein.

Halten Sie Ihr ÖBAG-Mandat für vereinbar mit Ihrem Aufsichtsratsjob bei der Porr?

Als ich gefragt wurde, war mein erster Gedanke, dass jede Unvereinbarkeit und auch nur anscheinbare Unvereinbarkeit ausgeschlossen werden muss. Ohne eine Lösung, die klar, transparent und rechtlich einwandfrei ist, hätte ich das Mandat nicht angenommen. Der ÖBAG-Aufsichtsrat beschloss vergangene Woche – mit meiner Enthaltung –, dass ich bei einem möglichen Interessenskonflikt vom gesamten Informationsfluss ausgeschlossen werde. Das betrifft die Unterlagen im Vorfeld, bei den Sitzungen werde ich den Raum verlassen und aus dem Protokoll wird der betreffende Teil nicht in meinen Unterlagen enthalten sein.

Eine Lex Ortner?

Das gilt nicht nur für mich, sondern für alle Aufsichtsratsmitglieder. Wenn man Leute aus der Wirtschaft in den Aufsichtsräten haben will, ergibt sich dieses Problem ja immer wieder. Ich bin bei der Porr zwar nicht im operativen Geschäft und der ÖBAG-Aufsichtsrat wird auch nicht über das operative Geschäft seiner Beteiligungen informiert. Vielleicht gibt es mehr Sorgen, als es Anlass zu Sorgen gibt. Aber ich verstehe die damit verbundene Sensibilität.

Wären noch die öffentlichen Aufträge für Ortner und Porr.

Beide Unternehmen haben öffentliche Aufträge. Es gibt seit vielen Jahren glücklicherweise ein gesetzliches Vergaberecht mit strengen Regeln und diese werden eingehalten.

Ex-Vizekanzler Strache sieht das anders, siehe Ibiza-Video.

Zum Glück ist das öffentliche Vergaberecht hier auf sehr gute Beine gestellt und schiebt den Fantasien von Herrn Strache einen Riegel vor.

Was ist für Sie die wichtigste Rolle der ÖBAG?

Sie vertritt unser aller Interessen. Diese können nicht sein, kurzfristig viel Geld auszuschütten. Man muss heute gut überlegen, wo eine Beteiligung des Staats notwendig ist. Sicher dort, wo es um eine gute öffentliche Infrastruktur für den Wirtschaftsstandort geht. Ich erlebe das gesamte ÖBAG-Team als sehr engagiert und firm.

Sie haben als Technikerin eine in Österreich untypische Karriere gemacht.

Es gibt viel zu wenig Frauen in der Technik. Teams arbeiten erfolgreicher, wenn sich mehr Frauen in die Technik vorwagen würden. In Polen  etwa ist das anders, gerade in der technischen Gebäudeausstattung sind viele Frauen. Dort fällt dieser Bereich unter Umwelttechnik und -schutz, in Österreich unter Maschinenbau. Man müsste sehr früh ansetzenh, schon in der Volksschule und im Kindergarten. Dass Technik nicht nur kompliziert ist, sondern viel Spaß machen kann.