Wirtschaft
30.06.2017

Internationaler Wettstreit um Hühnerhax'n

Es landet immer mehr Importware auf dem Teller. Eine Kampagne soll gegensteuern.

Auf dem Speiseplan steht immer öfter Hendl. Verglichen mit dem Jahr 1960 hat sich der Pro-Kopf-Verbrauch in Österreich versiebenfacht. Neun von zehn Haushalten kaufen zumindest ab und zu Hühnerfleisch ein, acht von zehn greifen immer wieder zu Pute.

Das heißt nicht, dass die österreichischen Geflügelhalter gut im Geschäft sind. Im Gegenteil. Sie haben in den vergangenen Jahren ziemlich Federn gelassen. Denn auf den Tellern landet immer mehr Ware aus dem Ausland. Österreichs Selbstversorgungsgrad bei Geflügel ist über die Jahre auf 67 Prozent geschrumpft. Günstigere Hühnerbrust, vor allem aus Italien und Slowenien, aber auch aus Übersee, brutzelt in den Pfannen.

"Backhendl Brazil"

"In der Gastronomie liegt der Anteil heimischer Pute quasi bei null Prozent, beim Hendl werden es ein Drittel bis maximal 50 Prozent sein", schätzt Robert Wieser von der Zentralen Arbeitsgemeinschaft Geflügelwirtschaft. Im Vorjahr hat Österreich allein in Brasilien um vier Millionen Euro Geflügel eingekauft – einen Großteil davon servierten die Wirte ihren Gästen dann als steirisches Backhendl.

Etwas besser sieht es in Supermärkten und Diskontern aus. Im Vorjahr wurden knapp 34.000 Tonnen Hendl- und Putenfleisch im Handel verkauft, relativ viel unter dem Österreich-Mascherl. Bei Hendl liegt die Quote bei 70 bis 80, bei Pute bei 50 bis 60 Prozent, meint Wieser.

Dass es nicht noch mehr ist, liegt an den strengen Tierschutzbestimmungen in Österreich. Die Besatzdichte in österreichischen Hühnerställen liegt bei maximal 30 Kilo pro Quadratmeter – die EU erlaubt 42 Kilo. Anders formuliert haben Österreichs Hennen bis zu 40 Prozent, Puten bis zu 75 Prozent mehr Platz im Stall als ihre Artgenossen in anderen EU-Ländern, etwa Polen. Das schlägt sich in den Kosten und letztlich im Preis nieder, den der Konsument fürs Hendlfilet zahlt.

Um Kunden die unterschiedlichen Produktionsbedingungen und Preise zu erklären, nimmt die AMA jetzt 350.000 Euro für eine Kampagne in die Hand. "Wir haben den strengsten Tierschutz in Europa, den mit Abstand niedrigsten Arzneimitteleinsatz und noch kleinbäuerliche Betriebe", zählt Wieser ein paar Punkte auf. Die "Federführend"-Kampagne wird von der Geflügelwirtschaft und allen großen Lebensmittelhändlern mittransportiert.

Während Händler längst ausweisen, woher die Ware kommt, behalten Gastronomen diese Info aber oft für sich. "Es gibt viele offene Baustellen, wie öffentliche Großküchen oder Spitäler", sagt Karl Feichtinger, Geschäftsführer von Wech-Geflügel.