Irankrieg und Ölpreisschock: Die Preise steigen schneller als erwartet
Momentan kostet ein Fass Rohöl der Nordseesorte Brent 95 Dollar, der Preis war bereits auf bis zu 120 Dollar gestiegen. Doch im Vergleich zum Niveau von vor dem Iran-Krieg – damals rund 70 Dollar das Fass – reden wir immer noch von einem Preisanstieg um mehr als ein Drittel.
Dieser Ölpreisschock ist längst an den heimischen Tankstellen angekommen, verteuert aber auch Frachtkosten, Flugtickets oder auf längere Sicht die Preise für Lebensmittel. Wenig verwunderlich also, dass auch die Inflation im März gestiegen ist, und zwar kräftiger als erwartet.
Betrug die Teuerung im Februar 2,2 Prozent im Vorjahresvergleich, so beträgt sie nun 3,2 Prozent, ein durchaus markanter Anstieg um einen ganzen Prozentpunkt. In ihrer Schnellschätzung war die Statistik Austria Ende März von 3,1 Prozent ausgegangen. „Ohne die Preisentwicklung bei Treibstoffen und Heizöl läge die Inflation bei 2,3 Prozent“, bestätigt Manuela Lenk, die fachstatistische Generaldirektorin von Statistik Austria.
Interessant ist, dass derzeit die Lebensmittelpreise noch nicht angezogen haben. Laut den März-Daten hat hier der Inflationsdruck sogar etwas nachgelassen.
Essen vs. Tanken
Konkret fiel die Teuerung für Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke mit durchschnittlich plus 2,3 Prozent unterdurchschnittlich und auch etwas weniger kräftig als noch im Februar (plus 2,4 Prozent) aus.
Ganz anders die Entwicklung beim Tanken: Im Februar waren die Treibstoffpreise im Jahresvergleich sogar noch um 5,1 Prozent gesunken. Mit dem israelisch-amerikanischen Angriff auf den Iran und die Sperre der Straße von Hormus war damit Schluss. Im März stiegen die Treibstoffpreise um 17,5 Prozent. Außerdem legten die Preise für Flugtickets um 7,9 Prozent zu (Februar: +0,8 Prozent).
Nach der Spritpreisbremse und der geplanten Halbierung der Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel wird spannend zu beobachten sein, ob die Bundesregierung trotz der Budgetprobleme noch zu der einen oder anderen Kompensationsmaßnahme greifen wird – etwa bei der Mineralölsteuer.
Die Inflation bekämpfen würde auch eine Zinsanhebung durch die EZB. Für die nächste Sitzung am 30. April wird diesem Schritt an den Märkten nur eine Wahrscheinlichkeit von 20 Prozent zugeordnet. Die EZB will zunächst die weitere Entwicklung abwarten. Sprich: wie lange der Iran-Krieg dauert und damit die Rohöl-Problematik auf dem Weltmarkt anhält.
Handel spürt Krise und neues Kaufverhalten
Schon jetzt kämpft ein Drittel (34 %) der heimischen Händler mit Lieferverzögerungen oder Lieferantenausfällen. 61 % erwarten bis zum Jahresende Lieferengpässe bzw. Ausfälle in ihrem Segment. Das ergibt eine Umfrage vom Handelsverband und Regioplan.
Besonders gravierend sei die Energiepreisentwicklung: „Im Schnitt rechnen unsere Händler bis Jahresende mit einer Verdopplung des Strompreises und einem Anstieg der Gaspreise um 118 %. Energie steht damit an erster Stelle der meistgestiegenen Kostenpositionen, noch vor dem Personal und der Beschaffung“, sagt Handelsverbandschef Rainer Will.
Dazu kommt ein neues Konsumverhalten. 91 % der Händler sagen, ihre Kundschaft sei preissensibler als in den Vorjahren. Klassiker wie Möbel (–5 %), Elektronik (+3 %), Bücher (+9 %) und Bekleidung (+13 %) bleiben weit zurück. Ausgaben für Tätowierungen (+167 %), Haustierbedarf (+159 %), Schönheitseingriffe (+144 %), Gastronomie (+100 %), Sportgeräte (+94 %), Urlaub (+91 %), Nahrungsergänzungsmittel und Gesundheitspflege (je +64 %) verzeichnen seit 2015 massive Zuwächse.
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