Lebensmittelindustrie schlägt wegen steigender Preise Alarm: "Krise hat uns fest im Griff"

Die Branche warnt vor einem massiven Anstieg der Nahrungsmittelpreise. Die von der Regierung geplante „Margenkontrolle“ bei Unternehmen lehnt ihr Interessensvertreter, Agrana-Chef Büttner, klar ab.
Koßdroff, Büttner (re.)

Angesichts des Irankrieges, der sich bereits in seiner fünften Woche befindet, schlägt nun auch Österreichs Lebensmittelindustrie Alarm. Steigende Energiepreise, höhere Frachtkosten, teurer Dünger und zerreißende Lieferketten erhöhen den Kostendruck entlang der Wertschöpfungskette: vom Bauern über die Weiterverarbeiter und Transportfirmen bis zum Handel.

Die logische Folge seien steigende Preise für die Endverbraucher und die Gefahr einer neuerlichen Lohn-Preis-Spirale wie in den Jahren der Teuerungskrise nach dem Angriff auf die Ukraine. Schätzungen eines Inflationsanstieges von zwei auf im schlimmsten Fall vier bis sechs Prozent machen die Runde. „Die nächste Krise hat uns schon jetzt fest im Griff“, sagt Katharina Koßdorff. Sie ist Geschäftsführerin der Sparte Lebensmittelindustrie in der Wirtschaftskammer.

Branche unter Druck

Besagter Wirtschaftszweig steht für 200 Unternehmen, 27.500 Beschäftigte und bekannte Marken wie Darbo, Manner, Stiegl oder Wiesbauer. Die Wertschöpfung beträgt zwölf Milliarden Euro, davon werden zehn Milliarden im Export in alle Welt verdient. Das Problem laut Koßdorff: Die preisliche Wettbewerbsfähigkeit sinkt, detto die Exportmengen. Die Branche stagniert seit drei Jahren – und jetzt die nächste Energiekrise.

Der größte Verarbeiter agrarischer Rohstoffe von z. B. Zuckerrüben ist in Österreich die Agrana. Ihr Chef, Stephan Büttner, vertritt die Lebensmittelindustrie als Obmann in der Wirtschaftskammer.

Als solcher lobt er Seite an Seite mit Koßdorff die Regierung für ihr prinzipielles Bemühen, die Inflation dieses Mal zu bekämpfen und nicht wieder einfach durchrauschen zu lassen. Einzelne Maßnahmen kritisiert er hingegen scharf – vom Anti-Shrinkflations-Gesetz („purer Aktionismus“) über die Spritpreissenkung um zehn Cent für alle („Gießkanne“) bis zur ebenfalls teuren, dem Einzelnen aber nur wenige Euro bringenden Mehrwertsteuersenkung auf Grundnahrungsmittel.

„Warum Salz ein Grundnahrungsmittel ist, Zucker aber nicht, verstehe ich nicht. Wir haben die Steuersenkung nicht bekommen, aber trotzdem die Margenkontrolle“, sagt Büttner. Der letzte Punkt stößt ihm besonders sauer auf. Eine Art staatliche Gewinnbeschränkung lehnt er kategorisch ab.

Bei dieser Margenkontrolle, so der Plan der Bundesregierung, müssen alle Firmen ihre Erträge der Bundeswettbewerbsbehörde einmelden. Danach analysiert eine Preiskommission die Daten und erklärt, ob es sich um zulässige Gewinne oder ein Krisen-Körberlgeld handelt. Büttner: „Für uns ist das absolut abzulehnen. Wir sind keine NGO.“

Es sei auch völlig unklar, welche Gewinnzahlen gemeldet werden müssen und anhand welcher Definition entschieden werde, was zulässig, was ein unzulässiger Übergewinn ist. „Da wird eine riesige Bürokratie aufgebaut. Man kann das nicht ernst nehmen“, so der Agrana-Chef.

Bei sehr konzentrierten Branchen wie der Ölindustrie mit z. B. nur einer Raffinerie in Österreich, mache so eine Margenkontrolle „vielleicht Sinn“. „Bei ganz normalem Wettbewerb ist das absolut falsch“, so Büttner.

Verluste nicht gedeckt

Das Hauptproblem bleibe aber ohnehin die Summe aus den steigenden Öl-, Gas- und Strompreisen. So machen die Transportkosten bei der Agrana rund 100 Millionen Euro im Jahr aus. Steigen diese Kosten wegen der höheren Spritpreise um 15 bis 20 Prozent, schlägt das sehr negativ zu Buche. Büttner: „Für die Abdeckung der Verluste in den letzten Jahren hat sich niemand bei mir gemeldet.“

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