Ökonom: Iran-Krieg kommt für heimische Wirtschaft zur Unzeit
Zusammenfassung
- Bei kurzem Iran-Konflikt bleiben Auswirkungen auf Wirtschaft und Inflation begrenzt, bei längerem Krieg drohen Halbierung des Wachstums und höhere Inflation.
- Inflationserhöhender Effekt in Österreich zunächst geringer als im Euroraum, da Energie geringeres Gewicht im Warenkorb hat.
- Statt Rezession erwartet Raiffeisen Research bei anhaltendem Konflikt "Stagflation light" mit stagnierender Konjunktur und Investitionszurückhaltung.
Der Iran-Krieg kommt für die heimische Wirtschaft zur Unzeit. "Das konjunkturelle Pflänzchen ist im Vergleich zum Euroraum noch zart, die letzte Inflationswelle gerade erst abgeebbt", so Raiffeisen-Research-Ökonom Matthias Reith.
Dauere der Konflikt nur ein paar Wochen, dürfte sich der konjunkturelle Schaden in Grenzen halten und die Inflation kaum steigen. Komme es aber anders, dann erwarte er eine Halbierung des Wachstums und eine höhere Inflation.
Das Wirtschaftswachstum drohe bei einer längeren Auseinandersetzung von 1,0 auf 0,5 halbiert zu werden und die Inflation könnte statt 2,0 auf 2,5 Prozent steigen. Bleiben die Öl- und Energiepreise für einige Zeit auf dem aktuellen Niveau, würde die Inflation heuer um bis zu 0,2 Prozentpunkte höher ausfallen.
Steigen sie aber noch deutlich und das für einige Monate, dann "sollte die Inflation im Jahresschnitt um mindestens 0,5 höher sein als derzeit prognostiziert", wird Reith in einer Aussendung am Donnerstag zitiert.
Inflationserhöhender Effekt zunächst niedriger als im Euroraum
Insgesamt könnte der inflationserhöhende Effekt aber zunächst etwas niedriger ausfallen als im Euroraum, da Treibstoffe und Energie allgemein in Österreich ein niedrigeres Gewicht im Warenkorb haben als in den meisten anderen Euroländern. Dass die Inflation heuer zurückgehen werde, daran dürfte auch der Iran-Krieg nichts ändern, so der Ökonom.
2022 wurde die Energie für Haushalte im Jahresschnitt um 40 Prozent teurer. "Selbst wenn die Dinge im Iran aus den Fugen geraten, dürften die Haushalte 'nur' um etwa 10 Prozent mehr bezahlen als 2025." Viel würde auch davon abhängen, wie sehr sich Produkte und Dienstleistungen abseits der Zapfsäule verteuern, wie stark also Zweitrundeneffekte ausfallen.
Reith rechnet nicht mit einer Neuauflage des Jahres 2022 mit Rekord- und weit über dem Euroraum-Schnitt gelegener Inflation, mit einer "Stagflation light" hingegen schon. Die Konjunktur würde bis in den Herbst nicht vom Fleck kommen, statt moderatem Wachstum wäre Stagnation die ökonomische Realität der kommenden Monate, aber wohl keine Rezession. Höhere Unsicherheit und höhere Zinsen ließen Unternehmen vor Investitionen zurückschrecken, auch in der Exportstatistik würde der Gegenwind deutliche Spuren hinterlassen.
Kommentare