Doch kein sicherer Hafen: Warum der Goldpreis ausgerechnet in der Krise schwächelt
Wie gewonnen, so zerronnen. Das denken wohl viele, die erst in den vergangenen Monaten Gold gekauft haben. Erreichte der Kurs kurz vor Ausbruch des Krieges im Iran noch fast 5.600 Dollar, so sind es heute fast 20 Prozent weniger. Alleine in der Vorwoche waren es 15 Prozent. Das ist der stärkste Einbruch innerhalb einer Woche seit mehr als 40 Jahren. Alleine am Montag sackte der Kurs gleich auf 4.100 Dollar ab, ehe es nach US-Präsident Trumps Ankündigung, vorläufig von Angriffen auf Irans Infrastruktur abzusehen, wieder auf rund 4.500 Dollar zulegen konnte.
Gold gilt in Krisenzeiten normalerweise als sicherer Hafen. Doch dieses Mal nicht.
Raiffeisen-Research-Chefanalyst Gunter Deuber relativiert aber. „Gold ist schon sehr gut gelaufen, nun gibt es Gewinnmitnahmen.“ Zudem würden institutionelle Investoren Mittel in kurzlaufende US-Staatsanleihen investieren.
Und dann wären noch die Zinsen. Eine steigende Inflation infolge höherer Ölpreise führt dazu, dass die Leitzinsen bis auf Weiteres nicht wie erwartet gesenkt werden. Im Gegenteil, laut Deuber wird die Europäische Zentralbank (EZB) ab April um 0,75 Prozentpunkte erhöhen. Das sollte die Inflation einbremsen. Da Gold aber keine Zinsen abwirft, setzen Anleger lieber auf den Geldmarkt.
Noch drastischer ist die Entwicklung beim Silber. Der Preis für eine Feinunze Silber büßte seit Ende Jänner fast die Hälfte seines Rekordstands von knapp 122 Dollar ein.
Bärenmarkt
Auch mit Aktien ist es in den vergangenen Wochen nur wenig zu holen gewesen. „Zu Jahresbeginn hat es noch gut ausgeschaut und die Anleger haben geglaubt, die Entwicklung der Vorjahre setzt sich fort“, sagt Heike Arbter, Leiterin von Raiffeisen Zertifikate. Dem war aber nicht so.
wird definiert durch einen Rückgang von mindestens 20 Prozent gegenüber einem vorherigen Höchststand. Nur die wenigsten Kriege bzw. Konflikte haben einen Bärenmarkt zur Folge.
Statistik
Im Frankfurter Leitindex DAX gab es seit 1965 insgesamt 18 Bärenmärkte mit einer durchschnittlichen Dauer von 12 Monaten und einem Kursverlust von 35 Prozent. Laut Raiffeisen hat es dann 43 Monate gebraucht, um die erlittenen Verluste wieder auszugleichen.
Generell halte sich die Reaktion an den Börsen mit überschaubaren Kursveränderungen noch in Grenzen, relativiert Deuber erneut, schließlich wären davor Rekordstände erreicht worden. Eine mögliche weitere Eskalation des Krieges sei aber noch nicht eingepreist, führte Deuber aus. Vor allem in Europa sei ein „Bärenmarkt“ – sprich: eine längere Phase, in der Aktienkurse stärker fallen – aber nicht mehr so fern. Die US-Wirtschaft sei deutlich resilienter, daher rechnet er dort vorläufig mit keinen Zinsveränderungen.
„Bärenmärkte können drastischer sein, als man glaubt“, warnt Arbter. Dennoch gebe es auch in dieser Situation Chancen, etwa mittels Zertifikaten; oder auch bei Öltiteln, die zudem hohe Dividenden zahlen würden, ergänzt Deuber.
Die Turbulenzen am Persischen Golf werden Deuber zufolge zu einer höheren Inflation und einem schwächeren Wachstum führen. Konkret erwartet er für die Eurozone nun 3,5 Prozent Inflation mit einzelnen Monaten von bis zu 5 bis 6 Prozent. Die Wachstumsrate fällt auf 0,5 Prozent (statt 1,4 Prozent). In Österreich sollte die Inflation nur leicht darüber liegen, das Wachstum aber überhaupt nur noch 0,3 Prozent ausmachen.
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